Türkei wird zum globalen Risiko

Daniel Walter
Aug 30, 2018 · 3 min read

Argentinien, Südafrika, Brasilien und sogar Indien — die Talfahrt der türkischen Lira wird zusehends zu einer Krise der Schwellenländer. Verbreitet sich vom Bosporus eine Wirtschaftskrise globalen Ausmaßes?

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Händler und Analysten verfolgen die Krise der türkischen Wirtschaft mit Sorge. Foto: Eduardo Munoz Alvarez/Getty Images

Seit Anfang des Jahres hat die türkische Lira rund 40 Prozent gegenüber dem Dollar verloren. Ein dramatischer Verlust, der die gesamte Wirtschaft und Finanzwelt des Landes vor große Probleme stellt. Die Maßnahmen der Regierung Präsident Recep Tayyip Erdogans zeigen bislang so gut wie keine Wirkung. Im Gegenteil: Am Donnerstag näherte sich die Lira dem Rekordtief von Mitte August.

Die Gründe hierfür liegen zum Teil in der Verschlechterung des amerikanisch-türkischen Verhältnisses. Washington hat seit Anfang August Sanktionen gegen zwei türkische Regierungsmitglieder sowie Strafzölle auf türkische Produkte erlassen. Ein Hauptstreitpunkt ist die Weigerung der Türkei, den US-Pastor Andrew Brunson aus dem Hausarrest zu entlassen. Doch allein damit wäre die Krise nicht gelöst. Die Krise der türkischen Wirtschaft ist strukturell, wie Spiegel Online zeigt:

Angesichts dieser miserablen Lage schlägt die türkische Regierung diplomatische Akzente in Richtung EU an. Mit einem Besuch von Finanzminister Berat Albayrak (gleichzeitig Erdogans Schwiegersohn) in Paris sowie einer Ankündigung politischer Reformen an die EU.

Wird dies helfen? Ozan Demircan vom “Handelsblatt” ist skeptisch:

Ob die diplomatische Offensive ausreicht, um die heimische Wirtschaft zu stabilisieren, ist fraglich. Letztlich muss die Türkei zu einer glaubwürdigen Politik zurückkehren.

Nervosität überträgt sich wie ein Virus von Land zu Land

Die Türkei ringt um eine Lösung ihrer ureigenen Probleme. Dafür müsste die Kapitalflucht eingedämmt und ausländische Geldgeber wieder Vertrauen fassen. Selbst wenn das gelingen sollte – es könnte zuwenig sein, um die Krise zu beenden. Längst wirkt die Krisenangst wie ein Virus. Tauchen in einem Land neue Probleme auf, taumeln auch die Anderen.

Der Grund für den jüngsten Kurssturz der Lira kommt aus Buenos Aires. Dort hatte der argentinische Präsident Mauricio Macri am Donnerstag verkündet, eine geplante Hilfstranche des Internationalen Währungsfonds (IWF) früher erhalten zu wollen — als Zeichen der Stärke und Zahlungsfähigkeit. Doch der Schuss ging nach hinten los. Der Kurs des Peso sank, und riss die türkische Lira gleich mit nach unten.

Argenitischer Peso und die türkische Lira sind jedoch nicht die einzigen Währungen mit starken Kursverlusten seit Jahresbeginn. Auch der südafrikanische Rand, die indische Rupie und der brasilianische Real sinken von Tief zu Tief. Der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, spricht von “Ansteckungseffekten” zwischen den Schwellenländern.

Droht also eine Abwärtsspirale mit einer womöglich weltweiten Rezession? Die Risiken seien nicht zu unterschätzen, findet Martin Hock in der “FAZ”. Auch wenn jedes Land ganz eigene Probleme habe, verbinde alle eines: schlechte Politik:

Auch wenn die Gründe in allen Ländern nicht direkt miteinander in Beziehung stehen, so verbindet sie doch ein Muster. Die Länder schaden sich selbst durch eine trotzige, auf sich selbst gerichtete Politik.

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