Schreiben in Etappen: Wie meine Texte in mehreren Abschnitten entstehen

Schreiben in Etappen ist eine notwendige Strategie, die jedoch erstaunlich effektiv und kreativitätsfördernd sein kann.

Mein Medium Artikel “Effiziente Arbeit: Nutzt Du tote Zeiten?” hat erfreulich viel Feedback und Reaktionen hervorgerufen. Einige davon waren auf Twitter und eher philosophischer Natur — dazu blogge ich demnächst auf der Lebenskarriere — andere bezogen sich direkt auf das Thema des Artikels.

Eine dieser inhaltlichen Fragen kam hier auf Medium von Weltenbewegerin:

Hey, hast du dazu weitere Tipps? Ich liebe das Schreiben, aber finde das portionierte Schreiben sehr anstrengend und als Sysiphus-Arbeit.
Wie hast du deinen zerlegten Schreibprozess optimiert?

Schreiben in Etappen: Warum eigentlich?

Wenn ich die Wahl schreibe ich meine Texte gerne am Stück und sitze dann auch mal ein, zwei, drei oder — in Ausnahmen — auch mehr Stunden an einem Artikel, Buchkapitel oder Skript.

Zwar schaffe ich mir bewusst lange, ungestörte Zeiten für fokussiertes Arbeiten, doch leider ist das nicht immer möglich. Sei es durch Reisen, Meetings oder die fast allgegenwärtige Projektkommunikation: Irgendwas kommt häufig doch dazwischen.

In solchen Phasen muss ich in Etappen schreiben und meine Text aufteilen. Es ist also eher eine notwendige Strategie als eine gewollte Methode.

Dennoch — oder gerade deshalb (?)- habe ich im Lauf der Zeit gemerkt, dass das Schreiben in Etappen durchaus Vorteile haben kann. und zwar jenseits des zeitlichen Aspekts. Hier eine Auswahl:

  • Wenn ich prokrastiniere und so gar nicht in die Gänge komme — selten aber es kommt vor — hilft es mir, einfach mal 10 Minuten anzufangen. Nein, der Text ist dann meist nicht annähernd gut, aber ich habe begonnen. Das Weitermachen fällt dann leichter.
  • Durch das Schreiben in Etappen muss ich meinen bereits geschriebenen Text oft mehrfach lesen. Das kann zu neuen kreativen Ansätzen und Impulsen führen, die ich im normalen Schreibprozess nicht unbedingt erlebet hätte.
  • Durch die Zeitbegrenzung der einzelnen Schreibphasen — teilweise weniger als 10 Minuten — bin ich gezwungen, fokussiert und konzentriert zu schreiben. Das macht (mich) produktiv.

Wie ich in Etappen schreibe

Damit das Schreibe in Etappen funktioniert, muss ich im mir einige Voraussetzungen schaffen und Grundsätze beachten. Disziplin und Planung sind daher unverzichtbar. Sorry, keiner hat gesagt, dass es entspannt machbar wäre.

Ein wichtiges Prinzip: Ich höre mitten in einem Gedanken auf zu schreiben. Ernest Hemingway wird nachgesagt, dass er sogar mitten im Satz mit dem Schreiben aufgehört habe. Dadurch konnte er, so die Legende, am nächsten direkt dort weitermachen, wo er aufgehört hatte.

Ganz so konsequent bekomme ich das nicht hin, dennoch lasse ich mich davon inspirieren. Ich beende meine Schreibphasen mitten in einem Gedanken, den ich dann in der nächsten Phase wieder aufnehme.

Darüber hinaus arbeite ich mit folgenden Tools, Methoden und Prinzipien:

  • Ich schreibe entweder im Fullscreen-Modus oder zumindest mit einem möglichst leeren Desktop und ohne Benachrichtigungen.
  • Ich plane im Vorfeld, welchen Text ich bearbeite und mache mir klar, dass ich daran — verteilt auf mehrere Phasen — einige Stunden sitzen werden. Manchmal zieht sich ein Text sogar über Tage.
  • Ich strukturiere meinen Text grob im Vorfeld. So kann ich abschätzen, wie weit ich bereits bin, was noch ansteht und habe eine grobe Orientierung. Für mich im verteilten Schreibprozess enorm wichtig.
  • Ich veröffentliche den Text nicht nach der letzten Schreibphase.

Der letzte Punkt ist wichtig. Ich kann nur in Etappen schreiben weil ich weiß, dass ich danach nochmal drüber lesen, korrigieren und umbauen werde.

Dadurch nehme ich mir den Druck, schon in den Schreibphasen optimal und korrekt schreiben zu müssen. So kann ich die Entwurfversion locker schreiben und anschließend finalisieren.

Hast Du weitere Fragen zum Schreiben in Etappen? Dann freue ich mich über Deinen Kommentar.

P.S.: Auch dieser Text entstand in insgesamt 4 Etappen.

P.P.S.: Wie immer gilt: Ich freu mich — und bedanke mich bei dir — wenn Du den Text teilst, likest und meine Publikation abonnierst und weiterempfiehlst.