Wie es gelingt, mit dem Thema Regionalsport User im Netz zu begeistern — und warum sich die Investition lohnt!

Schluss mit Print-Strukturen in Online. Ein Projekt des SÜDKURIER-Medienhauses gibt dem regionalen Fußball eine Bühne. Mit Landing Pages, Themenseiten und Videos, die richtig Lust auf Amateurfußball machen.

Ja, Sie haben richtig gelesen. Ich will Ihnen tatsächlich etwas zum Thema
R-E-G-I-O-N-A-L-S-P-O-R-T erzählen. Das sind Themen und Artikel, die eigentlich meist ganz hinten in der Tageszeitung stehen, die heute angeblich sogar schon vollautomatisiert und damit billig produziert werden können.

Auf Regionalsport-Internetseiten sind meist alle Texte der jeweiligen Lokalausgaben zu finden, bestenfalls noch nach Sportarten unterteilt, oftmals aber nur mit dem Printtitel angerissen, der ohne Vorspann oder sonstige Zusätze keine Rückschlüsse auf den Inhalt erlaubte. Wer hier sucht, sucht lange. So war das auch bei uns bei SÜDKURIER Online.

Es war nicht alles schlecht.

Die Aufregerthemen haben wir schon immer beherrscht. Der SÜDKURIER hat drei Regionalsportredaktionen mit sechs Redakteuren. Unmittelbar vor dem Projektstart verließ etwa die Kreisliga-Mannschaft des SC Lauchringen während einer Partie das Spielfeld, weil ein aus Afrika stammender Spieler rassistisch beleidigt wurde. Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen, weil unser Mitarbeiter vor Ort gut reagierte und unter anderem mit seinem Handy mehrere Video-Interviews aufnahm. In der Redaktion wurde das Thema weitergedreht — tagelang war der SC Lauchringen unser Topklick. Regionalsport interessiert bei Spielabbrüchen. Das wussten wir. Aber da war noch mehr.

Da ist was. Aber was?

Wir setzen auf Paid Content. Ein Artikel ist frei, danach muss ein Abo abgeschlossen werden. Die Artikel, die zu einem Abschluss führen, werden registriert. Und in dieser Auswertung tauchte immer wieder der SC Lauchringen auf. Oder der FC 08 Villingen. Oder der SC Pfullendorf. Ganz ohne Skandale, nur mit dem Fußball-Graubrot. Mit Vorberichten, Spielberichten und Meldungen. Etwa 60 Prozent des Traffics kommt via Facebook zu uns. Da ist also wirklich etwas. Ein Potenzial, das bislang bestenfalls ignoriert wurde. Das, seien wir ehrlich, oftmals gar belächelt wurde.

Auf die Erkenntnis folgt die Initiative. Macht was! Versucht was! Wagt was! Wenn man so will, sind das tolle Zeiten gerade. Aber was wagen wir? Wie muss ein Regionalsportangebot im Netz aussehen, das den User heiß auf den Zweiten Klick macht?

Die Idee

Wir denken neu, wir nehmen die Rolle des Nutzers ein. Wir denken nicht mehr in Print-Strukturen oder Regionen, wir denken nicht mehr in Sportarten. Wir geben den Ligen und den Vereinen, die wir als die wichtigsten einstufen, eine neue Heimat auf unserer Homepage. Schluss mit Suchen. Drei Fußball-Bezirksligen und eine Fußball-Landesliga bekommen eigene Landing Pages. Alle Berichte, alle Infos werden hier gebündelt. So gut wie alle Abteilungen unseres Hauses werden in das Projekt involviert, einmal pro Woche sitzen Redakteure, Programmierer, Web-Entwickler und Experten für Suchmaschinenoptimierung und Online-Werbung an einem Tisch zusammen.

Hier geht es zur Übersichtsseite, auf der oben die vier Landing Pages dargestellt sind, dazu drei Themenseiten zu den wichtigsten Clubs unserer Region, die durch Retresco bestückt werden:

www.suedkurier.de/regionalsport

Eine Seite für alle und eine Seite für jeden Verein

Wir glauben, dass sich Spieler, Fans und Funktionäre auch für ihre Konkurrenten in der jeweiligen Liga interessieren. Wir gehen aber noch weiter. Auch wer sich nur für den eigenen Club interessiert, muss nicht mehr lange suchen. Jeder Club aus den vier Ligen bekommt eine eigene Themenseite mit Logo und Vereins-Kurzporträt, die semantische Analyse unseres Partners Retresco sorgt auch hier dafür, dass die Seiten bestückt werden.

Ganz schön viel Zusatzarbeit

Wurden bislang alle Spielberichte einer Liga teilweise in einem Artikel zusammengefasst für Print und Online, erstellen wir nun zu jeder Partie einen eigenen Artikel. Und wir sind aktueller als jemals zuvor, stellen alle Spielberichte am Samstag so schnell wie möglich ins Netz. Und sind am Sonntag das Versprechen eingegangen, dass wir in drei der vier Ligen bis 20 Uhr mit allen Berichten fertig sind, damit der Newsletter vor dem 20.15-Uhr-Spielfilm im TV raus kann. Ein Kraftakt, wie ihn sich König Eurystheus für Herakles nicht besser hätte ausdenken können. Denn da war noch mehr.

One more thing, wie Steve Jobs gesagt hätte.

Wir machen Videos! Während in anderen Verbänden wie Bayern ein erbitterter Rechtekrieg tobt, ließ uns der Südbadische Fußballverband in der Rückrunde einfach mal machen.

Ganz nach dem Motto: Hat noch keiner gefragt, zeigt mal, was ihr könnt.

Wir kaufen Stative für die Handys und versuchen was. Gleich ab dem ersten Wochenende hatten wir solche Szenen eingefangen.

Und manchmal wurden wir sogar richtig ins Spielgeschehen integriert.

Vier Spiele pro Liga besetzen wir mit Mitarbeitern, die Videos machen. Wir investieren, testen, berichten auf den Landing Pages, stellen GIFs auf die Startseite, posten auf Facebook. Und messen. Jede Liga bekommt einen eigenen Report, wird täglich ausgewertet — Besucher, Artikelverweildauern, Zweite Klicks, Abo-Abschlüsse, Paywall-Aufrufe.

Die Reaktionen

„Hallo Herr Maier, Sie haben vielleicht schon unseren neuen Online-Auftritt registriert, wir machen ja jetzt alles etwas anders. Ich wollte auch nur kurz…“ Herr Maier unterbricht die Frage: „Registriert? Im Training reden alle von den Videos. Das ist super, was ihr da macht.“

Das Telefonat gab es so wirklich, viele Gespräche verliefen ähnlich. Auch das am Bodensee und Hochrhein neu eingeführte „Interview der Woche“ überzeugt in Print und Online, ligaweit setzt sich durch, dass unser Interviewpartner jeweils einen Kasten Bier seiner Mannschaft zahlen muss.

Und als wir noch Rothaus als Sponsor für die Torjäger gewannen, sagte uns ein Stürmer, dass er nun „auf zusätzliche Vorlagen seiner Mitspieler hoffe“. War eine schöne Folgegeschichte.

Man spricht über uns, wir sind relevant. Haben mehr Sportler und weniger Funktionäre im Blatt, pardon im Netz. Und werden darin bestätigt. Ein Funktionär sagte uns zum Saisonfinale, dass unsere Berichterstattung besser als das sportliche Niveau der Liga sei.

Was hat es gebracht?

- Wir erreichen eine völlig neue Zielgruppe mit einem Durchschnittsalter deutlich unter 40 Jahren

- Unser Reichweite im Regiosport wurde um etwa 20 Prozent gesteigert

- Steigerung der aktiven Abonnenten um 250 Prozent

- Verdreifachung der Paywall Aufrufe.

- Verdreifachung unserer Facebook-Aufrufe

- Deutliche Verbesserung der Verweildauer auf unseren Inhalten und damit auch des Artikelscores

  • UND: Wir haben den regionalen Fußball mit all seiner Atmosphäre, mit seinen Typen, Emotionen und Nöten, auf ein neues Niveau gehoben. Es ist anstrengend, fordernd, macht aber auch richtig Spaß. Und vielleicht zeigen wir ein Stück Zukunft auf.

Wenn Sie uns mit uns Doppelpass spielen, oder erstmal nur mehr erfahren wollen, oder mir sagen möchten, dass wir auf dem Holzweg sind: schreiben Sie mir!

SÜDKURIER // SHIFT

Stories about our journey to the future of journalism (in…

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