Bürgermeister Mario Abl Bauamtsleiter Michael Orthacker waren mit dem Lastenrad unterwegs — Quelle: meinbezirk.at

Trofaiach: kleine Stadt, großes Radkonzept

Anja Leitner
Jun 16 · 3 min read

Die 11.000 Einwohner-Stadt Trofaiach hat für ein neues Radverkehrskonzept 1,5 Millionen Euro in die Hand genommen. Wir haben den Bürgermeister Mario Abl zu den Fortschritten und ein paar Einwohner und Einwohnerinnen zu ihrer Meinung befragt.

„Unsere Stadt verzeichnete in den letzten Jahren zu viele Kfz-Kilometer, die sanfte Mobilität stand nicht mehr im Zentrum“, erzählt Bürgermeister Mario Abl. Deshalb habe er die Fördermöglichkeiten des Landes genutzt und einen Umschwung der Stadt in Gang gesetzt. Der Fokus des neuen Mobilitätskonzepts liegt auf dem Alltagsradverkehr. Mit 143km² ist Trofaiach sogar größer als Graz, dennoch nahm es sich der Bürgermeister fest vor, die verschiedenen Stadtteile mit der Innenstadt zu verbinden, sodass die Bewohner und Bewohnerinnen öfter einmal das Auto stehen lassen können. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden vier neue Hauptrouten geplant, die von bevölkerungsdichten Gebieten zum Stadtzentrum führen sollen. Dabei war es sehr wichtig, dass es sich um durchgängige, gut befahrbare und beschilderte Radwege handelt, sodass dieses Angebot von den Trofaiachern auch gern genutzt wird.

Die vier neuen Hauptrouten der Stadt — Quelle: komobile Radverkehrskonzept

Zusätzlich setzt Trofaiach auch noch auf andere Projekte: bereits bestehende Radwege sollen verbreitert, Einbahnen geöffnet und Gefahren-Kreuzungen gesichert werden.

Aber auch abseits der rein baulichen Maßnahmen hat die kleine Stadt einiges vor sich: Im Rahmen des Motivationsprogrammes will man mehr Bewohner und Bewohnerinnen zum Radfahren motivieren, beginnend bei den ganz kleinen. So soll es bald Radfahrkurse ab dem Kindergarten geben und vermehrt Fahrradveranstaltungen, wie das jährliche Trofaiacher Radfest. Zusätzlich will die Stadt Kurse zum Umgang mit E-Bikes geben, denn Mario Abl hat beobachtet: “Viele E-Bike Fahrerinnen und -Fahrer nutzen das Gelände, können aber mit der Technik noch nicht so richtig umgehen.” Trofaiach will also auch hier unterstützend unter die Arme greifen.

Die Begegnungszone

Allerdings hat Trofaiach schon vor dem Radverkehrskonzept damit begonnen, eigene Maßnahmen zu setzen. So wurde bereits letztes Jahr der Stadtkern zu einer Begegnungszone mit 20km/h-Beschränkung gemacht, mit einer ganz besonderen Taktik: “Wir haben uns das in Velden angesehen und für uns übernommen. Die Begegnungszone soll aussehen wie ein Teppich. Das hebt die Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer massiv. Die Durchschnittsgeschwindigkeit ist innerhalb einiger Wochen von 37 auf 28km/h gesunken”, freut sich Mario Abl.

Das Muster soll die Verkehrsteilnehmer aufmerksamer sein lassen — Quelle: Facebookseite Trofaiach, Foto Freisinger

“Die Autofahrer haben natürlich keine Freude, wenn man die Geschwindigkeit verlangsamt, aber seit der neuen Musikschule in der Stadt hat sich der Fußgängerverkehr verfünffacht”, meint der Bürgermeister. “Diskussionen um die optische Gestaltung hat die Begegnungszone auch entfacht. Manche sind begeistert, anderen gefällt es gar nicht, wie das eben so ist.”

Stimmen der EinwohnerInnen

Da das Projekt im Endeffekt den Bewohnerinnen und Bewohnern zu Gute kommen soll, haben wir drei Personen aus Trofaiach befragt, was sie von den Veränderungen halten. Helmut Schriefl ist 44-jähriger Restaurant- und Tankstellenbesitzer. Im Bezug auf den Radverkehr wünscht er sich, “dass die Einwohner auch auf die Möglichkeiten aufmerksam gemacht werden und das durchdachte Radnetz auch nutzen.” Die neue Begegnungszone findet er wichtig, denn “durch den Umzug der Musikschule in die Hauptstraße und dem damit verbundenen Verkehrsaufkommen musste eine entsprechende Lösung gefunden werden. Das Konzept der Begegnungszone war mir bis zu diesem Zeitpunkt zwar noch unbekannt — in der Zwischenzeit bin ich aber vollkommen überzeugt.”

Doris Sagadin ist 47 Jahre alt und fährt dreimal in der Woche mit dem Rad zu ihrem Frisörladen in der Innenstadt. Daher sind ihr mehr Radwege und Abstellmöglichkeiten ein Anliegen. “Die Gefahrenreduzierung in der Innenstadt durch die 20er-Beschränkung hebt uns von anderen Städten ab, das gefällt mir sehr gut!”, erzählt sie. Zur Begegnungszone ist sie geteilter Meinung, da die Malerei ständig ausgebessert werden müsse und vielleicht zu aufwändig sei, doch die Idee mache die Zone, und somit ihren Arbeitsweg, auf jeden Fall ruhiger.

Johann Arch ist 80-jähriger Pensionist und ist in seiner Freizeit viel mit dem Rad unterwegs. Da er in Trofaiach-West wohnt, wünscht er sich einen Radweg der Langenfelderstraße entlang. Dieser Wunsch wird mit dem Bau der Radroute 4 bald erfüllt werden.

STEIERMARK GO! RADMOBIL

Anja Leitner

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STEIERMARK GO! RADMOBIL

Ein Magazin des Studiengangs JPR für die vom Land Steiermark initiierte Kampagne zur Radverkehrsstrategie 2030.

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