Mi casa es tu casa

Meine heißesten Tipps für’s Wohnen im Studium.

Dieses Mal möchte ich euch von meiner Wohnungssituation der letzten Monate erzählen. Mir ist es super wichtig, wie und wo ich wohne, weil mein emotionales Wohlbefinden mit meinem persönlichen Freiraum steigt und fällt. Ich schätze, für viele von euch ist das Ähnlich und hoffe, dass ich euch ein paar gute Tipps an die Hand legen kann.

Ein kurzer Überblick meinerseits: Im Mai habe ich meinen Cousin in Göttingen besucht, um mir die Stadt und die Uni anzuschauen und habe mich schnell entschieden, dort zu studieren. Ich hatte das große Glück, dass die Freundin meines Cousins wegen eines nahenden Auslandssemesters dringend eine Nachmieterin oder einen Nachmieter gesucht hat. Mein Bruder, der ein Jahr vor mir mit dem Studium begonnen hat, hat mir den Tipp gegeben, erstmal etwas übergangsweise für den Einstieg zu finden und sich dann vor Ort in den ersten Monaten umschauen. Den Tipp kann ich nur weitergeben! Das Zimmer auf Zwischenmiete war super, ich hatte keinen Stress bei der Wohnungssuche in einer fremden Stadt, die Lage war toll und ich konnte während des ersten Semesters überlegen, wie ich mir das Wohnen in Göttingen vorstelle. Gleich am Anfang haben sich mehr als genug Leute aus meinem Freundeskreis gefunden, die gerne aus ihren Wohnungen ausziehen würden oder sogar müssen. In den Semesterferien sind wir dann in eine 4-er WG in der Papenburg, einem Wohnheim des Studentenwerks Göttingen gezogen.

Die Papenburg:

Für alle, die in Göttingen studieren wollen, ist die Papenburg ein ganz heißer Tipp. Die Papenburg liegt im Norden Göttingens, etwas weiter von der Innenstadt, dafür aber nur fünf Minuten von Unisport und Nord-Uni entfernt (also für PhysikerInnen besonders gut geeignet). Das Wort „Wohnheim“ schreckt viele eher ab — es gibt ja auch große Unterschiede. In manchen teilt man sich die Küche mit 20 anderen Leuten und es sieht aus wie in einer Jugendherberge, nur damit alles möglichst billig ist. Eine Küche haben wir zum Glück für uns alleine, denn in der Papenburg gibt es nur WGs unterschiedlicher Größe — günstig ist das Wohnen trotzdem. Das Wohnheim erinnert ein wenig an ein Ferienressort, durch die Mitte führt ein langer Weg, es stehen unfassbar viele Fahrräder herum und der Weg ist umrandet von einer schönen Baumallee, grünen Vorgärten und Sitzmöglichkeiten neben zahlreichen Grills. Rechts und links führen Treppen zu jeweils sechs Wohnungen, immer zwei nebeneinander und nur drei Stockwerke — kein schmutziges Treppenhaus also und maximal zwei Treppen zum Laufen!

Das ist der Blick aufs Wohnheim von unserer Treppe aus. Morgens scheint dort schön die Sonne hin und man kann beim Frühstück den allgemeinen Trubel beobachten.

Die Papenburg ist zu großem Teil eigenverantwortlich von den BewohnerInnen organisiert, es gibt für alles Mögliche TutorInnen, die Aktionen für das Wohnheim organisieren, wie das Umwelttutorium, das unter Anderem für den Kompost des Wohnheims zuständig ist, oder das Internet- und die Partyraumtutorium. Im Regelwerk der Papenburg steht als erster Punkt, dass sich jeder grüßen soll. Klingt ein bisschen kleinkariert, ich finde das allerdings sehr schön! Man kommt sich gleich vertrauter vor und lernt seine Nachbarn kennen, mit dem Agrarwissenschaftsstudent von gegenüber tauschen wir selbstgebackenes Brot gegen selbstgemachten Aufstrich und die WG schräg unten hat uns gleich am Anfang zu ihrem Frittier-Freitag eingeladen. Mein persönlicher Traum einer Wohnung wäre ja ein Altbau mit schönem Balkon, aber in der Papenburg lässt’s sich auch aushalten … grad so.

Ich schätze mal, viele von euch wohnen noch zuhause. Dass ich noch richtig bei meinen Eltern gewohnt habe, also länger als eine Woche mal zuhause war, ist lange her. Daher ist mir anfangs gar nicht aufgefallen, wie sehr ich mich in meinen 18 Lebensjahren an ein paar Dinge gewöhnt habe: dass immer jemand da ist, dass das Klavier jedes Mal beim Heimkommen im Esszimmer steht, dass es ein gemeinsames Wohnzimmer gibt, in dem man sich selten alleine auf dem Sofa lümmelt und dass alles gut ist, wenn man die Tür aufschließt, zuhause abschalten und man selbst sein darf. Im ersten Semester ist mir dann klargeworden: Ich brauche das, die Vertrautheit mit den Leuten, die mich morgens verschlafen von Bett zum Bad taumeln sehen, die in der Wohnung sind, wenn FreundInnen da sind oder wenn es mir schlecht geht. Eine Familie mit der ich gerne die gemütlichen Stunden verbringe, in denen ich zuhause Luft schnappe und mich erhole, damit das die schönsten Stunden des Tages werden. In dem neuen Semester (ob jetzt wegen des Umzugs oder des entspannteren Stundenplans) bin ich viel öfter zuhause, schlafe öfter in meinem eigenen Bett, wache gerne dort auf, frühstücke in der Sonne und freue mich darauf, nach der Uni nach Hause zu gehen und wirklich zuhause zu sein.

Ich höre ganz oft das Argument, dass viele nicht gerne mit Leuten aus ihrem Studiengang zusammenwohnen wollen und daher in weniger vertraute WGs ziehen, die dafür bunt gemischt sind. Ich zumindest kann es nur empfehlen, mit FreundInnen zusammenzuleben, denn auch unter den Uni-Leuten gibt es die, die man immer und die, die man nie zu Gesicht bekommt. Im ersten Semester haben ich und meine MitbewohnerInnen uns gefühlt kaum gesehen, das hat sich jetzt zum Glück geändert. Da wir befreundet sind, unternehmen wir gerne und viel miteinander und es ist super einfach, gemeinsame Projekte in der Wohnung zu starten. Weil wir viele Schnittstellen im Freundeskreis haben, ist die WG ein offener Ort für alle geworden, die gerade lustig sind, wir freuen uns immer über Besuch. Unser bescheidenes Wohnzimmer ist dadurch ein beliebter Treffpunkt, um abends Grillabende zu veranstalten, nach der Uni zum Abendessen vorbeizustrahlen oder sich den Weg morgens zur Uni zu verkürzen, indem man einen Schlafplatz ergattert. Ganz nach dem Motto: „Mi casa es tu casa“ und wirklich wie eine große Familie.

Den letzten Geburtstag haben wir gleich gebührend in unserem neuen Heim gefeiert mit exklusiver Partybeleuchtung aus der Papenburg!

Mein letzter Tipp: Achtet auf die Wartezeiten des Wohnheims! Die sind für einzelne Personen gewöhnlich mind. sechs Monate, meistens werden es mehr. Wir hatten viel Glück, weil wir uns zu viert angemeldet haben und so gleich eine ganze WG übernommen haben, die gerade leer geworden ist. Es lohnt sich also, sich früh anzumelden, denn die Wartezeiten werden addiert, falls man sich doch mit anderen Leuten für eine WG zusammenschließt. Es lohnt sich aber auch, es trotzdem zu versuchen, selbst wenn man spät dran ist.

Hier nochmal die Papenburg von unten. Besonders der private kleine Innenhof mit Grills und im Sommer einem Riesenplanschbecken macht die Burg super idyllisch.

Die Wohnungssuche ist eins der fiesen Erwachsenendinge, die einen haltlos überfordern können — am Ende ist alles halb so wild. Bestimmt findet ihr auch euer ganz persönliches und mindestens genauso schönes neues Zuhause im Studium wie ich es gefunden habe.

Liebe Grüße
Leonie


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