Kartoffelgratin aus der Hölle…

… oder wie ich beim Fisch kaufen gescheitert bin.

Mehr als drei Monate liegt mein Experiment nun schon zurück… Einen Monat habe ich mich im August fast ausschließlich aus einem über einhundert Jahre alten Kochbuch ernährt. Einige der Rezepte, die ich in diesem Monat ausprobiert habe, waren sehr lecker, einige dagegen eher gar nicht. In dem Monat habe ich, obwohl ich damals nicht Hunger gelitten habe, ganze 5 Kg abgenommen (Und auch danach das Meiste wieder zugenommen)

Ein Lebensmittel, welches damals noch einen etwas anderen Stellenwert hatte, war Fisch.

Fisch — damals und heute

Fisch ist eigentlich ein wunderbares Lebensmittel, wenn man mal die Schwermetalvergiftungen heutzutage ausblendet. Damals vor über hundert Jahren hatte Fisch jedoch wie gesagt eine etwas andere Reputation als heute. Heute gilt Fisch als sehr bekömmlich und besonders der fetthaltige Tiefseefisch steht mit dem hohen Omega 3 Anteil als super gesund da.

Lachs und Aal

Lachs und Aal

Damals so um 1890 war Fisch eher Fleisch zweiter Klasse und galt als nicht übermäßig Nährstoffreich. Neben Fleischextrakt und dem bereits damals bekannten Brühepulvern oder Maggie wurde früher oft und gerne Fisch als Würzmittel eingesetzt. Ganz weit vorne waren dabei die Sardellen, oder ihre eingelegte fermentierte Form, die Anchovis. Diese enthalten viel “Würze”, fleischähnlicher Geschmack, heute gerne als Umami bezeichnet. Aber auch einen Hering hat man hier und da mit untergerührt.

Das wollte ich im August natürlich auch mal ausprobieren und erreichte damit gleichzeitig den Tiefpunkt meines Experiments.

Aber der Reihe nach. Bevor ich Fisch einstreuen und unterrühren konnte, musste ich mich ja erstmal auf den Weg machen, welchen zu kaufen. Beim Fischhändler des Vertrauens kaufte ich also einen Hering und hakte ihn in Stücke.

gehakter Hering

gehakter Hering

Straßburger Teufelskartoffeln

Diesen wollte ich zum Herstellen eines Kartoffelgratins verwenden, Straßburger Kartoffeln um genau zu sein. Dieses wird aus Zwiebeln, Schinken, Mehlschwitze, Kartoffeln, Parmesankäse und eben einem klein gehakten gewässerten Hering hergestellt. Ich hätte wohl einen frischen Hering kaufen sollen. Leider hatten die in dem Fischladen keinen frischen Hering mehr. Ich habe stattdessen einen Bismark-Hering gekauft. Das war ein fataler Fehler. Dieses Gratin war sooo widerlich. Ich habe es nur ein einziges mal probiert und dann ungegessen entsorgt. Es war nicht essbar. Die Säure des Hering hat sich dank der Hitze auf sämtliche Zutaten verteilt. Dieser Bismark-Hering sorgte für einen absolut ungenießbaren Geschmack und dazu noch eine Würgereiz verursachende Konsistenz. An dem Tag habe ich wohl besonders viel abgenommen. Ich konnte nichts mehr runter bekommen.

Straßburger Kartoffeln

Straßburger Kartoffeln

Durchhalten

Ich habe aber deshalb den Fisch nicht aufgegeben und habe dann die sogenannten “Tomaten auf Italienische Art” zubereitet. Diese sind sehr einfach herzustellen. Man röstet Zwiebeln in der Pfanne an und gibt dann Semmelbrösel, Schinken und Parmesan hinzu. Dazu etwas italienische Kräuter, Majoran oder Oregano sowie Pfeffer. Als zusätzliche würzende Zutat kommen nun einige klein gehakte Sardellen hinzu. Ich habe die Sardellen in Öl verwendet.

italienische Tomaten

italienische Tomaten

Vorsicht!!!

Es gibt einen Unterschied zwischen Sardellen und Sardinen!!!
 Sardellen bilden eine Familie von Heringsarten (ca. 140) währen Sardinen zwar auch zu den Heringen gehören, es aber nur diese eine Art Sardinen gibt. Sardinen gehören nicht zu den Sardellen und werden in der Regel wesentlich größer als Sardellen. Es gibt zwar auch größere Sardellen, die knapp 40 Centimeter groß werden, die meisten aber bleiben kleiner als 20 Zentimeter. Die bei uns als Speisefisch gekannte Sardelle aus den Dosen wird europäische Sardelle genannt und wird nur ca. 4 cm groß. Bevor ich nun noch mehr von Wikipedia abschreibe, könnt ihr Euch ja auch einfach selber weiter bilden und danach suchen :-)

Eine Dosen-Odyssee

In Dosen sind ja beide Fischsorten erhältlich und in dieser Form auch beide eher klein, also leicht zu verwechseln. Ich wollte also Sardellen kaufen für die italienischen Tomaten. Über die Unterschiede zu Sardinen hatte ich mich aber vorher nicht informiert. Also bin ich losgezogen und habe Sardellen gekauft. Naja also ich habe es zumindest versucht. Nach Hause gekommen bin ich mit Sardinen. Die waren zwar dann recht lecker auf Brot, aber wegen der Gräten eher ungeeignet um damit zu kochen. Nochmal auf Anfang also und naja was soll ich sagen. Im Einkaufsladen vor den Fischdosen war ich dann wieder sicher, dass ich Sardinen kaufen muss. Noch heute lächelt mich die falsche Dose Fisch aus dem Vorratsschrank an. Beim dritten Anlauf dann hat es geklappt und ich war stolzer Besitzer von Sardellen, eingelegt in Öl. Diese habe ich dann auch beim Kochen unter die Masse zum Füllen der Tomaten gemischt und war überrascht wie lecker die Brot-Käse Masse war. Durch die Hitze im Ofen ist der Tomatensaft dann in die Brot-Masse gelaufen und die Tomaten wurden echt lecker. Der Fisch passte perfekt dazu, ein echter Volltreffer.

italienische Tomaten nach dem Backen

italienische Tomaten nach dem Backen

Natürlich wurde auch Fisch damals als Kochfisch oder Bratfisch gegessen. So hatte ich z.B. einmal in dem Experimentmonat superfrische Nordseescholle, in Mehl gewendet und in Butterschmalz gebraten. Dazu gab es Bratkartoffeln und Gemüse. Sehr lecker.

Scholle

Scholle

Fertig

Mein Experiment ist nun schon einige Monate vorbei und ich habe in der Zwischenzeit Urlaub in Andalusien gemacht und mich im Fitnessstudio angemeldet. Wie schon in meinem ersten Experiment habe ich auch bei diesem hier irgendwann die Lust am regelmäßigen Schreiben verloren, aber durchgezogen habe ich trotzdem. Für mich habe ich gelernt, dass zu viel Brot mir nicht bekommt und dass man keine Mittelchen, Bulletproof Coffee und Avocado-Schnittchen braucht, um abzunehmen und sich gut zu fühlen. Für mich reicht es schon, wenn ich mich auf das Einfache zurück besinne und einfach nur echte Zutaten zum Kochen verwende und dabei darauf achte, dass ich diese gut vertrage. Eine Sache habe ich besonders gelernt. In Zukunft werde ich meine Blog-Experimente erst durchführen und danach darüber schreiben. Wie zum Beispiel bei meinen nächsten Experiment, davon erfahrt Ihr dann aber erst nach Weihnachten.


Originally published at Relaxedpaleo.de.

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