

The Hateful Eight und keinen Kaffee
Ich bin Tarantino Fan.
Ich mag sogar seinen eher schwachen Death Proof und bin mit richtiger Vorfreude am Sonntag ins Kino gewatschelt. Was ein geiler Sonntag. Erst das neue Meisterwerk von Quentin und dann Super Bowl 50.
Leider kam es anders als erwartet!
In Essen gibt es die altehrwürdige Lichtburg, von dem nicht wenige sagen, es sei das schönste Kino Deutschlands. Ich kenne da zwar eins im Sauerland…aber lassen wir das.
Ich erwähne es auch nur, weil die Lichtburg “[…] eines von nur vier Kinos in Deutschland ist, in denen Quentin Tarantinos Film „The Hateful Eight“ in der analogen 70 mm-Fassung gezeigt wird.”


Wie grandios ist das denn bitte?
Alles ist bereit für einen gelungenen Filmnachmittag.
Der Kinosaal verdunkelt sich. Ein angenehm helles Licht wird auf den roten Vorhang geworfen und dann öffnet sich der Lappen. Ich bekomme vier Minuten ein schickes Standbild zusehen, bis es endlich losgeht.
Die ersten Aufnahmen sind klasse. Das Kreuz, der Schnee, die Weite und die nahende Kutsche. Dann Sam Jackson in Plauderei mit Kurt Russel. Macht richtig Laune. Ich habe richtig Bock auf den Film. Die Musik von Ennio Morricone trägt fantastisch zur Stimmung bei.
Gefühlte 10 Stunden später…
The Hate8 ist heiße Luft. Quentin kotzt ein selbstverliebtes, überlanges, nichtssagendes, Mittelmaß der Belanglosigkeiten auf die Leinwand. Es geht um Rassismus irgendwo aber auch nach dem 300sten Nigger hier Nigger da und langweiliger Südstaaten Palaver, kann der Film nicht darüber hinwegtäuschen, dass Tarantino zum Thema Rassenhass eigentlich nichts zu sagen hat. Der vordergründige Plot ist dann auch nur eine einfache Räuberpistole, die zum Ende hin noch clever wirken will, jedoch in stumpfer Gewalt untergeht.


Der Film ging endlose 187 Minuten. Ich kann mich an kleine Meisterwerke wie Reservoir Dogs erinnern, da brauchte der Großmeister nur 95.
In The Hate8 wird viel gesprochen. Was sonst meist hochvergnüglich ist aber in diesem Film lästig und geschwätzig daherkommt.
Keinen Dunst, wofür Jennifer Jason Leigh so viel Lob bekommt. Sie ist zwar die einzig nennenswerte weibliche Rolle aber wenn ein bisschen grinsen und sich die Visage zu Brei schlagen lassen eine Oscarnominierung wert ist, dann frage ich mich, was Samuel L. Jackson falsch gemacht hat. Immerhin hatte er wenigstens noch verstörende Geschichten über seinen Penis zu erzählen.
Ich bin enttäuscht aus dem Kino gestiefelt. Das ach so dolle 70 Millimeter Erlebnis war auch nur eine vergeigte Formsache ohne Inhalt. Vielleicht erwarte ich auch zu viel. Ich behaupte, Quentin Tarantino hat, seit seinen Basterds, sein Chakra verloren.
Immerhin war der Superbowl fantastisch. Die Denver Broncos haben nicht nur verdient gewonnen, es hat auch richtig Laune gemacht, sich die Nacht um die Ohren zu hauen.


Ach noch was:
Liebe Lichtburg,
du bist ein ganz schnuckeliges Kino aber ich möchte mich auch bei dir noch kurz beschweren. Du weißt wie lange deine Filme laufen? Du weißt auch, wann Deine Filme mit Überlänge eine Pause machen? Dann habe doch bitte das nächste Mal den Kaffee rechtzeitig fertig. Die Aussage von “zu wenig Personal” lass ich nicht gelten. Es reicht ein Blick in die Onlinebestellungen und Du siehst, wie viel Kundschaft zu Besuch kommt.
Mit bestem Gruß,
Tom