«Paul Klee schaut mir bei der Arbeit über die Schultern!»

Melina Bärtschi, Stämpfli Kommunikation

Weshalb bedeutende Kunstschaffende wie Paul Klee, Sam Francis oder Pipilotti Rist unabdingbare Unterstützung in meinem Arbeitsalltag bieten und wie sich meine Aufgabe bei Stämpfli Kommunikation bestens mit dem Aufziehen eines Start-ups kombinieren lässt, lesen Sie in diesem Blogbeitrag.

eletto.ch

Kunst als Weiterbildungsmöglichkeit
Eingebettet in die Stämpfli AG, entwickelt unsere Agentur Stämpfli Kommunikation kreative und praxisorientierte Ideen und Konzepte. Unser Team unterstützt dabei grössere und kleinere Firmen, ganzheitliche Lösungen im Kommunikationsbereich zu entwickeln. An der Schnittstelle zwischen Gestaltung und Produktion sorge ich, Melina Bärtschi, zusammen mit dem Agenturteam dafür, dass die Endprodukte vollumfänglich den Kundenbedürfnissen entsprechen, und verleihe Print- und Screenmedien ein ansprechendes Layout. Typografie, Bildbearbeitung oder Druckkontrolle: Im Zentrum meines Arbeitsalltags steht der geschickte und produktorientierte Umgang mit gestalterischen Spezifikationen. Zum Beispiel kümmere mich um die Verbandszeitschrift «FOLIO» der Berufsbildung Schweiz, der wir mit einem Redesign zu neuem Glanz verholfen haben.

Da die Arbeit als Polygrafin/Grafikerin nebst technischen Fähigkeiten vor allem ein stilsicheres Auge und die Freude an gestalterischen Lösungen erfordert, beschäftige ich mich sowohl im Hauptberuf bei der Stämpfli AG als auch in der Freizeit mit Kunst. Zusammen mit zwei Freunden, Roman Sterchi, der mittlerweile ebenfalls im Stämpfli Agenturteam arbeitet, und Christian Herren, betreibe ich nebenberuflich die Kunstverkaufsplattform eletto.ch. Angelehnt an barocke Wunderkammern, präsentiert Eletto ungewohnte Gegenüberstellungen, die inspirieren, erfreuen und einen oft auch zum Staunen oder Lachen bringen. Fokussiert auf die Bereiche Kunst, Design und Antiquitäten, kauft und verkauft Eletto Objekte, die mehr verbergen, als sie offenlegen, und die durch ihre Bedeutung oder Herkunft Geschichte schrieben.
Durch die Auseinandersetzung mit Kunstwerken aus unterschiedlichsten Epochen und Provenienzen finde ich bei unserem Start-up einerseits kreative Inspiration, und andererseits bietet das Hantieren mit Originalkunstwerken aus über 2000 Jahren Kunstgeschichte eine stetige Weiterbildungsmöglichkeit. Die Beschäftigung mit Originalwerken gibt mir die Möglichkeit, die unendliche Vielfalt von Gestaltungs- und Druckmöglichkeiten immer wieder aufs Neue zu entdecken. Die Tätigkeit bei Eletto lässt sich so in den Agenturalltag bei Stämpfli Kommunikation wunderbar einbringen.

Entdecke auf eletto.ch Werke aus über 2000 Jahren Kunstgeschichte
Gemälde, Skulpturen und manchmal auch ein echter Schädel: die Eletto-Wunderkammer

Die Stämpfli AG und ihr kulturelles Engagement
Kunst begegnen die Mitarbeitenden der Stämpfli AG jedoch nicht nur in der Freizeit. Da die Stämpfli AG Künstlerinnen und Künstler mit Werkankäufen fördert, sind die Wände innerhalb der Stämpfli Gebäude mit zahlreichen Originalkunstwerken geschmückt. Unter den ausgestellten Gemälden und Druckgrafiken finden sich unter anderem auch die bekannten Kunstschaffenden Balthasar Burkhard, Sam Francis oder Adolf Wölfli. Dank der öffentlichen Präsentation können sowohl die Mitarbeitenden als auch Kundinnen und Kunden in die bereichernde Welt der Kunst eintauchen. Nebst den Werkankäufen engagiert sich die Stämpfli AG auch ausserhalb der Firmenmauern im Kulturbereich, so zum Beispiel für die Kunsthalle Bern oder die OVRA Archives.

Zudem produziert die Stämpfli AG beispielsweise seit langer Zeit die Auktionskataloge der renommierten Galerie Kornfeld. Die originalgetreue Wiedergabe der gedruckten Reproduktionen erfordert viel technisches Know-how und genaues Arbeiten. Erst seitdem wir mit Eletto selbst regelmässig Reproduktionen erstellen und mit dem damit einhergehenden Umgang mit Originalkunstwerken habe ich abschliessend verstanden, wie herausfordernd die Reproduktion unterschiedlicher Materialien und Herstellungsformen ist. Ein dumpfer Holzschnitt von Ernst Ludwig Kirchner zum Beispiel muss ganz anders behandelt werden als eine hoch polierte Metallskulptur von Tony Cragg, damit die Reproduktion so gut wie möglich mit dem Original übereinstimmt. Da die Wiedergabe von vielen Faktoren wie Papierart, Drucktechnik und Licht stark beeinflusst werden kann, empfehlen wir, vor einem Kauf das Original selbst zu betrachten. Denn der dumpfe Holzschnitt von Kirchner wird auf gestrichenem, glänzendem Papier nie wie das Original wiedergegeben werden können.

Klee-Grafiken beeinflussen meine Betrachtungsweise
Für die Produktion von neuen Kundenlösungen lasse ich mich nebst den Originalkunstwerken auch von historischen Druckprodukten der Stämpfli AG beeinflussen. Besondere Perlen aus über 200 Jahren Firmengeschichte finden sich im Buch «Bei Stämpfli gedruckt 1799–1974» (Bern: Stämpfli & Cie, 1974). In diesem Buch habe ich beispielsweise eine Abhandlung über die Grafik von Paul Klee («Paul Klee. Graphik.», Bern: Stämpfli & Cie, 1956) entdeckt. Die zeitlosen Gestaltungsraster des Künstlers entsprechen oftmals der heutigen Auffassung von guter Grafik — der berühmte Künstler schaut mir so bei der Arbeit gewissermassen über die Schultern.

Drucktechniken
Im Bereich Druck kommen heute vor allem der Offset- und Digitaldruck zum Einsatz. Wir handeln jedoch mit Bildern, die in den unterschiedlichsten Drucktechniken umgesetzt worden sind. Hier einige besondere Drucke aus dem Angebot von Eletto:

Hochdruck
Albrecht Dürer: «Tier mit den Lammhörnern», Holzschnitt, 1497

Aus einem hölzernen Block werden reliefartig Teile herausgeschnitten, um anschliessend die erhöhten Stellen einzufärben und mit der Hand oder mit einer Presse auf Papier zu drucken.

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Tiefdruck
Paul Adolf Seehaus: «Leuchtturm mit rotierenden Strahlen», Radierung, 1913

Mit einer Nadel oder einem Stichel wird eine Zeichnung in eine Metallplatte gekratzt. Zum Druck wird die Platte mit Farbe eingerieben und mit einem gazeartigen Tuch wieder blank gewischt, wobei die Farbe in den Vertiefungen haften bleibt. Die eingefärbte Platte wird — mit einem angefeuchteten Papier bedeckt — durch eine Presse gezogen, wobei das Papier die Farbe in den Vertiefungen aufnimmt und ein seitenverkehrter Abdruck entsteht.

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Flachdruck
Eduardo Chillida: Nancy, Lithografie, 1972

Ein wenig poröser Stein wird befeuchtet und anschliessend mit fetthaltiger Farbe bemalt. Da sich Wasser und Fett physikalisch abstossen, setzt sich die Farbe nicht am Stein fest und kann stattdessen mit Druck auf ein Papier übertragen werden.

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Fotoabzug
Pipilotti Rist: Videostill aus «Pickelporno», C-Print, 1992

Durch chemische Prozesse wird ein Dia oder ein Fotonegativ auf Papier übertragen.

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Die oben beschriebenen Werke und viele mehr können entweder online unter eletto.ch oder auf Voranmeldung im Original besichtigt werden. Auf den Besuch auf unserer Website, wo Sie viele Kunstwerke und Hintergrundgeschichten erwarten, freuen wir uns.

Um auf dem aktuellsten Stand zu bleiben, folgen Sie uns am besten auf Instagram und/oder Facebook unter dem Namen «elettogalerie» oder besuchen uns am 26. oder 27. April an der «Aarberger Puce».