AIDS-Test (oder: Wem ist der Penis?)

Ich gehe zum Gesundheitsamt. Das wollte ich schon immer mal machen. AIDS-Test. Gesundheit. Vorsorge. Sicherheit. Und so.

Ich hab prima Sex, mit genug Partnern, und recht viel Sicherheit; so denke ich zumindest und so erzähle ich es auch dem älteren Herrn, der mich interviewt.

“Wie schätzen sie Ihr Risiko ein?”

fragt er mich.

In der Intention, das Gespräch kurz zu halten, spule ich ein wenig Gesundheitswissen ab und erwähne die routinemäßige Verwendung von Barrieremethoden, also präzise: Kondome.

Der Herr hört aufmerksam zu, lächelt freundlich-neutral zurück und spricht dann klar und kompetent: Kurzreferat über Infektionsrisiken und Körperflüssigkeiten und die präzisen Körperstellen, an denen die Infektion dann…

er unterbricht sich:

“Es geht ja bei Ihnen um Sex mit Männern?”

Und ich so: “ömm, nee” (naja, schon, ein Partner von mir ist Transmann, aber da gehen wir jetzt nicht hin, oder?), “die meisten, also nee: das sind Frauen!” Er guckt. Stutzt. Ich werde verlegen. Dann glaube ich, zu verstehen:

“Achso. Ja. Nee. Also: ich hab den Penis! Der Penis ist meiner. Ich verwende das Kondom, also: bei mir.” (Eloquent, Tina, sehr schön.)

Er lacht.

“Achso.”

Heh.

“Ist ja auch nicht so eindeutig.”

“Nee.”

Wir grinsen uns an.

“Gut, dass wir darüber geredet haben.” meine ich, und bin ziemlich sicher, dass er sich denkt: “puh, ja, wirklich.”

Immerhin bekomme ich dann meinen Zettel, treffe die Ärztin, unterhalte mich mit ihr über Schnee und das Fußballtraining ihres Sohnes und den Blick aus dem Fenster, während sie mir Blut abnimmt. Ich bin so am Gespräch interessiert, dass ich ihre zwischendurch eingestreuten, in Kommandoform gegebenen Anweisungen (“festhalten!”) verpasse.

Niemand fragt mich nach meinem Namen — die Testung ist anonym.

“Guten Tag!” — “Wiedersehen!” Kein Herr, kein Frau, nix. Super. Das sollte überall so laufen.