Remote heißt nicht einsam…

Wir bei den Kellerkindern arbeiten zu einem großen Teil vollständig remote oder zumindest ein bis zwei Tage die Woche im Homeoffice. Die Angst, die ich (und viele andere) anfangs haben, zu vereinsamen hatte sich nicht bewahrheitet. Auch, weil ich bzw. wir auf ein paar Dinge geachtet haben…

Schreibt nicht nur… Seht Euch!

Wie ich in einem vorherigen Artikel geschrieben habe, nutzen wir diverse Tools um uns das Leben schöner oder weniger anstrengend zu machen. Zwei dieser Tools sind Zoom und Slack.

Slack nutzen wir zu unserer alltäglichen Kommunikation. Zum “Hallo” und “Tschüss” sagen. Zum Teilen von Youtube-Links oder lustigen Bildern. Und auch zur generellen Projektkommunikation außerhalb von JIRA.

Bei unserer Arbeit ist uns jedoch aufgefallen, dass die reine, schriftliche Form nicht ausreichend ist, um zu “spüren”, was den anderen so bewegt oder um — aus der Perspektive eines Vorgesetzten zu sprechen — zu bemerken, wenn es einem Kollegen/Mitarbeiter nicht gut geht oder er/sie ggf. überlastet ist. Das “sich sehen” schien also wichtig zu sein…

Um das Problem “Face-to-Face-Kommunikation” zu lösen musste eine Lösung her, mit der wir unkompliziert eine Video-Konferenz starten können. Wir haben diverse Tools ausprobiert (u.a. join.me, appear.in) und uns letztendlich für zoom.us entschieden. Skype kam für uns nicht in Frage, da wir bereits Slack im Einsatz haben und vermeiden wollten, dass die schriftliche Kommunikation auf zwei Kanälen stattfindet.

Wir haben zunächst begonnen unser Daily (andere nennen es Standup) konsequent via zoom.us auszurichten. Das Ergebnis war, dass wir uns jeden Tag mindestens einmal gesehen und uns auch daran gewöhnen konnten. Es hat nicht lange gedauert, bis zoom für uns das Instrument für Video-Konferenzen wurde. Inzwischen führen wir Pair-Programming und kurze bis längere Absprachen “sich sehens” durch, obwohl wir einige hundert Kilometer entfernt sind.

Klassisches Daily bei uns: Remote via zoom.us

Wir übertreiben es natürlich nicht und nutzen kein zoom.us, wenn alle mal im Büro sind. Sobald aber schon eine Person remote ist, wird zoom genutzt.

Seht Euch nicht nur… Schüttelt auch die Hände!

Egal wie gut eine Video-Konferenz funktioniert, das “sich wirklich sehen” ist und bleibt wichtig. Wir haben deshalb spätestens alle sechs Wochen ein “Come-Together”, bei dem alle Mitarbeiter zusammen kommen, egal woher.

An diesem einen Tag (ab und zu sind es auch zwei) unternehmen wir etwas gemeinsam als Team. Wir achten strikt darauf, dass dabei die Arbeit ruht und das “wir” im Vordergrund steht. Mir ist aufgefallen, dass durch die “Nähe” via zoom.us und Slack nahezu keine Berührungsangst aufkommt, wenn sich zwei Mitarbeiter das erste mal im realen Leben treffen. Auch bei Entwicklern nicht ;-)

Wir sind eine Tekkie-Bude, deshalb ist es wichtig, dass Entwickler über den Tellerrand schauen und das bestenfalls gemeinsam. Mindestens einmal im Jahr veranstalten wir deshalb einen so genannten “Hackathon”: zwei Tage (Freitag+Samstag) arbeiten wir an neuen Technologien und einem gemeinsamen “Projekt”. Dabei ist extrem wichtig, dass es sich nicht um ein Kundenprojekt handelt um zu verhindern, dass der Hackathon “Arbeit” ist. Die Themen hierfür sammeln wir vorher und im Team wird abgestimmt, an was gearbeitet bzw. was umgesetzt wird.

Komme raus und mach’ Pause!

Auch wenn die eigenen vier Wände für viele das Heiligste sind, ist es wichtig zwischen den Come-Togethers und Hackathons auch mal raus zu kommen. Jeder Entwickler von uns arbeitet deshalb an einem Macbook Pro 13" oder 15" (je nach Wunsch). So ist es möglich seinen Arbeitsplatz in den Rucksack zu stecken, sich bei schönem Wetter ins Café zu setzen oder ein verlängertes Wochenende zu beginnen und in der Bahn oder am Zielort zu arbeiten.

Da Cafés oft laut sind und die Bahn nicht das stabilste WLAN-Netz hat, bieten sich Co-Working-Plätze an. Diese findet man in jeder größeren Stadt zu Haufe (bspw. das Betahaus in Hamburg und Berlin oder Mafinex in Mannheim): Reinkommen, freien Platz suchen und arbeiten. Neben dem Umstand, dass dort stabiles Internet vorhanden ist und meist Ruhe herrscht, lernt man immer nette Menschen kennen und stärkt so sein eigenes Netzwerk. Wir bei den Kellerkindern fördern Co-Working explizit und bezahlen entsprechende Plätze unserer Mitarbeiter.

Der ein oder andere verbindet mit Remote-Arbeit bzw. Homeoffice den Zwang dauerhaft außerhalb des Büros zu arbeiten. Neben dem eben erwähnten Co-Working freuen sich bei uns auch diejenigen, die “on site” (also im Büro) arbeiten stets darüber, wenn der heimische Arbeitsplatz gegen das Büro ausgetauscht wird. Oder wie es bei uns heißt: “Neue Gegner beim Airhockey!” ;-)

Wenn man im “Flow” ist (super Wikipedia-Eintrag dazu übrigens!), vergisst man oft Zeit und Raum. Das passiert außerhalb eines Büros schneller, als einem lieb ist: Im Büro fragt der Kollege, ob man nicht mit Essen gehen möchte oder es klingelt an der Tür, weshalb man auch mal auf die Uhr schaut. Im Homeoffice eher weniger. Es ist daher ungemein wichtig selbst darauf zu achten regelmäßig Pausen einzulegen und auch den Feierabend Feierabend sein zu lassen. Ich möchte an der Stelle nicht verschweigen, dass es auch zur Aufgabe eines Vorgesetzten gehört, das Einhalten zu überwachen und Mitarbeiter “in den Feierabend oder die Pause zu schicken”.

Stehe wirklich auf, zieh’ dich an und such einen Ausgleich!

In vielen Büchern und Blog-Artikeln wird als einer der wichtigsten Tipps für “Telearbeiter” einer genannt: “Ziehe passende Klamotten an!”. Erst als ich einige Zeit nicht ins Büro gegangen bin, wurde mir bewusst, wieso dieser Tipp Gold wert ist und nicht — wie ich anfangs dachte — unnötig: Ohne sich morgens aus dem Bett “zu quälen”, zu duschen und sich anzuziehen wird man sich zwangsläufig “gehen lassen”.

A propos gehen lassen: Suche dir für die Arbeit einen Ausgleich unter Menschen. Ganz gleich ob regelmäßige Kino-Besuche, Sport, Wandern oder der Gin-Abend mit einem Kumpel. Wir sind soziale Wesen und verlernen das, wenn wir es nicht aktiv fördern ;-)

tl;dr

Für alle, die nicht alles lesen wollten fasse ich noch einmal die meiner Einschätzung nach wichtigsten Aspekte zusammen um zu verhindern, dass “Homeoffice” zur Vereinsamung führt:

  • Sehe regelmäßig deine Kollegen, ganz gleich ob via Videokonferenz oder “in Person”,
  • triff’ deine Kollegen regelmäßig, denn die beste Video-Qualität geht nicht über ein Händeschütteln,
  • nutze die Möglichkeit von Co-Working oder Cafés um mal rauszukommen,
  • ziehe dich regulär an und arbeite nicht im Bett,
  • achte auf deine Pausen und darauf, dass du nicht zu viel arbeitest, und
  • mach einen (sozialen) Ausgleich zum Homeoffice, egal ob Sport oder etwas anderes, Hauptsache “unter Menschen”.