Das bedeutet der Fall Steudtner für die Inhaftierten in der Türkei

Am Mittwochabend ist der Menschenrechtler Peter Steudtner gemeinsam mit sieben anderen Aktivisten aus der U-Haft in der Türkei entlassen worden. Doch noch immer sitzen viele Journalisten und Aktivisten in der Türkei fest. upday erklärt die Rolle von Gerhard Schröder im Prozess und die Auswirkungen des Falls für Deniz Yücel und Co.

Menschenrechtler Peter Steudtner (r.) umarmt vor dem Gefängnis einen Kollegen. Foto: Emrah Gurel/AP/dpa

Peter Steudtner ist am Donnerstagnachmittag in Berlin gelandet, nachdem er am Abend zuvor aus der Untersuchungshaft in der Türkei entlassen worden war. Doch viele seiner Kollegen sitzen noch immer fest.


Kurz nach 11 Uhr am Mittwochabend sagte Steudtners Anwalt: “Peter ist von jetzt an ein freier Mann”. Der Berliner Menschenrechtler saß seit Juli in der Türkei in U-Haft, weil ihm die Unterstützung einer Terrorvereinigung vorgeworfen wurde. Überraschend hatte die türkische Staatsanwaltschaft aber auf nicht schuldig plädiert. Das Gericht in Istanbul hat Steudtner und seinen schwedischen Kollegen Ali Gharavi daraufhin ohne Auflagen entlassen. Die Chronologie der Verhandlung:

Am Tag nach der Freilassung kam das Gerücht auf, Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) habe in einem geheimen Treffen mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Erdogan bewirkt, dass Steudtner freikommt. Laut Medienberichten habe er mit ihm über den Fall gesprochen. Konnte der Elder Statesman in ein paar Minuten tatsächlich mehr erreichen als die bundesdeutsche Diplomatie in mehreren Monaten?

Peter Steudtner wird wohl am Donnerstag noch nach Deutschland ausreisen. Doch viele seiner Kollegen — momentan zehn deutsche Staatsbürger — sitzen aus politischen Gründen in der Türkei in Haft, darunter die Journalisten Mesale Tolu und Deniz Yücel.

“Das ist ein Sieg für uns alle”, Murat Deha Boduroglu, Anwalt von Steudtner

Die Bundesregierung zeigte sich erfreut über die unerwartete Wende im Fall Steudtner und will nun auch für Yücel und Tolu die sofortige Freilassung erwirken. Doch sind diese Fälle deutlich komplizierter und bedürfen vermutlich noch langer Verhandlungen. Warum der Präzedenzfall dennoch Anlass zur Hoffnung für viele Inhaftierte in der Türkei ist:

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