Drei Tage Ausnahmezustand: Die Fakten zu den Randalen in Hamburg

The upday team
Jul 10, 2017 · 3 min read

Drei Tage lang versetzte der G20-Gipfel die Hansestadt in den Ausnahmezustand. Während Staats- und Regierungschefs in den Messehallen tagten, randalierten Tausende. Wer kommt für die Schäden auf? Wieviele Menschen wurden verletzt? Und wer trägt die politische Verantwortung?

Eine brennende Barrikade im Norden Hamburgs. Foto: CHRISTOF STACHE/AFP/Getty Images

Wieviele Verletzte gab es? Laut Angaben der Polizei wurden 476 Beamte verletzt. Die häufigsten Ursachen: Stein- und Flaschenwürfe, Reizgas, Pyrotechnik. Über die Zahl der verletzten Demonstranten gibt es keine verlässlichen Angaben, sie dürfte aber im dreistelligen Bereich liegen. Laut Hamburger Krankenhäusern wurden Knochenbrüche, sowie Platz- und Schnittwunden versorgt.

Wer kommt für die Schäden auf? Noch gibt es keine verlässlichen Zahlen zur Höhe der Schäden in Hamburg. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte den Opfern bereits finanzielle Entschädigung zu. Fahrzeughalter, deren Autos in Flammen aufging, dürfen ab sofort kostenlos den Hamburger Nahverkehr in Anspruch nehmen. Wurde zuvor eine Voll- oder Teilkaskoversicherung abgeschlossen, wird der Schaden ersetzt.

Wer trägt die politische Verantwortung? Bereits während des Gipfels wurden erste Rufe nach dem Rücktritt des Hamburger Oberbürgermeisters laut. Doch Olaf Scholz von der SPD weist die Kritik von sich und verteidigt den Polizeieinsatz.

Wer waren die Randalierer? Ein Großteil der Krawalle gingen vom so genannten “Schwarzen Block” aus. Doch hierbei handelt es sich eher um eine Aktionsform, denn um eine kohärente Bewegung. Insgesamt wurden 186 Menschen festgenommen. 225 befanden sich vorübergehend in Gewahrsam. Darunter sollen auch zahlreiche Aktivisten aus Frankreich und der Schweiz sein. Laut Hamburger Morgenpost sollen sich auch Rechtsradikale unter die Randalierer gemischt haben.

Reporter der “FAZ” haben die Verwandlung jugendlicher Demonstranten in “linke Krawallkids” beobachtet.

Warum ist die Lage in der Nacht zu Samstag eskaliert? Recherchen der “FAZ” zufolge gab es zwei Schlüsselszenen. Erstens: Die Auflösung der ersten Demo am Donnerstagabend durch die Polizei empfanden linke Aktivisten als Provokation. Zweitens: In der Nacht zu Samstag konnten Hunderte ungehindert im Schanzenviertel randalieren, weil die Polizei sich zunächst nicht in die Straßen traute. Die benötigten Spezialkräfte waren noch an der Elbphilharmonie gebunden.

War das Polizeikonzept richtig? Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz stellte sich bedingungslos hinter den Einsatz der Polizei. Doch es wurde auch Kritik an der Polizei laut, beispielsweise vom Berliner Protestforscher Simon Teune. Das “präventive Draufschlagen” der Polizei habe eine zum Teil unberechenbare Situation geschaffen, meint er.

Wird die Rote Flora geräumt? Die Rote Flora im Schanzenviertel gilt als einer der zentralen Treffpunkte der autonomen Szene in Hamburg. Nach den Ausschreitungen am Wochenende kündigte Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) an, prüfen zu wollen, ob das Zentrum dicht gemacht werden kann. Ähnliche Forderungen wurden auch im Zusammenhang mit teilweise besetzten Häusern in der Rigaer Straße in Berlin laut. Was kann durch eine Schließung linker Zentren bewirkt werden?

Die Rote Flora im Herzen des Schanzenviertels. Sean Gallup/Getty Images

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