“Tschuldigung, ich hab Sie für ne Frau gehalten!”

Rhens am Rhein, 14. Mai 2017. Sonntag früh.

Ich stehe auf dem Friedhof von St Dionysius. Ich fummle mit meinem Mobiltelefon, um eine Verbindung nach Hause zu finden.

Eine Frau mit Hund nähert sich, grüßt. Ich grüße zurück; Hund (sehr klein, weiß, wollig) und sie (nicht so klein, älter, rosa Jogginghose und gleichfarbiges Shirt, Strickjacke, Strohhut) nähern sich weiter und sie eröffnet mit:

“Tschuldigung, ich hab sie aus der Ferne für ne Frau gehalten!”

Ich lasse das so stehen und gehe ins Gespräch. Innerlich grinse ich ein wenig über’s Passing und frage mich, ob sie mich wohl nicht angesprochen hätte, wenn sie mich zuerst als Mann gelesen hätte. Aber was soll’s.

Ich lerne sie kennen: Bürgerin der Stadt, Alt-Eingesessen, den Rhein — das Wasser überhaupt — liebend, “Ich könnte mir nicht vorstellen irgendwo anders zu leben.”

Der Hund, schon sechs, “bleibt der wirklich so klein?” (jo, “wenn der Arthrithis bekommt, so wie ich, dann wird der noch kleiner!”), wirklich niedlich (“Wie der Herr, so’s Gscherr sagt man hier — also wie das Herrchen, so der Hund!” “So ähnlich sehen Sie sich gar nicht!” “Aber dickköpfig und stur ist er, so wie ich!”); die Frau, noch nicht siebzig, ausgesprochen sympathisch.

Wir plaudern, sie geht beten, dann plaudern wir noch mehr, und verabschieden uns voneinander.