Februar oder März 2017. Ich laufe die Hauptstraße in Dresden entlang. Es ist Abend: M und ich haben lange gearbeitet und sind auf dem Weg nach Hause. Ich genieße es, mit ihr zusammen zu gehen.

Kurz vorm Jorge-Gomondai-Platz kommt ein Mann auf uns zu und fragt uns nach Geld. Ich bleibe stehen und wühle in meiner Handtasche nach meinem Portemonnaie; dabei tauschen wir etwas Plauderei über unsere Befindlichkeiten des Tages. Ich mache mir keine Mühe, meine Stimme besonders zu stellen.

Ich gebe ihm Geld, er freut sich. Ich wende mich schon zum Gehen, als er plötzlich aufzuckt, sich aufrichtet, mir ins Gesicht schaut und fragt:

Sind sie ein Mann oder eine Frau?

In mir höre ich so etwas wie ein grmbl aufsteigen; ich bringe es aber noch fertig, ein “Jo, das frage ich mich auch immer.” rauszuquetschen, durchaus noch freundlich. Ich hasse diese Fragen. Die nehmen nie ein gutes Ende.

“Ja, weil… also die Jacke.., und die Tasche… und die Schuhe…! Aber… “ ergeht sich mein Gesprächspartner, der nun zum Ex-Gesprächspartner wird, in einer Sprachmeditation.

Ich bemerke noch einen Anschwung von freundvoller Überraschung, dass er den Schnitt der Jacke bemerkt hat, dann lasse ich ihn ohne Antwort stehen.