Start-ups denken die Zukunft der Bildung neu

Hakan Housein
Feb 28, 2018 · 5 min read

Mein Erfahrungsbericht von der didacta 2018

Das Motto der diesjährigen didacta (Quelle: didacta Presseservice)

50 Start-ups, 400 Quadratmeter, ein gemeinsamer Stand: Im Start-up Valley der weltweit größten Bildungsmesse didacta präsentierten Jungunternehmer ihre innovativen Konzepte für die Zukunft der Bildung.

Die didacta fand vom 20. bis 24. Februrar 2018 in der Messe Hannover statt. Auch StudyHelp war mit Angeboten für (angehende) Lehrende vor Ort. Es folgt ein Erfahrungsbericht in vier Kapiteln.


Startschuss im Start-up Valley

Dienstag, 9:00 Uhr. Die Messe Hannover öffnet ihre Türen für die ersten Besucher der weltweit bedeutendsten Bildungsmesse didacta. In den nächsten Tagen präsentieren hier 840 Aussteller den mehr als 73.000 Besuchern ihre Konzepte für die verschiedensten Bereiche des Lernens.

Auch StudyHelp stellt in diesem Jahr wieder auf der Bildungsmesse aus, gemeinsam mit 49 weiteren jungen Unternehmen im Start-up Valley der Halle 13.

didacta Start-ups aus der Vogelperspektive (Quelle: didacta Presseservice)

Organisiert wird der 400 Quadratmeter große Gemeinschaftsstand durch EDUvation. Bereits im letzten Jahr war die Start-up-Community aus dem Bereich Bildungsmarkt auf der didacta in Stuttgart vertreten und freut sich über die beachtliche Vergrößerung der Standfläche. Gerade jungen Unternehmen, für die es oftmals schwierig ist, sich auf dem Bildungsmarkt zu etablieren, bietet das Start-up Valley die Möglichkeit, sich effektiv zu präsentieren.

“Dort können sie Kontakte zu neuen Kunden, Investoren und strategischen Partnern knüpfen.” — Tobias Himmerich, Gründer von EDUvation

Networking ist das A und O!

Neben der direkten Ansprache (potenzieller) Kunden, steht während der gesamten Messe der Kontakt mit Geschäftspartnern und Vertretern der Presse auf der Agenda. Primäre Ziele sind der Dialog und Wissensaustausch mit weiteren Start-ups.

Als Mitglied der EDUvation nimmt StudyHelp, vertreten durch Co-Founder und CEO Daniel Weiner, an dem Podiumsgespräch “Erfolgreich gründen im Bildungsbereich” teil.

Moderatorin Annemieke Frank (EDUvation) im Gespräch mit Daniel Weiner (StudyHelp), Tobias Himmerich (Mein Schulprojekt) und Maximilian Daub (meinUnterricht).

Das Fazit der Gesprächsrunde: Zum erfolgreichen Gründen im Bildungsbereich gehören neben expliziten Zielen und Ausdauer auch das richtige Timing und eine Prise Zufall. Start-ups lieferten im Bildungsbereich neuartige Ansätze, von denen die Bildung langfristig profitieren könne, so Daniel Weiner (StudyHelp). Es scheitere momentan nur oftmals an der Umsetzung neuer Konzepte. “Schulen und Lehrkräfte sind zwar offen für Innovationen. Aber leider verfügen Schulen nur selten über gut gefüllte Etats, aus denen sich diese Innovationen auch finanzieren ließen”, erklärt Tobias Himmerich (Mein Schulprojekt).

Weiter im Zeichen der Vernetzung lädt das Bündnis für Bildung am Abend zum Networking Dinner fernab von den Messehallen ein. Auch StudyHelp ist wieder dabei. Das Konzept der Veranstaltung: Jedem Teilnehmer werden verschiedene Tischnummern für Vorspeise, Hauptgang und Dessert zugewiesen. Wie bei einem Speed-Dating rotieren die Teilnehmer mit jedem Gang von Tisch zu Tisch. Auf diese Weise ergeben sich verschiedenste Gesprächsrunden und Themenschwerpunkte.

“Man kann pitchen und Zahlen präsentieren, so oft man möchte. Aber Deals werden immer noch unter Menschen gemacht.” — ein Teilnehmer des BfB Networking Dinners

Im Laufe des Dinners wird deutlich: gerade die jungen Unternehmen sind gefragt. Sie liefern frische Ideen und schlagen scheinbar mühelos die Brücke zwischen traditionellen Bildungsangeboten und modernen Konzepten. Jedoch wird aus den Gesprächen ebenso ersichtlich, dass auf dem Weg zu zeitgemäßen Bildungsangeboten noch einige Hürden zu nehmen sind. So ist der Gebrauch von Smartphones und Tablets an Schulen oftmals untersagt und Internet nur schlecht oder gar nicht verfügbar. Die aktuelle Situation erscheint paradox, steht doch die digitale Bildung im Fokus der diesjährigen didacta.

Buzzword digitale Bildung

Es ist das Schlagwort, das einem auf der Messe immer wieder begegnet. Unternehmen, Lehrende und Politiker scheinen sich einig in der Auffassung, dass es unbedingt notwendig ist, digitale Inhalte in das weitestgehend analoge Schulsystem zu integrieren:

Die Zeit ist reif für tiefgreifende Veränderungen im deutschen Bildungssystem. Der digitale Wandel bietet die große Chance, Lehr- und Lernprozesse neu zu gestalten und die Lernräume zu erweitern — mit Gewinn für die Kinder und die Fach- und Lehrkräfte. Durch eine kreative Verbindung von analogen und digitalen Angeboten und Gedanken können die Pädagoginnen und Pädagogen selbst gesteuertes und kooperatives Lernen, problemlösendes und kreatives Verhalten stärken. — Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis, Präsident des Didacta Verbandes der Bildungswirtschaft

Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis (Quelle: didacta Presseservice)

Ironisch wirkt in diesem Zusammenhang die Internetanbindung auf der Messe selbst, die für Aussteller sündhaft teuer ist und während der Messetage immer wieder ausfällt. Das Zusammenspiel aus offline und online Angeboten zu demonstrieren, fällt punktuell entsprechend schwer.

Nichtsdestotrotz freuen sich gerade die vielen Start-ups über ein gewachsenes Bewusstsein für den digitalen Fortschritt und die Möglichkeiten, die sich hieraus für unser Bildungssystem ergeben. Und tatsächlich wird digitale Bildung für mich an keinem anderen Ort der Messe so authentisch und passioniert gelebt und präsentiert, wie im Start-up Valley. Workshops zu Coding und neuen Lernmethoden, Diskussionen zum interaktiven Lernen und Vorträge über die digitale Welt ebnen den Weg vom hohlen Buzzword hin zu konkreten Ansätzen.

Gelder akquirieren im Bildungsmarkt

Für junge Start-ups, die mit solchen Ansätzen den Bildungsmarkt bereichern und die Zukunft der Bildung innovativ gestalten möchten, ist der Kontakt zu Investoren ein zentraler Punkt. Deshalb ist es keine Überraschung, dass im Start-up Valley ein besonderer Wert auf den Austausch zwischen Jungunternehmern mit Stiftungen und Venture-Capital-Gebern gelegt wird. Durch Keynotes und Podiumsgespräche erfahren die Start-ups, wo Gelder bereitstehen und nach welchen Kriterien sie vergeben werden.

Auch ich nehme an den Vorträgen teil und merke schnell: Finanzielle Mittel sind ausreichend vorhanden. Es gilt lediglich, den für sich passenden Geldgeber ausfindig zu machen und von sich zu überzeugen. Wie im privaten Leben, muss zunächst jedoch entschieden werden, was genau man im designierten Partner sucht — einen Mehrheitseigner oder einen Minderheitseigner? Rein finanzielle Unterstützung oder einen strategischen Partner mit Einfluss? Eine bestimme Art der Exit-Strategie?

Sind Fragen wie diese geklärt, bietet das Investoren-Speed-Dating am Abend die perfekte Möglichkeit, mit echten Investoren ins Gespräch zu kommen und in einem informellen Rahmen Ziele und Vorstellungen abzugleichen.

Die Rolle von Stiftungen sollte hierbei nicht außer Acht gelassen werden. Viele unternehmensnahe Stiftungen stellen gerade im Bildungsbereich finanzielle Mittel zur Förderung von Lernenden zur Verfügung. Eine umfangreiche Liste möglicher Geldgeber liefert der Bundesverband Deutscher Stiftungen.

Gesprächsrunde: Wie lassen sich Investoren vom Geschäftsmodell überzeugen?

Die facettenreichen und ambitionierten Start-ups schaffen es auf der didacta zum Denken anzuregen und stehen für genau das, was derzeit in aller Munde ist: den angestrebten digitalen Fortschritt im Bildungswesen.

Auch wenn die Transformation von analog zu digital nur mit Mühen zu bewältigen scheint, stimmt die grundlegende Akzeptanz und Offenheit der Lehrenden und Politik gegenüber neuen Wegen hoffnungsvoll. Nun gilt es, alle beteiligten Akteure zu einem effektiven Zusammenspiel zu bewegen und durch gemeinsames Engagement Fortschritt zu bewirken und Ansätze umzusetzen.


Wir möchten von dir hören! Was bedeutet digitale Bildung ganz konkret für dich und wie empfindest du die Entwicklungen im Bildungswesen?

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Hakan Housein

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Media scholar. Corporate Communications Manager @ StudyHelp. Passionate about content creation and photography.

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