Stämpfli AG
May 9 · 5 min read

Roman Sterchi, Berater Stämpfli Kommunikation

Astronaut Edwin «Buzz» Aldrin auf dem Mond mit dem Sonnenwindsegel der Universität Bern ©KEYSTONE

Das kleine Bern als Teil eines der denkwürdigsten Momente der Menschheitsgeschichte
Am 21. Juli 1969 steckte Astronaut Edwin «Buzz» Aldrin noch vor der amerikanischen Flagge das Sonnenwindsegel der Universität Bern in den Boden des Mondes und liess so uns Bernerinnen und Berner ein Teil der Apollo-11-Mission werden. Dieses sogenannte Solar Wind Composition Experiment (SWC), das von Prof. Dr. Johannes Geiss am Physikalischen Institut der Universität Bern geplant und ausgewertet wurde, war ein erster grosser Höhepunkt in der Geschichte der Berner Weltraumforschung. Aber wie kam es dazu, dass das kleine Bern und die sagenumwobene NASA plötzlich zusammenspannten? Schon Jahre bevor Neil Armstrong als erster Mensch einen Fuss auf den Mond setzte, wollten Wissenschaftler auf der ganzen Welt die Gelegenheit der Apollo-11-Mission packen und passende Experimente auf den Erdtrabanten mitschicken. Der Berner Physiker Prof. Dr. Johannes Geiss schlug ebenjenes Sonnenwindsegel vor. Mit Erfolg. Im Herbst 1965 kamen NASA-Experten, darunter der Astronaut Don Lind, nach Bern, um den Experimentvorschlag der Bundesstadt näher unter die Lupe zu nehmen.

«Did you get that solar wind rolled up there, Buzz?»

Aufgezeichneter Funkspruch von Commander (CDR) Neil Armstrong an Edwin «Buzz» Aldrin am 21. Juli 1969 um 06:57 Uhr (MEZ), 12 Minuten bevor die beiden Astronauten zurück in die Mondlandefähre stiegen.

Johannes Geiss testet 1971 in der Klimakammer der Contraves in Zürich das Funktionieren des für Apollo 16 modifizierten Sonnenwindsegels, © Universität Bern

Keine Schweizer Flagge vor der amerikanischen
Das Berner Experiment wurde ins Apollo-Programm aufgenommen. Für die Universität Bern und den Weltraumforschungsstandort Schweiz ein unglaublicher Erfolg. Professor Geiss hatte in Houston, Texas, nun noch einige protokollarische Punkte auszuhandeln, denn das Sonnenwindsegel stand in direkter Konkurrenz mit der amerikanischen Flagge. Wie der Professor für Astrophysik, Ben Moore, auf eine von 100 Fragen zum Mond treffend, wenn auch etwas unverblümt antwortete, war die Mondlandung auch Teil eines «gigantischen Penisvergleichs zwischen Ost und West» («Das Magazin», 4.5.19). Dass zugunsten dieses Vergleichs zuerst die amerikanische Flagge in den Boden des Mondes zu stecken ist, scheint schlüssig. Der Wissenschaft wurde dann doch der Vortritt gelassen. Einige gestalterische Bedingungen mussten aber eingehalten werden: kein Schweizer Kreuz, kein Berner Bär, kein Universitätslogo. Wären wir schon damals als Kommunikationsagentur für die Uni Bern tätig gewesen, hätten wir das als herben Schlag für die Markenidentität zur Kenntnis nehmen müssen.

Besuch einer Delegation von Astronauten am Institut für exakte Wissenschaften in Bern ©Universität Bern

Das erfolgreiche Sonnenwindexperiment verschaffte den Berner Physikern damals dennoch eine unglaubliche Popularität: kaum eine Zeitschrift und kaum ein TV-Sender, die nicht darüber berichtet hätten. Das Schweizer Sonnenwindexperiment war zudem nicht nur publizistisch, sondern auch wissenschaftlich ein voller Erfolg.

Key Visual «Bern im All»

Eine bewegende Story. Seit 50 Jahren.
Heute suchen die Berner Forscherinnen und Forscher unter anderem nach Spuren von Leben in den Weiten des Alls, schicken Hochpräzisionskameras zum Mars und beobachten Weltraumschrott. Grund genug, dass Bern diesen Juni ganz im Zeichen der ersten Mondlandung steht. Stämpfli Kommunikation wurde die Ehre zuteil, die Jubiläumsfeierlichkeiten kommunikativ zu begleiten und in enger Zusammenarbeit mit der Universität Bern aus dem schier unerschöpflichen Fundus an Geschichten rund um dieses historische Ereignis zu schöpfen. Dass Bern mit dem einzigen nicht amerikanischen Experiment Teil der ersten Mondlandung war, ist das Kernstück dieser unzähligen Geschichten. Und es scheint, als wäre es die letzten 50 Jahre, eingestuft als streng geheime Operation, neben den Akten zur P26-Armee versteckt gewesen. Dabei wurde es einfach nur lange nicht weitererzählt. Die Wissenschaft ist bescheiden. Die Berner sind es noch mehr. Umso grösser ist die Aufregung, diese Seiten des Geschichtsbuchs wieder aufschlagen und mit heller Begeisterung daraus vorlesen zu dürfen. Als Kommunikationsagentur sahen wir unsere Aufgabe schnell darin, diese Faszination zu transportieren. Die Faszination für die Magie, die der Mond ausstrahlt, und die Faszination, die man empfindet, wenn man sich vorstellt, dass tatsächlich Menschen dort oben waren. Die Kommunikation der Jubiläumsfeierlichkeiten richtet sich ausser an das wissenschaftlich interessierte Publikum daher auch an die allgemeine Berner Bevölkerung. Diesem Umstand trägt die Universität Bern in den Kommunikationsmassnahmen Rechnung, indem der Mond im Kernbild nah und leuchtend gezeigt wird. Schliesslich fasziniert er uns doch alle!

Signet der Universität Bern anlässlich der Jubiläumsfeierlichkeiten 2019

In Anlehnung an die offiziellen «Mission-Patches» der NASA wird die Errungenschaft der Universität Bern in einem Jubiläumssignet verewigt. Es zeigt das Solar-Wind-Composition-Experiment auf dem Mond und hält diesen ersten Höhepunkt der Berner Weltraumforschung fest.

Bern im All. Ganz Bern feiert mit.
Bern hat den Grand Prix. Die Tour de France kurvte auch schon durch unsere kleine, aber feine Stadt. Die Young Boys werden nach mehr als 30 Jahren wieder Schweizer Meister im Fussball. Dieses Jahr teilen sie sich sogar das Podest mit dem SCB. Bundesstadt sind wir auch. Doch die Tatsache, dass Bern im All war, lässt auch die ruhigste Berner Seele nicht kalt. Diese wunderbare Geschichte ist nicht nur eine wissenschaftliche Erfolgsgeschichte, sondern auch eine, die man sich am Stammtisch erzählt und die zu grossen Augen und offenen Mündern führt. Die Kommunikationsmassnahmen für die Feierlichkeiten haben deshalb auch den Anspruch, die Faszination für dieses Ereignis zwar wissenschaftlich korrekt und mit grösstem Respekt für die Glaubwürdigkeit der Universität Bern, aber auch zugänglich und feierlich zu transportieren. In den konkreten Umsetzungen finden sich bezaubernde Postkarten, Bierdeckel, das Jubiläumssignet auf Merchandise-Artikeln aller Art sowie spannende Geschichten zu unserem grauen Freund.

Wissenschaftsfest «Bern im All»
Ab 28. Juni feiert die Universität Bern unter dem Motto «Bern im All» mit der Bevölkerung ein grosses Wissenschaftsfest.

- Eine spektakuläre Reise auf dem Bundesplatz entführt das Publikum in die faszinierenden Weiten des Weltalls und zeigt die wichtigsten Meilensteine der Berner Weltraumforschung auf.

- Führende Vertreterinnen und Vertreter der grossen Weltraumorganisationen diskutieren über die Zukunft der Weltraumforschung.

- Beim Raketenbauwettbewerb werden auch die Ältesten wieder zum Kind.

- An der Nacht der Sterne werfen wir gemeinsam einen Blick in die Unendlichkeit des Weltraums.

Eröffnung: Freitag, 28. Juni 2019, 17.30 Uhr, Bundesplatz Bern

Mehr Informationen: bern-im-all.ch

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Kommunikation Mensch zu Mensch

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