«Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte»

Stämpfli AG
Dec 11, 2019 · 6 min read

Melanie Scheuber, Grafikerin Kommunikationsagentur

Bilder helfen dem Leser/Betrachter/Verbraucher, sich zu orientieren, und sollen vor allem eines: Interesse wecken. Was also ist ein gutes Bild? Was braucht es, damit es nachhaltig prägt / in Erinnerung bleibt?

Das Bild: eine visuelle Darstellung, eine Momentaufnahme, in der Gegenwart betrachtet. Wenn wir ein Bild anschauen, liegt dieses in seiner Entstehung immer schon in der Vergangenheit. Durch die Betrachtung eines Bildes kann unterbewusst auf abgespeicherte Eindrücke zurückgegriffen, können Erinnerungen hervorgerufen werden.

In welchen Kontext Bilder gestellt werden und in welchem sie auftreten, ist essenziell. Handelt es sich um eine reale, naturalistische Darstellung eines Sachverhalts, oder befinden wir uns in einer surrealen Welt, die all unsere Sinne reizt und nur auf unsere emotionale Reaktion abzielt?

In der Unternehmenskommunikation werden Bilder gezielt eingesetzt. Mit den Sinnen wird bewusst gespielt, und Gefühle werden angesprochen. Unsere Augen sind Empfänger, mit denen Zeichen, Skulpturen, Lichteffekte, Farben aufgenommen und verarbeitet werden.

Das Bild in der digitalen Welt

Die Vorstellung oder die Definition, was ein Bild ist, hat sich im Laufe der Zeit stark gewandelt, und das wird so weitergehen. Die digitalen Medien verändern das, was ein Bild sein soll, grundlegend.

Pro Sekunde nimmt das Auge zehn Millionen Informationen auf und leitet sie an das Gehirn weiter. Etwa 80% aller Informationen nehmen wir über das Auge wahr. Bilder erfassen wir schneller als andere Informationen. (1)

Die Tatsache, dass wir innerhalb von Millisekunden einen ersten visuellen Eindruck bekommen, zeigt umso mehr, dass die Auswahl und die Qualität der Bilder heute wichtiger sind denn je. Dass ein Bild alleine durch seine Komposition oder Ästhetik überzeugt, reicht schon lange nicht mehr.

Bilder erwecken Aufmerksamkeit und sind heute Schlüsselelemente für jegliche Informationsaufnahme. Zuerst schauen wir, dann entscheiden wir, ob wir einen Artikel lesen oder nicht.

Ein Bild funktioniert ohne Worte

Ein «gutes» Bild hat eine starke Wirkung auf unser Unterbewusstsein, es ist ästhetisch, erzählt Geschichten, führt zu Assoziationen, die uns emotional berühren.

Eine Momentaufnahme prägt die Erinnerung einer ganzen Nation. Ein Bild funktioniert als Zeitzeuge. Wir glauben dem Bild. Ob es sich um die Realität oder um eine Manipulation handelt, hinterfragen wir kaum. Deshalb ist ein weiterer wichtiger Punkt der Bildkontext. Auch wenn es sich um die abgebildete Realität handelt, können die Aussage und der Informationsgehalt gesteuert werden, indem der Kontext geändert wird. Inszenierung.

Portraitfotografie (Fotografin: Melanie Scheuber, ©Stämpfli AG)

Bildkommunikation

Wir stehen an der Schwelle des Bildkommunikationszeitalters. Es wird von den Kommunikationsmustern des Fernsehens geprägt. Bilder, nicht Worte, werden immer mehr zur Grundlage menschlicher Überzeugungen und Meinungen (Postman, 1985). Das gilt auch für die Marktkommunikation. Der visuelle Auftritt einer Firma oder Marke entscheidet in zunehmendem Mass über die Akzeptanz bei den Kunden, v. a. bei wenig involvierten Konsumenten. Das spiegelt sich auch darin wider, dass der Anteil der Bilder in der Anzeigenwerbung für Konsumgüter von 50% in den 1950er-Jahren bis heute auf 70% gestiegen ist und weiter wächst. In Zukunft wird also v.a. auf wirksame Bildkommunikation gesetzt. Darauf weisen auch neuere Ansätze im Marketing hin: Im Einzelhandel versucht man, den Verkauf durch den systematischen Einsatz von Bildern im Laden zu fördern. In der Konsumgüterindustrie ist man überzeugt davon, dass der Markterfolg stärker vom visuellen Profil der Marke als von den sprachgebundenen Kenntnissen über die Marke abhängt. (2)

Betrachten wir dies aus der Sicht der Digitalisierung, stellt es uns vor grössere Herausforderungen. Wir speisen täglich die Interessen grosser Konzerne. Wir beliefern sie mit persönlichen Bildern, Informationen, alles ist offen zugänglich und steht frei zur Verfügung, um damit zu handeln. Der Mensch entscheidet spontan, intuitiv und emotional — perfekt also, um ohne Weiteres die sozialen Plattformen mit unseren Daten zu füttern.

Wir sind ständig den leicht verständlichen und marktgerecht aufbereiteten Bildern ausgesetzt. Hier ist eine kritische Betrachtung angebracht. (3) Umso wichtiger wäre es, zukünftig vermehrt auf Bildredaktionen zu bauen.

Bildsprache im Unternehmen

Durch die visuelle Kommunikation werden die Gefühle des Betrachters angesprochen. Besonders in der Werbung wird dies für die Verkaufssteigerung genutzt. Hier geht es darum, die Sinne anzusprechen und Emotionen auszulösen. In der Werbung sollen Bilder Wünsche erwecken, begeistern, faszinieren und beeindrucken. Wir glauben Bildern heute mehr als Worten, da wir davon ausgehen, dass diese die Wirklichkeit abbilden.

Es ist die Aufgabe und dabei eine grosse Kunst, in der Werbung genaue Parameter zu erstellen. Die Emotionen, die ausgelöst werden, sollen das Image des Unternehmens oder der Marke widerspiegeln.

Die Bildsprache eines Unternehmens oder einer Marke vereint verschiedene Medien zu einem grossen Ganzen. Aussagekräftige Fotografien, Illustrationen, Symbole, Logos und Farben werden zusammengestellt, definiert, um bestmögliche Wirkung zu erzielen und die Persönlichkeit eines Unternehmens hervorzuheben.

Mit sogenannten Keyvisuals wird mittels einer reduzierten Bildaussage ein erster Eindruck hinterlassen. Hier ist es wichtig, das Schlüsselbild so zu gestalten, dass es auffällt. Die Aufgabe lautet: Visionen, Philosophien, Geschäftsideen, quasi eine ganze Unternehmenskultur in einem Bild zu vereinen. (4)

Eine konsequente Bildsprache zu entwickeln, die weder falsche noch negative Aussagen aussendet, ist wichtig und muss in jedem Unternehmen sorgfältig geplant werden.

Gefahren

Wir sind mit der ganzen Welt vernetzt und sind hauptsächlich von Menschen umgeben, die unsere Meinung teilen, sie liken. Die Informationsquellen sind selektiv und lassen daher nur schwer erkennen, wo die Wahrheit zu finden ist. Klar ist, dass Bilder und Fotografien in der heutigen medialen Welt oft manipuliert sind, um uns eine schöne, heile Welt vorzugeben. Nicht nur in der Werbung sind die Bilder manipulativ, auch Pressefotos können dank neuen Technologien gezielt verändert werden und sollten deshalb einmal mehr kritisch betrachtet werden.

Es ist beeindruckend wie auch beängstigend, wie Bilder so unmittelbar und ungefiltert auf uns wirken und uns somit unterbewusst beeinflussen können. Auch wenn die Wahrnehmung von Bildern sehr subjektiv, individuell und intuitiv ist, gibt es gewisse Merkmale und Kriterien, die allgemein gültig sind.

Du sollst dir kein Bild machen. Nun ja, ob wir wollen oder nicht, unser Gehirn ist darauf ausgerichtet, dass wir unterbewusst alles abspeichern und innere Bilder generieren.

Tipps zum guten Bild:
1. Gefühle / Emotionen erkennen / vermitteln wollen
2. offen für Neues sein / spontan sein
3. aufmerksam / wachsam sein
4. Blick für Details
5. Blick für Irritationen
6. Komposition
7. Sich nicht von der Technik irritieren lassen. Ein Bild kann auch unscharf oder verwackelt gut sein. Wenn es ein Gefühl zu vermitteln / etwas in einem auszulösen vermag, ist das wichtiger.
8. Stimmungen wahrnehmen (Licht/Schatten/Strukturen)
9. Aussage vorher definieren / Parameter festlegen: Spannung aufbauen, Geschichten erzählen, was soll das Bild bewirken? Was will ich beim Zielpublikum erreichen? Danach Bildkomposition und Konzept, Einheit schaffen.

Portraitfotografie (Fotografin: Melanie Scheuber, ©Stämpfli AG)

Quellenangaben:
(1) Visuelle Kommunikation in Zeiten des Social Web: Warum lohnt es sich? von Stephanie Kowalski

(2) http://www.wirtschaftslexikon24.com/e/bedeutung-der-bildkommunikation/bedeutung-der-bildkommunikation.htm
Literatur: Kroeber-Riel, W., Die inneren Bilder der Konsumenten. Messung — Verhaltenswirkung — Konsequenzen für das Marketing, in: MARKE-TING • ZFP, Nr. 2 (1988), 8. Jg., S. 81–94. Postman, N., Wir amüsieren uns zu Tode, Frankfurt 1985. Rüge, H.-D., Die Messung bildhafter Konsumerlebnisse — Entwicklung und Test einer neuen Messmethode, Heidelberg 1988.

(3) «Dinger-Bilder-Denken», Reinhard Brandt/Professor für Philosophie, Universität Marburg

(4) Visuelle Kommunikation — die Macht der Bilder, Karl-Heinz Bartling

(5) https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/bild-30655Prof. Dr. Franz-Rudolf Esch

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Kommunikation Mensch zu Mensch

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