Because (A)I can

Was brauchen wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz?

Virtual Identity
Oct 28, 2019 · 4 min read
Ein Thema, viele Aspekte: Die Panelteilnehmer diskutierten auf der ubx19, was unsere Gesellschaft im Umgang mit Künstlicher Intelligenz braucht.

Ob wir Künstliche Intelligenz (KI) nutzen wollen, steht nicht mehr zur Debatte. Längst durchdringen die Technologien Privatleben und Arbeitswelt. KI-Experten betonen die Chancen der neuen technologischen Möglichkeiten — aber sind die Grenzen des Möglichen auch die Grenzen des Angestrebten? Wie muss oder wie soll der Umgang mit KI in unserer Gesellschaft aussehen?

Über den gesellschaftlichen Umgang mit ethischen Risiken Künstlicher Intelligenz diskutierten auf der Bühne der #ubx19 die KI-Expertin Dagmar Schuller (CEO & Co-Founder audEERING), Diplom Psychologe Christian Greb (Chief Innovation Officer at Precire) und die Medien-Ethikerin Cindy-Ricarda Roberts (Hochschule für Philosophie München) mit der Journalistin Christina Rose (ONEtoONE).


Wie sieht eine ethische KI aus?

Dagmar Schuller und Christian Greb erschließen Anwendungsfelder für Künstliche Intelligenz und entwickeln Anwendungen, die Nutzen stiften sollen: Für Unternehmen, Individuen oder die Gesellschaft. Für sie steht, wie für die Ethik-Expertin Roberts, nicht zur Debatte, ob es eine Ethik für KI braucht. Die Frage ist viel mehr: Wie muss diese aussehen?

Alle betonen: Es ist der Mensch, der die Leitplanken für den ethischen Umgang mit KI bestimmt. Eine gesellschaftliche Aufgabe also. Denn: „Eine KI ist nie per se ethisch oder unethisch.“

Eine KI ist nie per se ethisch oder unethisch — es ist der Mensch, der die Ethik mitbringt. [Christian Greb]

Das Handling von Daten macht den Unterschied

Ethische Prinzipien müssen deshalb schon bei der Entwicklung Künstlicher Intelligenz fest verankert sein. Wie komme ich an Daten? Wie werden Daten erhoben und anonymisiert? Wie labele ich die Daten? Und wie entsteht mein Datenmodell? Nicht nur Biased Algorithms haben schon häufig Negativschlagzeilen gemacht, auch amerikanischen und chinesischen Unternehmen eilt der Ruf voraus, hier weder auf Transparenz noch auf Datenschutz zu setzen. Unsere ethischen Prinzipien sind ihnen egal. Zwischen KI und KI, die die gleiche Aufgabe erledigen, können ethische Welten liegen

Zwischen KI und KI besteht heute ein großer Unterschied.

[Dagmar Schuller]

Jede Gesellschaft hat ihre eigene Ethik, weiß Roberts. Typisch deutsch, typisch europäisch, sobald es um KI geht, die Risiken und Ängste zu betonen. Muss das aber ein Nachteil sein? Wird Europa abgehängt von den USA und China — und sind wir damit verloren, was den Schutz unserer Daten angeht?

Die angezogene Handbremse in Sachen KI bedacht lockern

Damit KI in Deutschland und Europa Fahrt aufnehmen kann, wünschen sich Schuller und Greb nicht nur Fördergelder von der Politik. Sie sind überzeugt: Es braucht nicht nur KI-Initiativen, die Hürden abbauen, sondern auch Leitplanken in puncto Qualität und eine KI-optimistische Strategie. „Wir gehen immer noch mit angezogener Handbremse an das Thema heran“, bemängelt Dagmar Schuller.

Roberts sieht auch eine Chance im Status Quo und plädiert dafür, die Handbremse nur bedacht zu lockern. So entsteht Raum, in dem Wirtschaft und Ethik Hand in Hand gehen können. Sie wünscht sich eine Corporate Digital Responsibility Initiative — dass Unternehmen sich selbst Richtlinien verpflichten, ihre ethischen Prinzipien festlegen und die Markenbildung europäischer KI in die Hand nehmen.

Ethische Prinzipien in Europa können eine Brand werden. [Cindy-Ricarda Roberts]

Europäische KI als Qualitätssiegel

Egal ob über politische Regulierung oder selbstauferlegte Qualitätsmerkmale: Auch Greb und Schuller glauben, dass das Qualitätssiegel Europäische KI das Potential zum Exportschlager hat. Denn auch in China möchte jemand vielleicht sichere, transparente Lösungen.

Das Publikum der ubx folgt der Diskussion — und stellt im Anschluss viele Fragen.

Der Umgang mit KI braucht vor allem Bildung

„Jedes Individuum hat seine eigene Schmerzgrenze, was die persönlichen Daten angeht“, weiß Dagmar Schuller aus Erfahrung. Nicht zuletzt spielt für jeden die Frage eine Rolle: Wofür werden meine Daten eingesetzt? Können für mich Nachteile entstehen?

Transparenz und Qualitätssiegel allein reichen nicht aus, damit Nutzer auf die Entscheidungen einer KI reagieren können. Dafür braucht es vor allem Bildung. Einigkeit und Vehemenz sind in diesem Punkt auf dem Podium am stärksten. Bildung ist für alle Diskutanten ein Schlüsselelement — um Vorbehalte und Ängste gegenüber KI abzubauen und um aus Nutzern mündige Nutzer zu machen, die selbst entscheiden: Wie gehe ich mit einer KI um?

Wenn verstanden wird, was es bedeutet, mit Daten zu arbeiten, eine KI zu trainieren: Dieses Bewusstsein kann einen anderen Umgang erlauben.

[Christian Greb]

Wer trägt die Verantwortung für Entscheidungen, die von einer Künstlichen Intelligenz getroffen werden?

Und damit schließt sich ein Kreis. Am Anfang jeder ethischen KI steht der Mensch, der Entwickler, der ethische Prinzipien in der KI verankert. Und auch am Ende spielt er eine Rolle — als Nutzer. Denn es obliegt dem Nutzer, ob er eine KI-basierte Entscheidung annimmt, oder nicht. Ob er seine Daten einer KI anvertraut — oder nicht.


Creating Digital Opportunities ist das Motto der ubx Konferenz 2019. Wie können Unternehmen digitale Möglichkeiten in Chancen verwandeln? Jährlich lädt Virtual Identity Technologie- und Kommunikations-Experten, Innovationstreiber und Querdenker ein, ihre Gedanken und Erfahrungen mit einem ausgewählten Publikum zu teilen. Das Ziel der Useful Brand Experience Initiative der Digitalagentur? Sinnvolle Lösungen zu schaffen, die Nutzern auf Augenhöhe begegnen. Dafür braucht es nicht nur Digital-KnowHow, sondern auch Empathie.

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