Wie Du genau jetzt mit dem Lernen anfängst

Immer wenn ich anfangen will zu lernen, kämpfen Millionen Dinge um meine Aufmerksamkeit.

Müll ‚rausbringen, Wäsche waschen, Staubsaugen — jede noch so nervige Aufgabe erscheint auf einmal attraktiv, im Schatten des riesen Lernberges, den ich zu bewältigen habe.

Klar, jeder weiß: einfach anfangen ist die Devise. Augen zu und durch! Oder, wie mein Vater früher immer gesagt hat: “Jetzt knie Dich mal richtig rein, Junge!”

Komisch, solche Sprüche haben mir noch nie viel genutzt.

Wo soll ich denn anfangen? Wie gehe ich diesen Berg an?

Einen Schlachtplan entwerfen

In den ersten Tagen des Studiums ist immer dieser Nebel um die Klausuren. Professoren haben schon hier und da einen Tipp fallen lassen. Ältere Kommilitonen erzählen Horrorgeschichten. Wenig hilfreich, keine Ahnung, was abgeht.

Dies ist der richtige Zeitpunkt, sich einen Überblick zu verschaffen.

Der meiste Stress wird durch die Ungewissheit am Anfang ausgelöst.

„Wo soll ich nur anfangen?“ und „Was ist, wenn ich das Falsche lerne?“

Hier hilft nur eins: schauen, wie groß dieser Lernberg wirklich ist. Konkret solltest Du Dich fragen: “Was muss alles noch geschehen, damit ich diese Klausur rocken kann?”

Du entwirfst Deinen Schlachtplan.

Aber wie bekomme ich überhaupt den Überblick? Was ist, wenn ich die Hälfte vergesse?

Es gibt ein paar kleine Fragen, die am Anfang helfen, einen Überblick über seine Aufgabe zu bekommen:

  • Wie viele Übungsblätter und Vorlesungskapitel gibt es? Das klingt banal, aber es ist nun mal die Basis.
  • Gibt es Übungsklausuren und wie bekomme ich sie?
  • Was machen meine Freunde? Fragen kostet dich nichts und schafft Dir Sicherheit. Und oft fühlt sich Dein Gegenüber geehrt 😉

Warum jetzt noch mehr Zeit damit verbringen, einen Lernplan aufzustellen?

Ganz einfach. Es motiviert Dich. Mit Deinem Lernplan meißelst Du viele kleine Stufen in Deinen Berg. Jede dieser Stufen ist leicht zu bewältigen und bringt Dich Deinem großen Ziel ein Stück näher. Der Berg bekommt Struktur. Und Du siehst: Du kannst fertig werden, und zwar nicht erst nach der Klausur, sondern davor.

Kleine Schritte

Das Schöne an diesen kleinen Stufen ist, dass Dir jede einzelne von ihnen die Genugtuung geben kann, etwas geschafft zu haben. Sie bringen Dich mit einem guten Gefühl durch die Lernphase.

Was Dich Tag für Tag glücklich macht, sind die kleinen Erfolgserlebnisse. Ziele, die Du Dir jeden Morgen setzt und die Du bis zum Ende des Tages locker erklimmen kannst.

Und dann hast du etwas geschafft. Das klingt einfach, aber es gibt Dir Sicherheit. Du fokussierst dich immer nur darauf, den nächsten Schritt zu schaffen. Und den nächsten. Und den nächsten.

Das ist es, was Dir — zu Recht — ein gutes Gefühl gibt.

Damit das funktioniert, müssen Deine Ziele so präzise wie möglich formuliert sein.

„Heute Vormittag: Übung 1 in Statistik durchrechnen.“

Je konkreter die kleinen Ziele sind, desto eher wirst Du sie auch wirklich erledigen.

So. Geschafft. Dein Schlachtplan steht, und es kann jetzt wirklich losgehen. Geht es Dir jetzt vielleicht schon ein bisschen besser als noch vor einer Stunde?

Der Nein-Sager

An diesem Punkt war ich auch schon oft genug. Doch mit Blick auf den Plan meldete sich eine zweifelnde innere Stimme:

„Wie soll das nur alles gehen?“

„Guck mal, wie viel das ist! Ich habe nur noch ein paar Tage.“

„Was passiert wohl, wenn das nicht hinhaut?“

Und schon stehst Du wieder vor Deinem Berg und guckst von ganz unten hoch.

Das hilft Dir nicht weiter. Du musst aktiv gegensteuern. Reiße Dich aus diesen Szenarien zurück in das Hier und Jetzt. An die Aufgabe, die jetzt vor Dir liegt.

Und der beste Weg, diese Panikgefühle loszuwerden, ist, sich ein kleines Ziel aus dem Plan vorzunehmen und damit zu beginnen. Jetzt gleich.

Du kannst Dir sagen: „Ich arbeite jetzt 10 Minuten, und wenn es mir dann noch nicht besser geht, höre ich auf und lenke mich ab.“

Du musst den Plan nicht von oben abarbeiten. Nimm Dir etwas, das Spaß macht. Nimm Dein Lieblingsziel. Was das ist, ist ganz egal. Hauptsache: handeln, handeln, handeln.

Die erste kleine Aufgabe hat zwei Effekte:

  • Sie bringt dich auf andere Gedanken. Lässt dich eintauchen.
  • Und ehe Du Dich versiehst, hast Du auch schon die erste Stufe erklommen. Das fühlt sich gut an und gibt Dir Mut für die zweite Stufe. Vielleicht auch Lust auf das nächste Erfolgserlebnis.

Bilanz ziehen

Hast Du erst einmal eine gewisse Ruhe erreicht, kannst Du Dich auch mal zurücklehnen und das große Ganze betrachten.

Hierbei ist es wichtig, neutral zu bleiben. Verfalle nicht wieder in Panik. Es hilft, wenn Du Dir zunächst alles vor Augen führst, was Du schon erreicht hast. Schaue erst die Treppe hinunter, bevor Du Dich nach oben wendest.

Dann kannst Du sehen, ob der Weg den Du Dir nach oben ausgewählt hast, noch der richtige ist. Oft ändern sich mit der Zeit die Bedingungen, der Klausurstoff wird eingeschränkt oder Du bist einfach mehr in ein Thema eingestiegen. Du verstehst die Voraussetzungen besser. Daher ist eine spätere Anpassung wichtig.

Fazit

Der Zeitpunkt, zu an dem Du mit dem Lernen anfangen solltest, ist jetzt! Genau jetzt.

Lass Dich nicht unterkriegen von einem großen Berg. Schlag Dir eine Treppe in den Berg. Denn nur kleine Aufgaben motivieren Dich am Anfang, loszulegen.

Schieb negative Gedanken weg. Hör auf, am Berg hochzugucken, sondern konzentriere Dich lieber auf die nächste Stufe.

Pick dir die Rosinen heraus. Nimm Dir die Aufgabe, die Dich am meisten interessiert, zuerst vor. Ist diese erst einmal geschafft, geht der Rest viel leichter von der Hand.

Als letztes schau immer mal wieder zurück auf das, was Du schon geschafft hast. Es motiviert Dich für die Stufen, die noch vor dir liegen.


Originally published at blog.scholario.de on January 29, 2016.

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