Millennial Mindset — Schluss mit dem Generationskonflikt!

Das Potenzial von jungen Menschen wird weder gefördert noch wertvoll genutzt.

Aufgewachsen zwischen deutschen und chinesischen Werten, Normen und Konventionen in einem kleinen Dorf in Südbaden, adaptierte ich ein klassisches, leistungsgetriebenes Bild von Arbeit. Mit dem Umzug zum ‘Irgendwas-Mit-Medien’ Studium nach Berlin begann ich, die Farben und Motive, die dieses Bild prägten, zu defragmentieren und zu hinterfragen. Denn über die Erkenntnisse und Auseinandersetzung mit der Medienbranche, digitalen Transformation und Zukunftsentwicklungen fand ich den Einstieg in die Arbeitswelt. Über unterschiedliche Studentenjobs und Praktika hatte ich mal mehr mal weniger das Gefühl, auf fehlendes Zu- und Vertrauen zu stoßen. Was musste geschehen, damit ich mich auf Augenhöhe einbringen und verantworten durfte, statt an Excel-Tabellen und Powerpoint-Folien zu sitzen? Ob Familienbetrieb, Konzern und Agentur, kehrte ich immer wieder zu denselben Fragen zurück.

Warum wird jungen Menschen so ein begrenzter Raum an Entwicklung ermöglicht? Warum wird es oft so schwer gemacht, eigene Verantwortung übernehmen zu dürfen und darüber Erfahrungen zu machen? Ist das alles oder kann Arbeit mehr Sinn machen?

Nicht umsonst nennt man unsere Generation ‘Why’. Wir trauen uns, zu hinterfragen, weil es uns falsch scheint, es nicht zu tun. Aber wie ist es dazu gekommen und welche äußeren Einflüsse haben unsere Lebenswelt geprägt?

Die Lebenswelt der Millennials

Photo by Jason Wong on Unsplash

Digitalisierung und Technologisierung

Millennials sind mit dem Aufstieg des Internets aufgewachsen und haben als Digital Natives ein natürliches Verhältnis zu digitalen Medien und Smartphones. Gleichzeitig sind sie mit einem extremen Überfluss an Informationen konfrontiert, damit ist zwar alles schneller, direkter und individualisierter verfügbar, nur welche Algorithmen und Strukturen steckt hinter dieser vermeintlichen Transparenz?

Globalisierung

Die junge Generation gehört einer offenen, vernetzteren Welt an, in der Grenzen zunehmend verblenden. So identifizieren sie sich weniger mit Statussymbolen wie Autos oder dem eigenen Haus, sondern vielmehr über das Reisen, Kennenlernen anderer Kulturen und Teil sein von einer internationalen Community — der Generation Global. Dadurch wird ein schärferes Bewusstsein geprägt was Konsum, Ressourcen und die eigene Umwelt angeht, wodurch die Sharing Economy wiederum profitiert. Für die Arbeitswelt eröffnen sich neue Märkte und Industrieländer, wobei gleichzeitig der Konkurrenzdruck steigt. Ein ähnliches Spannungsfeld, das zwischen kollaborativem Ecosystem oder geopolitischer Entgrenzung steht.

Wertewandel

Eine weitere äußere Dynamik, die ebenso das Bewusstwerden des eigenen (digitalen) Verhaltens prägt, sind die sich ändernden Werte. Als Gegengewicht zur Always-On Mentalität, Multitasking-Phänomenen und Individualisierung der Gesellschaft spielt bei Millennials die Frage nach Ethik, Moral und sozialer Verantwortung eine höhere Rolle. Auch die Arbeitgeberentscheidung ist eine Frage der Ethik. Kann ich mich mit der Marke und dem Unternehmen identifizieren? Es gilt: Purpose before Profit. Dies wiederum stellt die Arbeitswelt vor neue Themen, wie die Umverteilung von Arbeitsplätzen, Chancengleichheit, bedingungsloses Grundeinkommen und, was heißt Diversität in der Umsetzung?

Demographischer Wandel

Letztlich wirkt die Bevölkerungsentwicklung auf die Lebenswelt der Millennials ein. Denn einerseits besteht ein hoher Bedarf an jungen Fachkräften, Stichwort War for Talent, und gleichzeitig stoßen hier Anforderungen, Bedürfnisse und Erwartungen aufeinander, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Die Jungen fordern und stellen sich stur, die Alten erwarten und stellen sich stur. Etwas radikal formuliert, doch genau an dieser Stelle erkenne ich heute noch eine große Kluft des gegenseitigen Unverständnisses.

Warum wir so sind, wie wir sind

Me, Myself and I

“Ich bin so erzogen worden, dass Erfolg nur durch viel und harte Arbeit kommt. Gut sein alleine reicht nicht.”

Instagram, Facebook und Co.

Was in der verunsicherten Beziehung zur eigenen Person hinzukommt ist der Drang nach Mitteilungsbedürfnis und Selbstdarstellung. Denn ja, Plattformen wie Instagram, Facebook und Co. fördern Narzissmus und ein ständiges Vergleichen in einer konstruierten Welt.

Instant Access 24/7

Für was Millennials außerdem bekannt sind ist ihre fehlende Ausdauer. Kaum ein halbes Jahr im Job, geht’s schon wieder weiter. Die ständige und sofortige Verfügbarkeit an Informationen und Konsumgütern ist zur Gewohnheit geworden. Ob über Amazon Same-Day Delivery, Netflix oder Google, alles, was wir wissen müssen, ist ein Klick entfernt. Was daraus folgt ist klar eine fehlende Geduld und Resilienz, denn zu warten, haben wir nicht gelernt.

Was Millennials in der Arbeitswelt suchen

Was ist es denn nun, was sie wirklich suchen, diese jungen, verwöhnten, ungeduldigen Menschen?

It’s not about generations, it’s about a mindset.

Ich bin überzeugt, dass Millennials und die vorherigen Generationen mit ihren Ansprüchen an die Arbeitswelt nicht so weit auseinanderliegen, wie wir oft glauben oder lesen. Der wesentliche Unterschied liegt darin, sich zu erinnern, bewusst zu werden und auszusprechen, warum, wie und was man arbeiten möchte. Eine Veränderung zu schaffen, die durch das Hinterfragen, Reflektieren und Fantasieren entsteht. Deshalb möchte ich anfangen zu teilen, was ich mir für die neue Arbeitswelt erhoffe.

Zukunftssichere Organisationen brauchen einen klaren Purpose

Um zukünftig zwischen digitalen und globalen Entwicklungen bestehen zu können und Orientierung zu schaffen, braucht es eine klare Verbindung zum Unternehmenspurpose. Warum und wofür arbeiten wir? Welchen Beitrag schaffe ich mit meiner Arbeit? So kann auch die mühsamste Excel-Tabelle einen Sinn erfüllen und motivieren.

Organisationsstrukturen müssen Raum für individuelle Bedürfnisse schaffen

In der heutigen postindustriellen Welt sollten wir wieder lernen, den Menschen als Ganzes wahrzunehmen, statt in ein möglichst enges Korsett einer Stellenbeschreibung zu zwängen. Von Silos und Hierarchien zu kompetenzbasierten, fluiden Strukturen, die meine Potenziale und Erfahrungen individuell einsetzbar machen. Auf diese Weise lässt sich erst erleben, was Selbstorganisation und -verantwortung heißt. Das schafft ebenso Orientierung für das eigene Ich als Teil eines Ganzen und gleichzeitig Effizienz und Effektivität im nachhaltigen Sinn.

Gelebte Menschlichkeit ist das Zentrum einer wertebasierten Unternehmenskultur

Kultur ist das, was wir als Menschen kreieren. Für mehr Menschlichkeit braucht es daher eine offene Kommunikationskultur, denn egal ob über Slack oder von Tisch zu Tisch, gemeinsam entwickelte Rituale schaffen eine gemeinsame Basis des gegenseitigen Verständnisses und ermöglichen eine konstruktive Feedbackkultur. Dazu gehört auch, von einer Schuld- zu einer Lernkultur zu wandeln und individuelle Möglichkeiten zur Weiterbildung sowie Wissenstausch anzubieten.

Führung fordert Emotionale Intelligenz

All die vorangegangenen Punkte sind nichts ohne die Neudefinition von Führung. Denn Führung bedeutet in Zukunft Selbstführung und nimmt die Rolle eines Coaches und Mentors ein, statt Anzuweisen und zu Kontrollieren. Nur mit dem Lebendig werden des Purpose in Führungskräften von morgen kann ein Raum für Austausch geschaffen werden, der zwischen Generationen stattfindet. Ein Interesse beider Seiten, einander aktiv zuzuhören, zu verstehen und — mit Emotionaler Intelligenz — zu interagieren.

Die New Work Bewegung hat gerade erst begonnen.

Umso wichtiger empfinde ich, dass wir anfangen miteinander zu reden. Zwischen Generationen, zwischen Abteilungen, zwischen Branchen und zwischen Kulturen. Es klingt simpel, und fordert doch von beiden Seiten eine Bereitschaft zu Kompromiss und Verständnis. Millennials fordern, aber nicht ohne Grund, und auch nicht aus rein eigennützigen Motiven. Millennials fordern das Umdenken und Hinterfragen aus eigener Unsicherheit und Orientierungslosigkeit. Alleine wird die Generation die Arbeitswelt nicht verändern, denn dafür braucht es generationsübergreifende Bereitschaft, eine Offenheit für Innovation, Mut zum Scheitern und Experimentieren und Visionäres Denken.



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Der HUB zu Neuer Wirtschaft, Digitalisierung und Zukunft der Arbeit

Monika Jiang

Written by

Rewriting the rules of business, by making it more beautiful. | Co-curator & Chambers Program Lead at The Business Romantic Society #TheFutureIsNow

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