Ecken, Kanten und Türmchen:

10 Dinge über Saarbrücken

Vor einiger Zeit war ich zum #twisaar geladen. Das ist eine tolle Initiative von Torsten Maue (@tmmd), damit Blogger auch mal über kleinere Städte schreiben, und nicht nur immer über die Metropolen und Hipster-Horte. Eine wunderschöne Idee, die in Magdeburg begann und 2014 die Saarländische Hauptstadt erreichte. So war ich also vier Tage im beschaulichen Saarbrücken unterwegs, um allerhand zu sehen, essen und zu erleben. Besonderer Dank gilt hier Sarah (@saarmaica) die unsere Truppe so zielsicher navigiert hat. Jetzt also zu meinen Top-Ten aus Saarbrücken


Essen ist ganz groß.

In Saarbrücken isst man gerne gut und bisweilen deftig. Sarah hat uns erklärt “Hauptsach gut gess” ist im ganzen Bundesland die Devise. Das gilt übrigens auch für Allergiker, Vegetarier und Veganer. Denn man kann ja fast überall ein kleinwenig umbestellen und die Menschen in der Küche merken sich so auch gleich, wer man war.

1. Frühstücken im Café Thonet

Hier hält man es schon französisch mit dem Café au lait und der hektikfreien Bedienung.

Die zwei Herren mit Café und Handy sind natürlich die Blogger @tmmd und @travellerblog.

2. Schlemmen in der Kostbar

in der Nauwieser Str. 19 ist die Kostbar. Die sollte man unbedingt mal besuchen und von der Tageskarte bestellen. Die nostalgische Atmosphäre des alten Programm-Kinos im Hof strahlt ab und das ist wunderbar so.

3. Currywurst mit Pommes, quasi Royal.

Hier im Bild: Currywurst, vegan. Zugegeben mit etwas zu viel Curry. Hab mich verschätzt.

Das gibt es bei den Gebrüdern Kalinski in der Kaltenbachstr. 4 naschen. Gibt’s auch in fleischfrei. Optional noch einen Gin in der Bar verkosten. Dafür empfehle ich aber die Abendstunden. Mittags erntet man eigenartige Blicke (-;

4. Afrikanisch Essen im Almas

Ich möchte wärmstens empfehlen, im Almas an der Saaruferstr. 12 einmal mit mehreren Menschen gemeinsam alle (veganen) Gerichte auf der Karte zu testen. Unerreicht und garantiert wiederholenswert!

Leit guggen.

Ich liebe es, stundenlang Menschen zuzusehen beim Leben. Das geht in Saarbrücken überaus gut, weil das die anderen auch tun, wie man in der Zeit schon lesen konnte.

5. Sitzen, gehen, guggen.

Allen Freunden des kontemplativen Leben möchte ich empfehlen, in Saarbrücken am Saarufer spazieren zu gehen und an der Freitreppe der Berliner Promenade sitzenzubleiben. Eine großartige Sache, wie die Menschen und Boote so vorbeiziehen. Zugegeben: Nur wenn das Wetter mitspielt.

An der Saar spazieren gehen. Auf die Saar blicken. Menschen beobachten.

6. Bötchen fahren!

So nannte es Profi-Blogger Hubert Mayer alias “Happy Schnitzel“ es mit vollem Ernst und tiefer Begeisterung. Und er hatte recht. Ist es sonnig, muss man aufs Wasser! Die Saar fließt übrigens so entspannt langsam, dass fast alle Besucher auf die falsche Richtung tippen. Manche Einheimische übrigens auch. Daher sollte man nach dem beliebten Tippspiel „Wohin glaubst Du, dass die Saar fließt?“, einfach ein Blatt von einer Brücke aus hineinwerfen um zu sehen, in welche Richtung die Saar wirklich fließt. Begeisterte Einheimische sagen sogar, man sollte Idealerweise sogar einmal bis zur Saarschleife fahren, um das Lebensgefühl besser zu verstehen.


7. Mit Der Staßenbahn nach Frankreich fahren.

Wenn man schon mal in der einzigen Stadt Europas ist, in der man mit der Straßenbahn eine Staatsgrenze übertreten kann, dann MUSS man das einfach machen. Nicht nur, weil es absolut hinreißend ist, wie original Saarländer die französische Endstation „Sarreguemines“ aussprechen. Sondern durchaus auch, weil es eine Lektion in Zweisprachigkeit ist, wenn man die Ansagen der Saarbahn in Deutsch und selbstverständlich in Französisch hört.

Platanen überall.

Da Platanen die schönsten Bäume für mich sind, fand Ich es toll, dass ständig und überall welche zu sehen und zu riechen. Obwohl Ich darüber nachgedacht habe, auch welche zu umarmen, habe ich es nicht gemacht und lieber welche für Euch fotografiert.

8. Völklinger Hütte besteigen.

Was jetzt etwas befremdlich klingt, ist nichts als die Wahrheit. Im Weltkulturerbe kurz außerhalb von Saarbrücken, kann man tatsächlich in stillgelegte Hochöfen hineinsehen, auf Schuttberge blicken, durch Kokereien wandeln und in die Sinteranlage blicken. Für mich als Kind einer Stahlstadt (Linz) ist ein Hochofen zwar keine Ausnahme-Erscheinung, trotzdem fand ich es großartig, mal durch eine ruhende Anlage laufen zu können. Im Betrieb sind diese Anlagen nämlich wahrlich ohrenbetäubend laut und schmutzig.

Die Kabel sind abgezwickt (musste vermutlich sein) und die Räume umgenutzt (aus Schrotthallen wurden Ausstellungen), aber der Geruch des Eisenerzes ist geblieben. Die Schlote tragen Erdbebenringe wegen der Grubenbeben, die es bis in die 1980er hinein gab. Wer mit offenen Augen und Sicherheitshelm durch die ehemaligen Duschräume der Kokerei geht, in alte Erzaufzüge blickt und auf die Details achtet, wird dort noch die Spuren der Arbeit sehen. Heute wachsen am Kokslöschplatz Blumen zwischen den eisenen Bodenplatten und ein wilder Garten, genannt “Paradies” wächst heran. Ich glaube man nennt es Industrieromantik.

Auf diese Hochöfen kann man in Völklingen hinaufklettern. Den Sicherheitshelm muss man später wieder zurückgeben.

Warum ich nicht 1.000 wundervolle Bilder voller Nostalgiecharme geknipst habe? Weil das Denkmal ernsthaft glaubt, dass ich als Blogger mit einer Erklärung darauf verzichten werde, meine Bilder auf Social Media Plattformen und Co. einzustellen. Nicht ganz. Ich habe darauf verzichtet, dort Fotos zu schießen. Bilder dieses Ausflugs findet Ihr bei Torsten, Sarah und Hubert.

Industrieromantik in A4.

Übrigens: Jede 5. Saarländerin und jeder 5. Saarländer wohnt in Saarbrücken. Und fast jeder scheint irgendwie mit der Grube, der Hütte oder dem Thema Stahl und Eisen verbunden zu sein. Es ist also ein ganz gutes Smalltalk-Thema für einen Start.

9. Stadtwandern mit tollen Führungen.

Schon gewusst? Der Name Saarbrücken hat eigentlich nix mit einer Brücke zu tun. Die kam erst ziemlich spät. Es geht viel mehr auf das Lateinische „Castellum Sara brugga“ zurück, was etwa so viel heißt wie „Schloss am festen Felsen der Saar.“ Besser und witziger als Wikipedia, war unser Fremdenführer. Diese Führungen gibt es für wenige Euros und starten an jedem 2. Montag und letztem Samstag im Monat, direkt am Rathaus. Er wusste wirklich jedes Detail über den geizigen Bäcker, wie der Teppich eines toten Diktators in den Rathaussaal kam. Kannte Geschichten rund um nackige Statuen und sogar Fußballgeschichten, als das Saarland tatsächlich noch ein eigenes Land war.

Dieser Teppich hätte eigentlich Ceaușescu gehören sollen, blieb aber durch die Umsturzwirren in Saarbrücken. Der geizige Bäcker — Steinkopf in der Wand — ist eine echt krasse Geschichte, direkt aus der Geschichte der Stadt Saarbrücken.

Am interessantesten fand ich, dass Saarbrücken um ein Haar EU-Hauptstadt geworden wäre. Denn nach dem 2. Weltkrieg war das Saarland ein souveräner Staat mit dem Saarfranken und Zöllen an allen Ecken. Als Land in der Mitte zwischen Deutschland und Frankreich hatte es einen Sonderstatus. Bei einer Befragung der Bevölkerung kam aber heraus, dass Sie nicht Hauptstadt der EU werden wollten. Man versprach sich einfach nichts davon und wurde dann 1957 Teil Deutschlands.

vlnr. Das Schloss. Blich auf die “Verkehrssitutation”. Im Rathaussaal.
Stadtführung am St. Johanner Markt. Deutsch-Französischer Garten mit Seilbahn — die bin ich sogar gefahlren.

Diese Stadtführung sei jedem empfohlen, der diese Stadt besucht! Vom Schloss oben aus betrachtet sieht man auch, dass die Stadt Saarbrücken ziemlich viele Ecken und Kanten beweist. Dazwischen leuchten aber wirklich viele kleine, schmucke Türmchen aus dem Häusermeer.

Die #twisaar-crew. Abends an der Bushaltestelle. Das Handy immer im Anschlag. So soll das sein :-) vlnr: @andorweb, @tmmd, @saarmaica, @travellerblog.

10. Sprachgewohnheiten.

In meinen ersten 24 Stunden in Saarbrücken musste Ich unzählige Sätze wiederholen. Langsamer sprechen. Weicher aussprechen. Mehr französisch betonen. Ich meine erkannt zu haben, dass die Gemütlichkeit hier quasi “built in” ist, wie bei einem Computerprogramm quasi, dafür gemacht, langsamer gesprochen zu werden. Sie lässt sich nicht ohne Schäden aus dem Saarländer und der Saarländerin entfernen. Zudem variiert sie immer wieder französische Vokabel ein und erinnert das ungeübte Ohr an das Schwäbische. Angeblich ist es aber kein alemannischer Sprachstamm, sagt Wikipedia.

Und weil diese Sprache so besonders ist, gibt es tatsächlich Geschäfte, die landestypische Aussprüche in einer Art Lautschrift aufgedruckt auf allerlei Produkten verkaufen.
Einige Übersetzungen aus dem Shop “made in saarbrigge”:
Mir mache uns kään Stress! — Wir machen uns keinen Stress!
Erschd mo buddse unn dann siehn ma weider! — Erst mal putzen, dann sehen wir weiter!
Gebs uff! — Gib es auf!
Oh han isch die flemm. — Ich habe die Nase voll, ich bin niedergeschlagen. (übrigens ist flemm aus dem Französischen.)


Fazit.

Saarbrücken ist klein, fein und sehr gemütlich.

Es sei als Reisetipp für alle empfohlen, die sich für Industriegeschichte, Denkmäler, lustige Geschichten und Essen interessieren.

Es ist übrigens auch ein guter Ort um ungestört denken, formulieren und schreiben zu können. Einer meiner pointiertesten Blogbeiträge ist dort entstanden.

Und alle, die mal zufällig dort “stranden” und arbeiten müssen, sei an dieser Stelle die Atmosphäre des Ligatura-Coworkings empfohlen. Dieser knuffige Hund ist dort übrigens inklusive.


Fotos & Text: Sandra Staub

100% redaktionell-Info:
Ich habe alle meine Essens- und Eintritts-Rechnungen als ganz normaler Gast bezahlt und bekomme nichts für diesen Artikel außer Eure Aufmerksamkeit.