Coaching an Schulen, kein Ding der Unmöglichkeit

Aus vorherigen Artikeln wurden grundlegende Gedanken zum Thema Coaching angeführt, in wie weit sich Coaching im Bildungswesen integrieren lässt, wird hier an zwei Praxisbeispielen verdeutlicht.

Zum einen zeigt es ein Beispiel der Walliser Grundschule, die ein Coaching der CIBZ in Anspruch genommen haben und zum anderen zeigt es ein Beispiel, welches in der Werner-von-Siemens-Schule umgesetzt wird.

Walliser Grundschule

Die in München ansässige Walliser Grundschule hat die Möglichkeit in Anspruch genommen sich von der „Coaching Initiative Bildung und Zukunft“ coachen zu lassen. Zunächst nutzte der damalige stellvertretende Schulleiter die Chance ein Einzel-Coaching zu absolvieren. In einem 10 Stunden umfassenden Einzel-Coaching[1] wurde Herrn Inderst die Möglichkeit gegeben in einer Zweierinteraktion über schwierige berufliche aber auch persönliche Themen zu sprechen und diese zu bearbeiten.[2] Aufgrund der dort gemachten Erfahrungen, entschied er sich, als neu ernannter Rektor, zusammen mit seinem Lehrerkollegium ein 30 Stündiges Team-Coaching zur Weiterentwicklung der Schulkultur durchzuführen.

Der Schwerpunkt lag hier bei Teamentwicklungsaufgaben, in der Förderung der Kommunikation und Zusammenarbeit und im Leistungsverhalten des Teams.[3] In einer späteren Pressekonferenz wurde Stefan Inderst gefragt:

„Was hat sich für Sie und Ihre pädagogische Arbeit nach dem Coaching verändert?“[4]

Woraufhin er antwortete:

„Wir haben in dieser Zeit ein Leitbild gemeinsam im Kollegium erarbeitet. Das war das wichtigste Ziel. Dieses Leitbild ist der konkrete Rahmen meiner Schule in dem schulischen Umfeld, in dem wir uns bewegen.“[5]

Ein Leitbild fördert und erleichtert die Zusammenarbeit innerhalb eines Teams enorm. Ziel und Zweck dieses Leitbildes ist es, einen Auftrag für die Schule zu formulieren und strategische Ziele zu definieren, welche im Wesentlichen als Orientierung für das weitere Verhalten und Handeln der Schule gelten.[6]

Werner-von-Siemens-Mittelschule

Das nächste Praxisbeispiel von Coaching an Schulen stellt die „Werner-von-Siemens-Mittelschule“ dar. Die Augsburger Schule hat sich bereits vor einigen Jahren dazu entschieden, ein Mentoring-Projekt für ihre Schüler einzuführen, welches grundlegende Aspekte des, wie in den von mir verfassten Artikeln verstandenen, Coachings enthält.

Es hat zum Ziel, Schüler zu einer erfolgreichen Bewerbung oder einer weiterführenden schulischen Maßnahme zu führen. Dass dies auch funktioniert, zeigt, dass 70–95 Prozent der Schüler mit Mentoring dieses Ziel auch erreichen. Im Vergleich dazu liegt der städtische Durchschnitt hierzu bei etwa 50 Prozent.[7] Wie aber ist der Weg dahin? Die Schüler werden im Wesentlichen in 3 Bereichen individuell gefördert. Das sind Deutsch, Mathematik und „Verhalten und Werte“.

Die Förderung erreichen sie durch einen jeweiligen ehrenamtlich engagierten Mentor, der zusammen mit seinem „Schützling“ Ziele definiert und mit ihm an diesen arbeitet. Damit dieses Projekt, welches sich bereits seit 11 Jahren bewährt hat, auch weiterhin funktionieren kann, ist es laut dem Rektor Gerhard Steiner wichtig, auch ein starkes Lehrerkollegium hinter dem Projekt stehen zu haben.[8] Dies zeigt sich daher auch im Verhalten des Rektors gegenüber seinen Lehrkräften. Er führt zum Beispiel regelmäßig Einzelgespräche mit ihnen durch, in dem auf die Arbeit bezogene Zielsetzungen überprüft und/oder erarbeitet werden.

Auch mit persönlichen Problemen dürfen sie gerne zu ihm kommen, um gemeinsam für beide Parteien dienliche Lösung zu entwickeln. Weiterhin führte er eine regelmäßig stattfindende Teambesprechung ein, in der die Lehrkräfte gemeinsam Projekte planen und umsetzen sollen. Dabei setzt er voraus, dass 80 Prozent der Projekte auf den Lehrstoff abzielen müssen. Die restlichen 20 Prozent dürfen sie auch für vom Lehrplan abweichende Projekte investieren.[9] Auch hier zeigen sich wieder die Hauptakzente des Coachings (Prozessorientierung, Personenzentrierung, Ressourcenorientierung und Lösungsorientierung).

Jedoch birgt diese Haltung des Rektors auch Gefahren in sich, welche bedacht werden müssen. Die Form des „Vorgesetzten als Coach“ ist als Teil der Führungsfunktion zu sehen und somit nur ein Teilbereich der Arbeit einer Führungskraft.[10] Was wiederum heißt, dass die Aufmerksamkeit nicht ausschließlich auf der Weiterbildung des Mitarbeiters liegt.

Weiterhin ist die Beziehung zwischen Vorgesetztem und Mitarbeiter eine kritische Variable. Die Schwierigkeit ergibt sich vor allem aus dem bestehenden Beziehungsgefälle[11] zwischen Schulleiter und Lehrer. Daraus ergibt sich, dass Lehrkräfte nur bedingt über persönliche Probleme sprechen. Auch der Aspekt der Freiwilligkeit ist in solch einem Beziehungsgefüge schwierig einzuhalten, da ein Mitarbeiter wahrscheinlich nur schwer ein Coaching ohne weitere Folgen beenden kann.[12] Weiterhin ist es die Pflicht des Schulleiters unter anderem die Lehrer zu beurteilen und zu bewerten, was weiteres Konfliktpotenzial hervorbringen kann.[13]

Aus all diesen Argumenten ergibt sich, dass es mit Vorsicht zu genießen ist, in einem Hierarchiegefälle ein Coaching durchzuführen. Aus dem Beispiel der Werner-von-Siemens-Mittelschule lässt sich aber ableiten, dass das anwenden der Coaching-Haltung als durchaus umsetzbar zu sehen ist und richtig angewandt auch erfolgversprechend ist.

Literaturverzeichnis

[1] Vgl. Journalistenakademie, 2015a
[2] Vgl. Rauen, 2003, S.54
[3] Vgl. Ebd., S58
[4] Journalistenakademie, 2015b
[5] Ebd.
[6] Vgl. Kiessling / Babel, 2011, S.32
[7] Vgl. Steiner, 2014
[8] Vgl. Ebd.
[9] Vgl. Ebd.
[10] Vgl. Rauen, 2005, S.114
[11] Vgl. Ebd. S.120f
[12] Vgl. Ebd. S.121
[13] Vgl. Ebd.