Was ich von 60 unverplanten Tagen gelernt habe

Simona Baira
Oct 4 · 6 min read

Ein unvergleichbares Gefühl durchströmte mich im Mai dieses Jahres: In der einen Hand hielt ich den Griff meines Rollkoffers, in der anderen ein Flugticket nach Bangkok. Vor uns lagen 60 freie Tage. Einzig Hin- und Rückflug waren bereits gebucht, vom Rest der freien Zeit wollten mein Freund und ich uns überraschen lassen — was sich als die beste Idee überhaupt herausstellte!
Mein Arbeitgeber, die Stämpfli AG, hat mich bei meinem Wunsch, eine Auszeit von zwei Monaten zu nehmen, vorbehaltlos unterstützt und von Anfang an die Win-win-Situation für die Mitarbeiterin sowie das Unternehmen gesehen.

In den letzten Jahren hatten wir die meiste Zeit unserer Ferien in Südostasien verbracht und waren mit der asiatischen Kultur somit bereits bestens vertraut. In diesen zwei Monaten wollten wir nun den Fokus aufs Einfach-mal-nichts-Müssen richten, und Kopf und Geist eine Auszeit gönnen.

Unsere Reise startete in Thailand. Bangkok empfing uns mit der gewohnten Mischung aus Chaos, drückender Hitze (42 Grad — wow) und dem süsslichen Geruch der Garküchen, der überall in der Luft liegt. Obwohl dies bereits unser fünfter Besuch in dieser verrückten, facettenreichen Stadt war, haben wir wieder tausend neue Sachen entdeckt!

Die Reise führte uns anschliessend nach Chiang Mai, in den Norden Thailands und schliesslich auf zwei traumhafte Inseln im Süden: Koh Mook und Koh Lanta.

Nach diesen entspannenden Wochen am Meer konnten wir uns wieder für die Hektik einer Grossstadt begeistern — so entschieden wir spätabends, dass wir am nächsten Tag nach Singapur reisen wollten. Diesen spontanen Entscheid haben wir nicht bereut, war doch diese Metropole komplett anders als alle anderen Städte, die wir bisher gesehen haben. Böden (im Flughafen-WC), so sauber, dass man hätte darauf essen können, unzählige Einkaufsmöglichkeiten und Parkanlagen, die ebenso im Disneyland Paris stehen könnten. Das Interessante an dieser Stadt ist der Schmelztiegel diverser Kulturen — vier Millionen Menschen mit unterschiedlichen Religionen leben hier Tür an Tür friedlich miteinander.

Nach einer Woche Singapur reisten wir weiter nach Indonesien. Zuerst erkundeten wir die Gili Islands, anschliessend ging es per Boot weiter nach Lombok. Die Spuren des starken Erdbebens, das einige Monate vor unserer Reise die Insel erschüttert hatte, waren unübersehbar. Viele Gebäude lagen in Schutt und Asche, und der Wiederaufbau der Dörfer war in vollem Gange. Die Hoffnung und die positive Lebenseinstellung der Indonesier waren gut spürbar, trotzdem lag auch immer eine gewisse Sorge in der Luft: Seit dem Beben im Sommer 2018 besuchten nur noch wenige Touristen die Insel.

Genau dies hat uns wiederum begeistert: Wir haben fast keine anderen Reisenden getroffen und konnten die Strände und Aussichten oftmals ganz für uns allein geniessen. Die Insel war unser landschaftliches Highlight, ich kann jedem einen Besuch wärmstens ans Herz legen!

Die letzten beiden Wochen verbrachten wir schliesslich auf Bali. Im direkten Vergleich mit unserem letzten Reiseziel steht der Sieger für uns schnell fest: Lombok ist einfach etwas ganz Besonderes!

Trotzdem haben wir die letzten Urlaubstage in den Hipsterhochburgen im Süden von Bali sehr genossen: mit dem Roller die Insel zu erkunden, bei Sonnenuntergang die Surfer zu beobachten und dazu am Strand zu Abend zu essen — das hat schon was!

Die zweimonatige Auszeit hat mich auf viele Arten bereichert. Ich schätze es sehr, dass die Stämpfli AG die berufliche sowie persönliche Entwicklung ihrer Mitarbeitenden fördert und längere Absenzen unterstützt.

Was ich persönlich und im Arbeitsalltag für mich mitnehmen konnte, kann mit folgenden Punkten zusammengefasst werden:

  • Es war die beste Entscheidung, nichts zu planen. Jeden Tag aufs Neue entscheiden zu können, wo man am nächsten Tag sein möchte, ist ein Luxus, den man im Alltag viel zu selten hat.
  • Je unproduktiver sich die freie Zeit angefühlt hat, desto wichtiger war sie in der Endbilanz für mich.
  • Die neuen Eindrücke unterstützen die Kreativität, die im Beruf des Interaction Designers essenziell ist.
  • So banal es auch klingen mag: Jeder ist selbst verantwortlich für die Länge seiner eigenen To-do-Liste im (Arbeits-)Alltag. Nicht alles, was auf den ersten Blick wichtig erscheint, muss tatsächlich (sofort) erledigt werden.
  • Wie man sich fühlen würde, wenn man mal genug Schlaf hätte und keinem Stress ausgesetzt wäre (grossartig!)
  • Es tut gut, das eigene Leben manchmal aus der Distanz zu sehen. Änderungen fallen plötzlich viel leichter, wenn man sich für eine gewisse Zeit vom gewohnten Alltag verabschiedet hat.
  • Von allen Dingen, die ich mir für diese Auszeit vorgenommen habe (Zeichnen lernen! Tagebuch schreiben! Mein Englisch verbessern! Blogs lesen!), habe ich so ziemlich N-I-C-H-T-S umgesetzt, und es war herrlich!

Einige Impressionen unserer Reise durch Thailand, Singapur und Indonesien:

Bangkok
Koh Mook
Links: Nationalgericht Indonesiens: Gado-Gado. Rechts: Merese Hills, Lombok
Koh Lanta
«The Jewel» Brunnen INNERHALB (!) des Changi Airports, Singapur
Jenga und Bali-Hipster-Food
Zu Ehren des Königs trägt ganz Thailand 4 Monate gelbe Kleidung.
Links: Koh Mook. Rechts: Henna-Bemalung in Little India, Singapur.
Gili Trawangan
Lombok
Lombok
Bangkok by night.
Hach, Hunde.
Keine Angst, kitschiger wirds nicht mehr.

Stämpfli AG

Kommunikation Mensch zu Mensch

Simona Baira

Written by

half awake // half in space

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