Es grüßt der Schweinehund

Wie es mein Verhalten halten kann

Das Dingens mit dem eisernen Willen ist ja so ne Sache. Egal wie weit Mann oder Frau es dreht bis wendet, der alte, fette, gemütliche Schweinehund, sitzt aufm bequemen Sofa und grinst dich blöde an.

Na ja, lacht er dich schon aus. Er kennt dich halt und weiß, wie er dich bekommt. Er sagt so nette Sachen wie: “Hey, Netflix hat ne neue Serie am Start”, oder “Hey, Elder Scrolls Online hat ne neue Erweiterung am Start” oder “Hey, auf Twitter haben sechs Leute die du kennst, jemanden gelikt, den du nicht kennst, aber kennenlernen solltest”, oder “Ich bin so müde!”

Es ist zum Hasen jagen. Alle Absichten verpuffen im Whirlpool der Gemütlichkeit. Gestern stark, nahe kräftig, voller Kreativität sprudelnd, jetzt ein Häufchen Elend mit Selbstzweifeln und Vorwürfen, wimmernd auf dem Boden rumrollend.

Das Bild kurz wirken lassen.

Es ist vollkommen Latten, ob du einen wichtigen Anruf hinaus zögerst oder sich die Briefe stapeln oder du für die Klausur nicht lernst, oder du deinen Weltbestseller nicht schreibst. Oder, Oder… und so oder.

Hier kommen die ultimativen Tipps und Tricks, um der Pennerin und dem Penner auf unserer Couch nen Nippeldreher zu verpassen. Auf gehts!

Jetzt wird es aufregend. Gleich lasse ich die Dogge aus dem Sack. Nach einem kurzen Bild teile ich mit dir die große Erkenntnis.

Die Antwort auf die Frage: Warum komme ich nicht ausm Schuh?

Wenn einer Spannung aufbauen kann, dann meinereiner.

david henrichs

Klarer Fall von Fake News. Das mit dem Schweinehund austreiben, ist nicht so simpel wie gehofft. Denn Angewohnheiten lassen sich nicht mit zureden in ein, zwei Stündchen ablegen. Es gibt keinen schnellen oder leichten Weg.

Jap, der ach so böse Schweinehund bin ich, bist du, sind wir. Oder präziser ausgedrückt, die Gewohnheiten.

Im Sommer vergangenen Jahres habe ich versucht, mit dem Rauchen aufzuhören, und bin grandios daran gescheitert. Außerdem wollte ich mit dem joggen loslegen und bin auch daran noch viel grandioser gescheitert.

Dabei gab es für beide Vorhaben nur die besten Gründe. Rauchen ist scheiße, stinkt und kostet mich mein Leben. Der halbwegs gesunde Menschenverstand rät mir, aufzuhören. Spätestens nach vier bis sechs Stunden hasste ich die Menschheit und verprügelte meinen Nachbarn. Einfach so, weil er da war.

Dem Nachbarn gehts gut. Aber lieb, dass du dir Sorgen machst.

Mit dem Wunsch, regelmäßig joggen zu wollen, lag die Lage ähnlich schief. Ist jetzt nicht so, als würde ich nackt, nicht immer noch awsome aussehen aber meine Gemütlichkeit und das Rauchen fordern ihren Tribut und die Ausdauer ist beschämend.

Und nein, ich werde nicht dick, nur alt. Nur kurz die Treppe rauf und ich schmeiß mich unters Sauerstoffzelt. Daher rein in die neu gekauften Laufschuhe, Playlist angeschmissen und ab durch den Wald gehetzt.

Den Wald habe ich nie gesehen. Irgendwo zwischen Querstraße und meinem Briefkasten, durfte ich kräftig in die Eisen treten und mir die Lunge aushusten. Klingt dramatisch, war es auch. Meine Beine brannten, Atmung war knapp, und mein Herz klopfte um Hilfe. Später auf Couch habe ich mich mit Vanilleeis, in der Nähe von Sahne über die neue The Walking Dead Staffel geärgert.

Was lernen wir daraus?

Der gute Vorsatz alleine, reicht nicht. Millionen Menschen reden sich an Silvester den geilsten Quatsch in die Mütze, nur um spätestens Neujahr die Erkenntnis zu erlangen, dass das mit der Idee “Ich fahre ab jetzt immer mit dem Fahrrad zur Arbeit”, eine echt bescheidene Idee war.

Gewöhnung plus Angewohnheit mal Nutzen gleich Schweinehund.

Du bist die letzten Jahre immer bequem mit dem Auto zu deiner Arbeitsstelle gefahren. Du hast von diesem Luxus profitiert. Im Winter hattest du es warm und im Sommer konntest du das Verdeck runter lassen. Du warst schneller als deine Kollegen, die mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs waren und im Radio laufen an Ampel Drei immer die größten Hits von gestern, vorgestern und Chris De Burgh.

Gewöhnung plus Angewohnheit mal Nutzen gleich Komfortzone.

Das klingt jetzt ziemlich ausweglos, aber es gibt Hoffnung, alles was es braucht, ist ein bisschen Ausdauer. Viele Angewohnheiten, selbst die Schlechten, haben eine sinnvolle Funktion. Beim Qualmen ist es neben der Suchtbefriedigung häufig die soziale Komponente. Auf Arbeit, die gemeinsame Zeit mit den Kollegen im Raucherraum, oder die Zigarette danach, vor der Frage “War ich gut, oder immerhin besser als dein Ex?”, oder nach dem Essen, oder vorm zu Bett hüpfen oder, oder, oder … Frankfurt.

Das Gehirn ist bei Gewohnheiten echt ne Bitch. Es lässt Veränderungen nur ungern zu. Daher plane beim Ändern deines Verhaltens locker zwei bis drei Monate ein. Kein Witz, so lange dauert es, den Schweinehund an die Leine zu nehmen.

Meine durch die Sucht bedinge Gewohnheit mit dem Rauchen, habe ich durch neue ersetzt. Ich nuckel jetzt an der E-Zigarette. Und eigentlich müsste es für mich ein leichtes sein, von der herkömmlichen Zigarette die Finger zu lassen, schließlich bekommt mein süchtiger Körper ja seine wohl verdiente Dosis Nikotin.

Allerdings habe ich mir in den vergangenen Jahren eine Menge Rituale angewöhnt. Zum Beispiel die Zigarette nach dem Essen, oder nach einer langen Schreibsession mit heißem Kaffee, auf dem Balkon, quasi die qualmende, Stinkende, Belohnung für einfach alles.

Ich bin, während ich diese Zeilen schreibe, seit genau einer Woche Nichtraucher. Applaus! Vielen Dank! Aber ja, ich danke Gott, meinen Eltern und dem Briefträger, der immer an mich geglaubt hat.

Mir gelingt der Umstieg zu einem rauchfreien Leben, durch das Verschieben meiner Gewohnheiten. Auch das Joggen ging in die Buchse, weil es nicht in meinen Alltag passte, es nicht zu mir passte, um ein regelmäßiges Ritual zu werden.

Außerdem vermagst du nicht die Welt zu retten, ohne dir vorher nen blau roten Strampelanzug zu nähen. Das bedeutete für mich, nicht wie ein schnaufendes Nilpferd durch den Wald zu hetzen, um nach 10 Minuten aufzugeben, sondern erstmal kurze Intervalle zu versuchen. Jeden Tag 45 Minuten konzentriertes gehen.

Egal wohin. Du musst noch einkaufen? Fährst sonst mit dem Auto, der Bahn, dem Bus oder segelst per Helikopter? Ab jetzt läufst du das Stück. Nimm nen Trolli, vollgepackt mit Leergut mit, so kannst du dir vom Geld im Anschluss sogar noch ein Eis kaufen. Das Belohnungssystem will schließlich auch gefüttert werden.

Dazu nutze ich auf meinem Android Smartphone die Google Fit App. Ich bin mir sicher, iOS hat auch sowas am Start. Die App beglückwünscht dich bei erfüllten Zielen und selbst wenn, dass furchtbar dämlich klingen mag, es funktioniert. Wenn dich sonst schon keiner lobt, immerhin dein Handy liebt dich.

Ich bin so ein Schwafel Tommy, kommen wir zum Finale der Geschichte.

Mein Schweinehund ist ein dufter Typ, weil er es mir recht gemütlich machen will. Um etwas zu verändern, bedarf es seine Gewohnheiten zu ändern und neue Rituale sanft in den Alltag einfließen zu lassen. Veränderungen benötigen Zeit und bedeuten immer Stress. Rechne mit anstrengenden 2 Monaten.

Und jap, für diese schmale Erkenntnis, habe ich dir locker acht Minuten deines Lebens geklaut. Mach es dir doch zur Gewohnheit und schaue öfter vorbei. Ich mach uns einen Kaffee.

Fühl dich gedrückt. Grüß mir deinen Schweinehund und bis bald.


Nachtrag:

Ich hab grad noch Bock auf dich, daher hängen wir entspannt ein paar Absätze dran.

Und zack! Hab doch keinen Bock mehr.

Es grüßt dich sanft vom tiefsten Grund, der listig, faule Schweinehund.