Beständige Weiterentwicklung

Das Geschäftsjahr des ZIA

von Klaus-Peter Hesse | Dr. Stephan Rabe
Dies ist eine coole Bildunterschrift
Im zehnten Jahr seines Bestehens festigt der Zentrale Immobilien Ausschuss seine Position als branchenführender Verband der Immobilienwirtschaft — und baut sie als Stimme der Immobilienwirtschaft weiter aus. Besonderer Dank gebührt dabei den zahlreichen ehrenamtlich in unserer Gremien- und Verbandsarbeit engagierten Vertretern aus unseren Mitgliedsunternehmen und -verbänden ebenso wie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Geschäftsstelle und des Büros Brüssel.

Steigenden Bedarf an Wohn- und Wirtschaftsimmobilien decken

Im abgelaufenen Geschäftsjahr stand ein Thema im Fokus unserer Arbeit, dessen Bedeutung auch in den nächsten Jahren nicht abnehmen wird: bezahlbares Wohnen und Bauen. Wir haben uns aktiv im von Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks gestarteten Bündnis eingebracht und uns mit den relevanten Akteuren an einen Tisch gesetzt. Ziel muss es sein, den wachsenden Bedarf an Wohn- und Wirtschaftsimmobilien zu decken und die sozialen, demografischen und energetischen Herausforderungen in einem gemeinsamen Kraftakt zu bewältigen. Bezahlbares Wohnen und Bauen ist eine Querschnittsaufgabe, die Energieeffizienz, Liegenschaftspolitik, Mietrecht, Bau- und Baunebenrecht (z.B. Immissionsschutz- und Bodenrecht), Steuerrecht und selbst die Finanzmarktregulierung umfasst.

Bei der Bewältigung dieser Herausforderungen gilt es, politische Ziele wie den Klimaschutz, die Steigerung der Energieeffizienz und die zunehmende Nutzung erneuerbarer Energien mit den Zielen der Immobilienwirtschaft in Einklang zu bringen. Wir haben uns dafür aktiv in den politisch-gesellschaftlichen Diskurs eingebracht und werden dies auch weiterhin tun. Wir setzen uns dafür ein, dass klimapolitische Maßnahmen die Wirtschaftlichkeit sowie die Herstellungskosten von dringend benötigten Wohn- und Wirtschaftsimmobilien nicht gefährden. Eine Umsetzung der Klimaziele von Paris mit Augenmaß ist notwendig.

Verschärfung durch hohe Zuwanderung

Geeignete Rahmenbedingungen für den Neubau von Wohn- und Wirtschaftsimmobilien zu schaffen, wird auch angesichts der hohen internationalen Zuwanderung nach Deutschland immer bedeutender. Die hiermit verbundenen Auswirkungen und Herausforderungen für Staat, Wirtschaft und Gesellschaft sind gleichermaßen enorm, denn die durchaus substanzielle Erhöhung der Zahl der Einwohner und Haushalte muss von Arbeits- und Wohnungsmärkten sowie von den Institutionen und der Zivilgesellschaft kompensiert werden, wenngleich heute noch gar nicht ersichtlich ist, wie viele Zuwanderer dauerhaft in Deutschland bleiben werden.

Die Immobilienwirtschaft versteht die Flüchtlingssituation als Möglichkeit, jene Städte und Regionen zu motivieren, die im Zuge des demografischen Wandels mit Wohnungsleerstand und Arbeitsplatznachfrage zu kämpfen haben. Durch gezielte Verteilung bzw. Steuerung der Zuwanderungsströme mit Hilfe von Wohnsitzauflagen kann es gelingen, Standorte und Infrastrukturen wieder zu stärken und Impulse am Arbeitsmarkt in Bereichen mit hoher Nachfrage zu setzen. So entstehen für alle Nutzungsarten der Immobilienwirtschaft echte Chancen.

In der in Politik und Öffentlichkeit geführten Debatte kamen diese Chancen oftmals zu kurz. Dies haben wir unter anderem beim Austausch mit Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel über die mit der Flüchtlingsaufnahme in Deutschland verbundenen Herausforderungen zum Ausdruck gebracht. Der ZIA kam hier als einer von lediglich zwei Immobilienverbänden zu Wort und machte im Gespräch mit der Kanzlerin deutlich, dass die Immobilienwirtschaft insgesamt bessere regulatorische Rahmenbedingungen braucht, um die aktuellen Herausforderungen angemessen zu bewältigen.

Bezahlbares Wohnen und Bauen hat oberste Priorität

Zu diesen Rahmenbedingungen zählen vor allem kürzere Bearbeitungszeiten für Bauanträge, mehr qualifiziertes Personal in den Kommunen, Anreize für den Mietwohnungsneubau wie die Sonder-AfA, der Verzicht auf weitere Regulierungen im Mietrecht und energetische Verschärfungen, die die Herstellungskosten in Deutschland weiter in die Höhe treiben.

Bezahlbares Wohnen und Bauen muss oberste Priorität haben. Insofern muss eine vernünftige Balance mit den international vereinbarten klimaschutzpolitischen Zielen der Bundesregierung hergestellt werden. Klimaschutz und Neubau von Wohn- und Wirtschaftsimmobilien dürfen sich nicht gegenseitig blockieren.

Schwerpunkt Wohnen darf andere Nutzungsarten nicht verdrängen

Auch wenn das Thema Wohnen oftmals im Mittelpunkt der politischen Diskussionen stand, werden wir nicht müde zu betonen, dass die wirtschaftliche Stärke unserer Städte auf einer ganzheitlichen Stadtentwicklung beruht — Wohnen, Arbeiten, Mobilität und Versorgung. Andere Nutzungsarten dürfen wir dabei nicht aus dem Blick verlieren. Denn Stadtquartiere erreichen nur dann eine hohe urbane Lebensqualität, Stabilität und Nachhaltigkeit, wenn sie über eine ausgewogene Mischung der Nutzungsarten Wohnen, Büro und Einzelhandel verfügen. Daher setzen wir uns für Änderungen in der Baunutzungsverordnung, im Bundes-Immissionsschutzgesetz und in der TA Lärm ein. Insbesondere in unseren Schwarmstädten und Regionen mit Engpässen ist es wichtig, bezahlbares Wohnen, Arbeiten und Einkaufen innerhalb eines Quartiers anzubieten sowie dichter und höher bauen zu können. Wir werden weiter darauf pochen, dass eine Überregulierung bei den verschiedenen Nutzungsarten die Produktivität und die Standortattraktivität erheblich gefährden kann. Dies gilt natürlich auch für Büroimmobilien, weshalb wir mit dem neuen Ausschuss Büro der größten Nutzungsklasse Deutschlands eine starke Stimme geben wollen.

Demografischer Wandel

Der demografische Wandel fordert auch die Immobilienwirtschaft in ganz besonderer Weise. In Deutschland sind bislang lediglich 600.000 bis 800.000 Wohnungen altersgerecht ausgebaut. Viele Menschen haben den Wunsch, auch im Alter in den eigenen vier Wänden zu wohnen und zu leben. Hier sehen wir dringenden Handlungsbedarf, denn laut Prognos müssen bis 2030 weitere 2,9 Millionen altersgerechte Wohnungen dazukommen. Das bedeutet ein Investitionsvolumen von rund 50 Milliarden Euro! Wir sehen hier Quartierslösungen in enger Kooperation von Staat, Gesundheits- und Sozial- sowie Immobilienwirtschaft. Aus diesem Grund haben wir die Initiative WohnenPlus ins Leben gerufen, um Ideen und Lösungen für ein selbstbestimmtes Leben und Wohnen im Alter aufzuzeigen.

Sämtliche Nutzungsarten im Blick behalten

Wir haben im vergangenen Geschäftsjahr die Aufmerksamkeit auch auf andere Nutzungsarten und Themen gelenkt, wo Antworten gefunden werden müssen. Sei es das Positionspapier „Wandel im Handel“ zur Zukunft des stationären Einzelhandels in Deutschland, die „Hotel Investment Survey“, die die Nutzungsart Hotelimmobilie in den Fokus stellt, Digitalisierungs- und Innovationsthemen, Finanzierungsstrukturen oder Markttransparenz und Nachhaltigkeit. Wir haben den politischen Entscheidungsträgern Grundlagen, Lösungsvorschläge, Einwände und Forderungen zu diesen Themen vorgelegt. Dabei beschränkt sich die Arbeit des Verbandes nicht auf die bloße Reaktion auf Gesetzesvorhaben. Vielmehr packen wir sie als die Stimme der gesamten Immobilienwirtschaft mit unseren Ausschüssen und Arbeitsgruppen proaktiv an und sorgen dafür, dass sie sich in der öffentlichen und politischen Diskussion wiederfinden.

Auch ein Bildunterschrift

Veranstaltungen des ZIA — Flaggschiff TdI

Das Flaggschiff unserer Veranstaltungsarbeit ist und bleibt der „Tag der Immobilienwirtschaft“ (TdI). Mit rund 1.300 Entscheidern aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien hat der TdI 2015 neue Maßstäbe als bedeutendste politische Immobilienveranstaltung in Berlin gesetzt. Unter dem Titel „Innovativ, lebenswert, bezahlbar — Wie bauen wir morgen?“ konnten wir mit hochrangigen Gästen über die immobilienwirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft diskutieren, mit dabei Bundesbauministerin Barbara Hendricks, EU-Kommissar Günther Oettinger, FDP-Bundesvorsitzender Christian Lindner, Sören Bartol, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion sowie Staatssekretär Uwe Beckmeyer (BMWi).

Erstmals fand im Rahmenprogramm auch die „Innovationsschmiede“ statt, wo die unterschiedlichsten zukunftsweisenden Ideen aus allen Segmenten der Branche präsentiert und diskutiert werden konnten. Ein Highlight des Tages war auch die Unterzeichnung gemeinsamer Leitlinien unter dem Titel „Fair Business“ für die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Bauauftraggebern und -nehmern. In der Folge haben wir bereits zum 1. Januar 2016 mit dem Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB) eine „Gemeinsame Kontaktstelle Streitlösung“ beim Deutschen Beton- und Bautechnik-Verein (DBV) in Berlin eingerichtet.

So tragen wir maßgeblich dazu bei, Auseinandersetzungen zwischen Auftraggebern und Auftragnehmern in der Bau- und Immobilienwirtschaft außergerichtlich, schnell und kostengünstig zu lösen.

Beim ZIA-Finanzdialog in Frankfurt diskutierten wir über neue regulatorische Herausforderungen für die Immobilienwirtschaft, bei der EXPO REAL in München über die Perspektiven von Immobilien-Aktien und beim ersten ZIA-Innovation Lab über das Innovationspotential innerhalb der Immobilienbranche. Darüber hinaus haben wir uns gleich mehrfach — und inzwischen mit einer institutionellen Regelmäßigkeit — mit maßgeblichen Abgeordneten und Entscheidern in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft ausgetauscht. Highlights waren sicherlich auch die Diskussion mit Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel beim Wirtschaftsgipfel im Kanzleramt, der erste ZIA Herbstdiskurs sowie der 2. Tag der Hotelimmobilie im November 2015 mit rund 300 Teilnehmern aus Hotellerie, Wirtschaft, Architektur sowie der Projektentwicklung, dem Investment- und Bankenwesen. Mit dem ZIA EU-Dialog haben wir zudem ein neues Veranstaltungsformat begründet, welches Ende April erstmals in Brüssel durchgeführt wird.

Auch bei den Messeauftritten haben wir weiter zugelegt. Bei der MIPIM 2016 in Cannes, wo der ZIA wiederum als einziger deutscher Immobilienverband präsent war, haben wir eine Roadshow mit Veranstaltungen auf den Messeständen der Städte Berlin, Hamburg und München durchgeführt. Die EXPO REAL bestätigte im Oktober 2015 wieder einmal ihre Position als größte Fachmesse für Immobilien und Investitionen in Europa. Sie ist für uns inzwischen zur Hausmesse geworden. Besonderes Glanzlicht war neben den fachlichen Diskussionsrunden erneut das ZIA EXPO-Dinner in der Münchner Residenz mit rund 300 Teilnehmern und Redebeiträgen von EU-Kommissar Günther Oettinger sowie dem FDP-Vorsitzenden Christian Lindner.

Als Standpartner der Bundesarbeitsgemeinschaft Immobilienwirtschaft Deutschland (BID) konnten wir Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks und die Staatssekretäre Gunther Adler und Florian Pronold begrüßen. Politische Entscheidungsträger konnten wir auch dadurch erreichen, dass wir als einziger Immobilienverband mit einem stets gut angenommenen Stand auf den Parteitagen von CDU, CSU, SPD und FDP präsent waren.

Darüber hinaus gab es 2015/2016 wieder zahlreiche Veranstaltungen unter dem Label „ZIA Regional“. Darunter beispielsweise die Veranstaltung „Industrie trifft Immobilienwirtschaft“ in Frankfurt, der „Green Summit zu Innovation und Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft“ in Hamburg sowie das Immobilienfrühstück zum Thema „Wachsende Stadt Berlin — Brauchen wir neue Hochhäuser?“ in der Hauptstadt. Zudem haben wir im März 2016 zwei sehr erfolgreiche Regionalveranstaltungen mit jeweils mehr als 120 Teilnehmern in Stuttgart und Frankfurt durchgeführt. Thema war jeweils das ZIA-Frühjahrsgutachten mit Bezug auf die regionalen Immobilienmärkte. Die Regionalveranstaltungen mitsamt unseren engagierten Regionalvorständen sorgen dafür, die Präsenz unserer Kernthemen auch in der Fläche deutlich zu stärken. Sie sind die ideale Plattform für die Immobilienbranche vor Ort.

Beständige Weiterentwicklung und Mitarbeiterzuwachs

Auch im vergangenen Jahr sind wir zahlenmäßig wieder gewachsen und haben über zwanzig neue Mitglieder dazugewonnen. Am Ende des vergangenen Jahres waren somit über 200 Unternehmen und Verbände direkte Mitglieder des ZIA. Über diese und die angeschlossenen Mitgliedsverbände vertreten wir rund 37.000 Einzelunternehmen in der Branche und können uns mit Stolz als die Stimme der Immobilienwirtschaft bezeichnen. Unser Verband ist im zehnten Jahr seines Bestehens fachlich und thematisch breit aufgestellt und bündelt die Interessen der gesamten Wertschöpfungskette in der Immobilienwirtschaft.

Auch bei der Mitarbeiterzahl ist der ZIA beständig gewachsen. Durch neu hinzugewonnene Referenten sowie die neue Struktur in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit haben wir uns in der Geschäftsstelle in Berlin noch breiter aufgestellt. Als Teil einer neuen Kommunikationsstrategie nutzen wir jetzt neben der klassischen Öffentlichkeitsarbeit auch professionell die sozialen Medien. Für einen Verband, der sich in seiner täglichen Arbeit für die Mitgliedsunternehmen und -verbände auch mit Themen wie Digitalisierung beschäftigt, sind solche zusätzlichen Social-Media-Kanäle unabdingbar.

Fachliche und personelle Kompetenzen wird der ZIA auch in Brüssel sowie in den Themenbereichen Energie, Finanzierung und Regionalarbeit weiter ausbauen. Damit können wir den hohen Erwartungen unserer Mitglieder entsprechen und sind zudem noch besser gegen die nicht endenden regulatorischen Herausforderungen auf der nationalen und europäischen Ebene gewappnet.


Klaus-Peter Hesse und Dr. Stephan Rabe sind Geschäftsführer des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V.

Like what you read? Give Klaus-Peter Hesse a round of applause.

From a quick cheer to a standing ovation, clap to show how much you enjoyed this story.