Wir sollten alle halbtags arbeiten

Vor kurzem war ich für ein Projekt gebucht. Drei Tage lang. Die Aufgabe schien ziemlich umfangreich. Gegen 16 Uhr am ersten Tag stellte sich heraus, dass das Projekt noch weitaus komplexer war als gedacht. Drei Tage schienen auf einmal viel zu kurz. Am Ende klappte alles und ich verließ das Büro trotzdem jeden Tag um 19 Uhr.

Die extreme zeitliche Limitation führte dazu, dass ich einfach nur arbeitete, ich wurde zur Effizienzmaschine. Die knappe Zeit zwang mich dazu, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren und meine Arbeit so gut und vor allem so schnell wie möglich zu machen. Keine Meetings, kein Facebook, kein Rumgesabbel an der Kaffeemaschine, keine Socialising. Kopfhörer auf, Musik an und einfach nur konzentriert arbeiten.

Wired-in: So habe ich gearbeitet

Wer schon mal mit Müttern oder Vätern gearbeitet hat, die Halbtagsjobs haben, kennt dieses Phänomen. Diese Leute schaffen in vier Stunden mehr als einige ihrer Kollegen in zehn. Und das liegt daran, dass sie wissen, dass um 15 Uhr ihr Kind in der Kita abgeholt werden will und sie daher keine Zeit verlieren mit Unnötigem.

Acht Stunden Tage in der Kreativbranche sind nicht besonders effizient, regelmäßige zehn oder zwölf Stunden Tage sind Blödsinn. Sie sind ineffizient, die Menschen schaffen in dieser Zeit selten mehr als wenn sie kürzer arbeiten würden. Jeder, der schon einmal in einer Agentur gearbeitet hat, kennt das: Wir unterbrechen ständig unsere eigentliche Arbeit mit unnötigen Meetings, Reddit Threads oder immer länger werdenden Kaffeepausen.

Warum verkürzt man den Arbeitstag also nicht einfach auf, sagen wir, sieben Stunden? Warum schneiden wir nicht alles Uneffiziente aus dem Arbeitstag hinaus und machen einfach unsere Arbeit? Das ist nicht nur sehr viel produktiver, es führt auch dazu, dass wir alle so etwas Verrücktes wie ein Privatleben haben. Und am nächsten Tag wieder mit richtig Bock zur Arbeit gehen, um unsere Zeit sinnvoll zu nutzen.


Ich bin Nicolas Kittner, UX-Designer und Creative Director aus Hamburg.
Ich helfe Unternehmen dabei, digitale Produkte und Markenerlebnisse zu entwickeln. Außerdem schreibe ich einen
Newsletter über Startups und Produktentwicklung.