6 Vorlesungs-Booster. Jetzt mehr aus Deiner Zeit machen.

Vorlesungen sind wie ein Theaterstück, in dem Du sitzt und Dich berieseln lässt. Und wie nach einem Theaterstück hast Du den Stoff danach nicht verinnerlicht, genauso wenig wie Du den Text der Schauspieler auswendig aufsagen könntest.

Also ist die Vorlesung Zeitverschwendung!

“Wenn ich die Vorlesungen nacharbeite, kann ich mich an mindestens 80% des Stoffes gar nicht mehr erinnern.”

Schreibt eine Studentin in einem Forum.

Wie Du sicher ebenso wie ich schon beobachtet hast, schlafen andere auch gerne einfach mal ein: „Ich hab teilweise echte Probleme, während den Vorlesungen nicht dauernd einzunicken.“

Wenn Wachbleiben schon eine Herausforderung ist, wie um alles in der Welt soll man dann aus so einer Veranstaltung etwas Sinnvolles mitnehmen?

Das zeig ich Dir mit unseren 6 Vorlesung-Boostern.

1. Hingehen oder nicht hingehen?

Zugegeben: Es gibt Veranstaltungen, die hoffnungslos sind.

Ich hatte mal einen Professor, der dermaßen unverständlich gesprochen hat, dass einem nach 10 Minuten des Zuhörens die Ohren geblutet haben. Keine Chance, irgendetwas zu verstehen.

Solche Veranstaltungen sind sinnlos. Aber wieso gibt es sie?

Nun, im deutschen Universitätssystem werden Professoren nicht in Didaktik ausgebildet. Es gehört zwar zu ihren Pflichten, Dir etwas beizubringen aber es ist nicht ihr Hauptjob. Für die meisten ist es auch nicht der Grund, warum sie eine Professur angestrebt haben.

Professoren wollen ihre Forschung betreiben. Wenn sie dabei auch noch gut im Unterrichten sind, weil es ihnen einfach Spaß macht, dann gibt es eine gute Vorlesung. Das ist selten.

Dennoch sind die meisten Vorlesungen sinnvoll. Auch wenn sie keine didaktischen Meisterwerke sind.

Professoren legen immer Wert auf bestimmte Teilgebiete des Stoffes, und diese Neigungen kann man sehr gut in den Vorlesungen feststellen.

Oftmals werden auch Beispiele genannt, die nicht im Skript stehen und die den Stoff gut veranschaulichen.

Und, sollte das alles nicht gegeben sein, so nutzt man die Zeit zumindest dazu, den Stoff ein erstes Mal richtig durchzugehen.

Denn in Deinem Lernprozess ist es am Anfang wichtig, das Gesamtbild zu verstehen.

Wie hängen die einzelnen Kapitel des Skriptes zusammen? Und was ist der Sinn des Ganzen?

Das hilft Dir später, konkrete Lerninhalte besser zu verstehen und einzuordnen. Diesen Überblick bekommst Du sehr schnell, wenn Du der Vorlesung aktiv folgst.

Aber was ist denn nun, wenn Du so einen Prof hast, wie ich? Dann würde ich Dir empfehlen, die Vorlesung aus Deinem Terminkalender zu streichen.

Aber bitte tu mir den Gefallen und geh nicht nur für Dein Gewissen hin, sitz nicht in der letzten Reihe und rede mit Deinem Nachbarn. Das ist absolute Zeitverschwendung und das weißt Du. Ihr könntet beide besser in einem Café sitzen und Du hättest sogar mehr davon. Außerdem macht Ihr es für die anderen zusätzlich schwer der Vorlesung zu folgen.

Also, Vorlesungen, bei denen Du schon nach der ersten Veranstaltung merkst, dass es unmöglich ist zu folgen, streichen.

Ansonsten auch bei langweiligen Vorlesungen das Beste daraus machen. Wie das geht, zeige ich Dir jetzt.

2. Vorne sitzen

Das hier ist eigentlich ein echt alter Hut.

Aber es wirkt Wunder. Hast Du es schon mal ausprobiert? Vorne hörst Du nicht nur mehr, sondern bist durch die schiere Nähe des Dozenten auch automatisch weniger abgelenkt.

Denn wer hier schläft, der wird mit tosendem Gelächter des gesamten Semesters geweckt. Da kannst Du Dir sicher sein!

In Rechnungswesen hatten wir einen sehr guten Professor, der sich einen Spaß daraus gemacht hat, gerade unaufmerksamen Studenten simple Fragen zum Inhalt zu stellen. Hierbei präferierte er Studenten, die in den letzten Reihen dösten. Nicht selten wurden seine Fragen mit „Hä?“, „Was?“ oder „Ich habe nicht aufgepasst!“ beantwortet.

Dieser Professor wurde geliebt, denn er hat immer für reichlich Gelächter gesorgt, wenn er nach einer solchen Antwort nicht lockerließ. Du kannst Dir vorstellen, dass das Aufmerksamkeitslevel hier immer bei 100% lag und man sich gerne nach vorne setzte um der Pein zu entgehen, falls man doch mal abdriftet.

Aber auch wenn Dein Prof. nicht die Gabe besitzt, unendliche Peinlichkeit und schallendes Gelächter zu erzeugen, solltest Du die Magie des Vornesitzens nutzen. 😉

Wenn Deine Freunde nicht vorne sitzen wollen, umso besser. Denn alleine bist Du noch weniger abgelenkt.

Meistens siegt aber sowieso der Gruppenzwang. Denn sie merken dann, dass Du die ganze Sache hier ernst nimmst und überlegen sich, ob sie das nicht auch machen sollten.

Probiere es aus!

3.Tablet, PC und Co.

Obwohl ich sehr technikaffin bin, weiß ich, dass mich mein Tablet oder Smartphone in der Vorlesung immer mehr abgelenkt hat als es mir etwas gebracht hat.

Es gibt Vieles, das dafür spricht. Zum Beispiel können Viele schneller tippen und vor allem sauberer, als sie mitschreiben können.

Viele Apps machen uns auch in der Vorlesung das Leben einfacher. So können wir mit einem Tabletstift direkt in das pdf-Skript schreiben.

Und natürlich kann man schwierige Sachverhalte mit Wissen aus dem Internet gleich nachvollziehen.

All diese Möglichkeiten sind großartig und machen das Leben in der Vorlesung deutlich einfacher.

Es gibt jedoch einen Nachteil dieser Techniknutzung, der das wieder zunichte macht. Oder sogar alles noch verschlimmert als ohne Technik. Diese bunten und schönen Geräte laden dazu ein, von der grauen und tristen Vorlesung abzulenken.

Du gehst auf Facebook, Youtube oder spielst Bubbleshooter. Ich weiß es. Ich habe es genauso gemacht.

Du musst schon sehr diszipliniert sein, um dem zu entgehen. Und belüg Dich nicht selbst. Wenn Du sonst schon Probleme hast, 90 Minuten am Stück aktiv die Vorlesung zu verfolgen, dann wird es mit einem Laptop bestimmt nicht besser.

Also, Skripte und Folien kann man ausdrucken und Handys ausschalten.

Diese Runde verliert die Technik leider.

4. Mitschriften

„Es steht sowieso alles auf den Folien.“

Das ist ein trügerischer Gedanke, der schnell dafür sorgen kann, dass Deine Aufmerksamkeit gegen null geht.

Es ist sicherlich nicht falsch. Heutzutage steht das Meiste des Wissenswerten in den Folien oder im Skript. Das macht es einem wirklich einfach, nicht mitzuschreiben.

Und mal ehrlich: wer nutzt seine Mitschriften überhaupt noch aktiv zur Nachbereitung?

So habe ich es während meines Bachelors auch lange Zeit gesehen und gehalten. Und mit Sicherheit musste ich dadurch die eine oder andere Stunde länger in der Bib sitzen. Gerade in Fächern, in denen das Skript kryptisch und die Theorien abstrakt sind.

Damit Dir das erspart bleibt, nutze die Zeit, die Du sowieso in der Vorlesung sitzt, um das Skript oder die Folien zu ergänzen und verständlicher zu machen.

Du gehst so den Stoff richtig durch und bleibst nebenher auch noch aufmerksam.

Hilfreich ist es, wenn Du die Folien mit viel Platz ausdruckst. Hast du die Powerpointdatei, so kannst Du die Notizfunktion nutzen, bei der extra Platz gelassen wird.

Gibt es kein Skript oder möchtest Du richtige Mitschriften nebenher führen, kannst du einem Tipp der Uni Kassel folgen. Ich werde darauf noch aufbauen.

Teile das Blatt in 3 Spalten ein.

In der linken Spalte die etwa 5 cm einnimmt, kommt die Gliederung der Vorlesung. Immer wenn ein neues Kapitel, Thema oder eine neue Theorie sbesprochen wird, schreibst Du hier ein Stichwort hinein. So wird der Fluss der Vorlesung abgebildet. Logische Zusammenhänge erschließen sich Dir so schneller.

Der mittlere Streifen nimmt den größten Teil ein. Er ist für den eigentlichen Notizenstrom gedacht. Hier schreibst Du Beispiele und Erklärungen des Professors mit.

Dabei solltest Du nicht akribisch alles mitschreiben, was er sagt. Achte auf die Betonungen. Welche Themen werden sehr ausgiebig besprochen? Wo gibt der Professor viele Beispiele?

Mit einem bisschen Übung findest Du das richtige Maß

Hast Du es gefunden, so selektierst Du bereits automatisch den Stoff nach den wirklich wichtigen Themen. Das ist der erste Schritt in die richtige Klausurvorbereitung.

Der rechte Streifen (ca. 7cm) ist für Anmerkungen. Alle Gedanken, die in Deinen Kopf kommen, während Du schreibst. Es können eigene Erkenntnisse zum Stoff sein. Anmerkungen über die Wichtigkeit eines Themas. Vielleicht ein Verweis auf Nachschlagewerke. Fremdwörtererklärungen. Und so weiter.

Oben solltest Du noch eine Kopfzeile für den Titel, Datum usw. freilassen.

So, jetzt hast Du wahrscheinlich mit Abstand die besten Mitschriften Deines Semesters!

Das Ganze sieht dann so aus:

5. Vorbereitung und Nachbereitung

Herzlichen Glückwunsch!

Wenn Du bis hierhin durchgehalten und alles befolgt hast, erreichst Du die Königsdisziplin.

Hier trennt sich die Spreu vom Weizen.

Die Vor- und vor allem die Nachbereitung der Vorlesung werden als extrem nervig angesehen. Dabei sind sie der wichtigste Schritt zu Deiner kontinuierlichen Klausurvorbereitung.

Beides zusammen sollte nicht mehr als 30 Minuten dauern.

Die Vorbereitung einer Vorlesung ist sehr simpel. Sie dauert 5 Minuten und kann beispielsweise in der Bahn auf dem Weg zur Vorlesung geschehen.

Nimm Dir einfach das heutige Kapitel vor und überfliege es. Wo sind Inhalte die auf den ersten Blick schwierig erscheinen?

Diese markierst Du, so dass Du später gezielter zuhören oder Fragen stellen kannst.

Die Nachbereitung sollte etwas länger und ausführlicher sein.

Optimal ist es, sie sich direkt nach der Vorlesung vorzunehmen. Geh hier in 25min die wichtigsten Themen nochmal durch und schreib Dir eine erste Zusammenfassung. Hierzu kannst Du Deine Notizen und das Skript nutzen. Ich bin oft einfach direkt nach der Vorlesung in die Bib gegangen. Dann bist Du sowieso noch im Lernmodus.

Fällt es Dir schwer, Dich nach 90 Minuten Vorlesung noch zu motivieren oder hast Du noch andere Veranstaltungen, kannst Du die Nachbereitung auch später machen.

Ein Freund hat sich z.B. immer am Ende der Woche hingesetzt. Er hat alle Vorlesungsskripte rechts auf einen Stapel gelegt und den Stapel von oben durchgearbeitet. Jedes Skript 30 Minuten.

Das ist sehr effizient, und so kann man an einem Nachmittag den Stoff einer ganzen Woche wiederholen.

6. Goodie

Zu guter Letzt: Vorlesungen sind nicht immer lahm. Manchmal ist es sogar besser als im Theater.

Im zweiten Semester habe ich in einem Audimax einen Papierflieger aus der letzten Reihe geworfen. Er ist 400 Plätze nach unten gesegelt und genau auf dem Lehrerpult gelandet.

Im vierten Semester versteckte sich eine Kommilitonin in einem Wandschrank hinter dem Lehrerpult. Sie trug einen Bademantel. Als der Professor den Schrank öffnete um Kreide zu holen, hat er sich zu Tode erschreckt, als Sie dastand und so tat als hätte er sie beim Duschen gestört. 😀

Und schaut euch mal den Professor hier an:

Man merke also: Vorlesungen sind zwar veraltet, staubig und als Lernmedium recht umständlich, aber Du kannst Sie jetzt trotzdem zu deinem Vorteil nutzen.

Alles Gute für dein Semester,

Dein

Christoph


Original erschienen auf blog.scholario.de am 3 März 2016.

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