3 erprobte Ideen für neues Machen in konservativen Unternehmensstrukturen

Experimente statt Blaupause: New Work hat immer etwas laborhaftes.

Eine Frage höre ich immer wieder, wenn es um neue Ansätze von Arbeitsorganisation geht: “Wie soll das bei uns gehen? Wir sind zu groß (zu alt, zu konservativ, denken zu eng…)”.

Die Fragen klingen so, als ob New Work ein Ziel oder Selbstzweck sei. Dem ist natürlich nicht so. Hinter dem Klapperbegriff verbergen sich je nach Überzeugung konkrete Methoden, Organisationskonzepte oder eine Sichtweise.

Heute habe ich mal drei erprobte Ideen mitgebracht, die “New Work” auch in alten Strukturen ermöglichen. New Work verstanden als: Etwas besser machen. Dabei geht es um Wissensaustausch- und Vernetzungsformate der Kollegen/innen untereinander.

Alle drei Ideen lassen sich selbstorganisiert durchführen, bieten aber auch viele Ansätze für die Zusammenarbeit mit internen Sponsoren (Empfehlung!).

Die Ideen beschreibe ich so, wie sie umgesetzt wurden. Den Transfer auf euer Umfeld müsst ihr natürlich selbst übernehmen.

Idee 1: Wissenshunger

Alle 14 Tage eine einstündige Mittagspause, in der ein Kollege/Kollegin einen 15-minütigen Impuls hält. Themen: Aktuelle Projekte oder Herausforderungen, spannende Trendthemen, neue Ideen. Danach gemeinsame Diskussion. Das Unternehmen sponsert Pizza (oder Salat).

Warum?

Ab einer bestimmten Größe entstehen soziale Inseln in Unternehmen. Jeder werkelt vor sich hin. Man kennt seine engen Kollegen. Die anderen grüßt man mal kurz in der Kaffeeküche. Durch den Wissenshunger entsteht ein lockerer fachlicher Austausch mit Personen, die man noch nicht so gut kennt.

Durchführung

  • Themen und Speaker akquirieren: Hier heißt es viel herumfragen. Das eigene interne Netzwerk aktivieren; Führungskräfte fragen; in internen sozialen Netzwerken nachsehen, ob jemand “auffällt”.
  • Raum buchen und Videokonferenz einplanen.
  • Für das Format werben! Erzählt es überall; lasst die Speaker ihre direkten Kollegen werben; tragt es ins Intranet ein; erstellt stylische Banner (z.B. mit http://canva.com).
  • Während der Durchführung nach weiteren Ideen für das Format fragen.
  • Eine Austauschplattform erstellen (z.B. eine Gruppe — im Intranet, bei Facebook, bei Slack, bei Yammer oder schlicht bei What’s App).

Idee 2: Unternehmens-Unkonferenz

Eine Unkonferenz ist ein sog. Open-Space, bei der die Teilnehmenden die Inhalte vorgeschlagen und leiten. Jeder kann bei einer Unkonferenz eigene Fragen und Ideen als Session anbieten. Finden sich Interessenten, einigt man sich auf eine Zeit und einen Raum und arbeitet dort daran.

Warum?

Dieses Format eignet sich besonders für ein Meta-Thema wie “Wie wollen wir zusammenarbeiten”, da es ein öffnendes Format ist. Vielleicht ergeben sich daraus ja konkrete Initiativen. Außerdem kommen so oft Menschen zusammen, die im Alltag wenig miteinander zu tun haben.

Durchführung

  • Internes Orga-Team finden, Ideen entwickeln und Grobkonzept erarbeiten (hilft für die eigene Strukturierung aber auch um das Vorhaben zu kommunizieren).
  • Marketing, HR, Unternehmensentwicklung oder sonst jemanden als internen Sponsor gewinnen (egal ob man Mitarbeiter und Führungskraft ist).
  • Klären, ob Kollegen an der Unkonferenz als “Weiterbildung” teilnehmen können. Wenn nicht: Tagesveranstaltung an einem Samstag möglich? Können Hürden weggeschaffen werden, dass Kollegen samstags dabei sind (Kinderbetreuung, Mitnahme von Partnern, Übertragung von Bundesliga-Spielen usw.)?
  • Ins Bar-Camp-Format einlesen: Hier, hier und hier.

Idee 3: Unternehmens-Meetup

Ein Meetup ist in der Urform ein formloses Treffen von Menschen mit einem gleichen Interesse. Früher auch bekannt als Stammtisch :-).

Meetups gibt es mittlerweile in jeder Form und Facette. Selbst in kleinen Städten sprießen sie aus dem Boden: Businessthemen, Häkel-Meetups, Yoga-Gruppen. Ich habe selbst mehrere Meetups initiiert (z.B. das VR-Meetup-Gö, das Startup-Meetup-Gö und Digital Technologies Meetup Oldenburg) und finde vor allem die Diversität der Teilnehmenden klasse.

Warum?

Meetups eignen sich durch ihren inklusiven Charakter sehr gut für den Einsatz im Unternehmenskontext. Außerdem braucht man nicht viel für die Organisation. Ebenso wie beim Wissenshunger lernt man Personen kennen, die man sonst “mal eben grüßt” aber gar nicht weiß, was sie umtreibt.

Durchführung

  • Für ein Meetup reichen ein Ort (intern oder extern in einem Café o.ä.) und ein paar Getränke und Snacks.
  • Vor einer größeren Werbung für das Meetup sollte man schon drei, vier Personen direkt und persönlich eingeladen haben. Dann kann man gemeinsam überlegen, wie man mehr Kollegen/innen erreichen kann (wenn das das Ziel ist). Und wenn sich niemand anmeldet, sitzt wenigstens der harte Kern zusammen.
  • Ein Meetup muss nicht ganz offen gestaltet werden. Ich lade gerne externe Experten für Kurzvorträge oder Podiumsdiskussionen zu ganz speziellen Themen ein, um im Anschluss gemeinsam dazu zu diskutieren. Probiert verschiedene Varianten einfach aus.

Bei den vorgestellten Formaten sollte man sich natürlich überlegen, was man eigentlich erreichen will. Auch wenn ich die Vernetzung sehr wichtig finde, muss das nicht der Grund für den Wissenshunger oder ein Meetup sein. Denkt selber nach, wie diese Formate in euer Umfeld passen könnten.

Welche Formate nutzt ihr?


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