Ist Gott ein Grüner?

Für manche ist Umweltschutz eine Sache, für die man sich mit politischem Aktivismus, Kampagnen an der Basis oder, wenn nötig, sogar mit Gewalt einsetzen muss. Für andere ist er nichts als unsinnige Hysterie oder Bestandteil einer linken Verschwörung oder einfach eine Chance, Geld zu machen. Vision-Herausgeber Dr. David Hulme zeichnet die Entwicklung seiner eigenen Ansichten zu diesem Thema nach und erkundet eine alternative Herangehensweise.


Wenn ich auf die Entstehung meiner Haltung zu Umweltfragen zurückblicke, wird mir klar, dass sie durch vielfältige praktische Erfahrungen, persönliche Gespräche und die Schriften von Autoren entstanden ist, die viele als alternative Denker einstufen würden. Schon die Frage „Ist Gott ein Grüner?“ wirft natürlich weitere Fragen auf. „Was hat Gott damit zu tun?“, könnte man einwenden. „Warum Gott in die Diskussion um den Umweltschutz einbringen? Hat er sich nicht ohnehin seit Langem zurückgezogen?“ Und dann lässt sich einwenden, dass Grüner doch ein politischer Begriff ist und schon deshalb nicht zu Gottes Vokabular gehört. Darum bitte ich um Geduld, wenn ich mit einigen dieser praktischen, prägenden Erfahrungen und Gespräche beginne — und meiner allmählichen Annäherung an eine andere Art, die Welt zu sehen.

EIN LEHRREICHER NACHMITTAG

Robert Rodales Garten im ländlichen Pennsylvania war ein bemerkenswert beschaulicher Ort. An einem warmen Nachmittag im Juli 1990 filmten wir dort ein Interview mit ihm. Schon Bobs Vater J. I. betrieb experimentelle Landwirtschaft; der Verlag Rodale Press, den beide gemeinsam gegründet haben, ist vor allem durch Magazine wie Organic Gardening und die Gesundheitszeitschrift Prevention bekannt.

Damals beeindruckte mich Bob Rodale als ein Mensch, der auf ungewöhnliche Weise im Einklang mit der Welt war. In unserem Interview fragte ich ihn, ob er nach so vielen Jahren an vorderster Front der Biobewegung in den USA nicht enttäuscht sei, dass sich die gegnerische Agroindustrie mit ihrer Philosophie durchsetzte — immer weniger Bauern, immer größere Betriebe, immer mehr Automatisierung und Chemie in der Landwirtschaft. Er sagte, das sei er nicht, und in fünf Jahren würden wir in jedem durchschnittlichen Supermarkt Lebensmittel aus biologischem Anbau finden. Natürlich zeigte sich, dass er recht hatte; heute haben viele Lebensmittelläden in den USA — und weltweit — Bioabteilungen. In Europa beteiligen sich manche Supermarktketten sogar am Verkauf von Bioprodukten aus der Region.

Ehe ich sein Institut verließ, bemerkte Bob, dass ein paar Meilen weiter ein anderer ökologischer Geist erkennbar sei; dort werde intensiv Getreidemonokultur betrieben. Sein eigener biologischer Garten mit seiner großen Vielfalt an Feldfrüchten, gepaart mit Blumen und anderen Pflanzen, die auf natürliche Weise Schädlinge fernhielten, hatte eine harmonische Wirkung. Auf dem Rückweg in die Stadt, zwischen Getreidefeldern, die sich nach allen Seiten weit ausdehnten, war das Gefühl dann in der Tat nicht das gleiche, und es war gewiss nicht besser.

Rodale hatte viel von seinem Vater gelernt, der ein Pionier war, und für sich entdeckt, dass es Wahrheiten über die Umwelt gibt, die zu Harmonie, Ausgewogenheit, Integration und Ganzheit führen. Aber es ging nicht nur darum, den Boden zu verbessern; es ging auch um persönliches Wachstum. Anerkennend schrieb er: „Ich werde J. I. Rodale immer in Erinnerung behalten, nicht nur als meinen Vater, sondern als einen Menschen, der mich lehrte, mich als organische Person zu sehen, die versucht, in der Natur zu leben, immer bestrebt, die Umwelt zu verbessern, aber auch, mich selbst zu verbessern.“

„Ich glaube, dass viele der wirtschaftlichen Kräfte innerhalb des modernen Gemeinwesens im Hinblick auf die Harmonie mit dem Land pathogen sind.“— ALDO LEOPOLD, ROUND RIVER (1993)

Rodale ging in seinem Denken noch weiter; aus dem Konzept der organischen Person entwickelte er das der regenerativen Person. Er begann, weit zu reisen, und erkannte, dass sich Menschen durch eine richtige Beziehung zum Land und zur Natur regenerieren konnten. Regenerative Nahrungsmittelproduktion könnte seinen Erfahrungen zufolge dazu führen, dass „Menschen gemeinsam daran arbeiten, sich selbst und ihre Welt zu verbessern“.

Bob Rodales ungewöhnliche Ruhe an jenem Tag in Pennsylvania kam mir wieder eindringlich in den Sinn, als ich drei Monate nach unserem Interview erfuhr, dass er bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. Er war nach Russland gereist, hatte dort einen Vertrag unterzeichnet, um den Start einer Zeitschrift für Bauern und Gärtner zu unterstützen, und verunglückte auf dem Weg zurück zum Moskauer Flughafen.

Sein Sohn Anthony schrieb, dass sein Vater kurz vor seinem Tod in die vierte Phase seines Lebens eingetreten war — die spirituelle Phase. Obgleich Bob, wie er mir in unserem Interview sagte, nicht in einem konventionellen Sinn religiös war, haben einige der Praktiken und Prinzipien, die er entdeckte, eindeutig spirituelle Bezüge. Anthony schrieb über seinen Vater und seinen Großvater: „Ihre Stärke kam aus einem Verständnis, einer Liebe und Achtung für den Boden und für die Natur selbst.“

BEGRÜNDER DES MODERNEN WILDTIERMANAGEMENTS

Die Werte, die diese Einstellung zu Land und Natur lehrt, erinnern an einen anderen Naturschützer des 20. Jahrhunderts: Aldo Leopold. Leopolds Werk A Sand County Almanac (1949) nahm unter den Umweltbüchern des vergangenen Jahrhunderts einen herausragenden Platz ein. Es gilt als ebenso wichtig wie Rachel Carsons Silent Spring und verzeichnet diese denkwürdige Aussage: „Wir missbrauchen Land, weil wir es als Wirtschaftsgut ansehen, das uns gehört. Wenn wir Land als eine Gemeinschaft ansehen, zu der wir gehören, können wir beginnen, es mit Liebe und Achtung zu nutzen.“ Leopold war Professor für Wildmanagement an der University of Wisconsin in Madison und gilt als Begründer des Wildtiermanagements in den USA. Sein Interesse an der Natur brachte ihn zu der Erkenntnis, dass der Umgang des Menschen mit ihr aus einer Perspektive des Beherrschers zu Schwierigkeiten für beide Seiten führt. Er schrieb: „Etwas ist richtig, wenn es die Tendenz hat, die Integrität, Stabilität und Schönheit der Gemeinschaft des Lebens zu bewahren. Es ist falsch, wenn es eine andere Tendenz hat.“ Es geht um richtigen und falschen Gebrauch. Richtiger Gebrauch bringt gute Ergebnisse für alle. Falscher Gebrauch ist Missbrauch.

„Unsere noch verbliebenen unberührten Gebiete werden dem Charakter und der Gesundheit der Nation größere Werte bringen als ihrer Brieftasche; und sie zu vernichten bedeutet zuzugeben, dass die letzteren Werte die einzigen sind, die uns interessieren.“ — ALDO LEOPOLD, A PLEA FOR WILDERNESS HUNTING GROUNDS (1925), WIEDERVERÖFFENTLICHT IN ALDO LEOPOLD’S SOUTHWEST (1990)

Was Rodale über regenerative Beziehungen erkannte, war auch Leopold längst bewusst. Als ich den Almanac kürzlich wieder las, fiel mir auf, dass Leopolds Weisheit über Liebe und Achtung im Umgang mit Land ebenso dafür gilt, wie wir Menschen miteinander umgehen. Wenn wir begreifen, dass niemand unser Besitz ist, unser Wirtschaftsgut, dann können wir beginnen, auch unsere Mitmenschen mit Liebe und Achtung zu behandeln.

ALTERNATIVE WIRTSCHAFT

Ein anderes Buch, das mir die Augen öffnete, ist Small Is Beautiful: Economics as if People Mattered (1973) von E. F. Schumacher (deutsch Klein ist fein. Die Rückkehr zum menschlichen Maß. Alternativen für Wirtschaft und Technik, Reinbek 1977/Heidelberg 2001). Zwanzig Jahre nach seinem Erscheinen wurde es im „Literary Supplement“ der Londoner Times als eines der hundert einflussreichsten Bücher der Nachkriegszeit genannt. Es beginnt mit einem Zitat von Aldo Leopold über die Notwendigkeit, Technik „sanfter und objektiver“ einzusetzen.

Zusätzlich zu seiner langjährigen Laufbahn als angesehener Wirtschaftswissenschaftler war Schumacher ein starker Befürworter von „Technik und Wirtschaft nach Menschenmaß“ und Mitglied — im Jahr 1970 auch Präsident — der Soil Association, einer der ältesten britischen Organisationen für biologische Landwirtschaft. (Und es überrascht nicht, dass es auch eine Zusammenarbeit der Familie Rodale mit der Soil Association gab.) Er liebte und demonstrierte weltweit die vielen kleinen und großen nützlichen Erfindungen einer „angepassten mittleren Technologie“, reparaturfreundlich und ökoeffizient, aber auch menschenfreundlich (e-f-schumacher-gesellschaft.de/cms/upload/pdf/wir_ueber_schumacher.pdf).

„Kleine Betriebe sind, wie zahlreich sie auch sein mögen, immer weniger umweltschädlich als große, einfach weil ihre jeweilige Kraft gegenüber den Selbstheilungskräften der Natur klein ist.“ — E. F. SCHUMACHER, SMALL IS BEAUTIFUL (1973)

Doch Schumacher war nicht von Anfang an ein alternativer Denker. Als Sohn eines deutschen Professors für Volkswirtschaftslehre wurde er 1930 Rhodes-Stipendiat am New College in Oxford und blieb während der Nazizeit in England. Er war Protegé des Ökonomen John Maynard Keynes (siehe „John Maynard Keynes — der Retter des Kapitalismus?in Vision vom Frühjahr 2006), arbeitete auch mit John Kenneth Galbraith zusammen und half nach dem Krieg, die Wirtschaft Deutschlands neu aufzubauen.

Später schrieb er kritisch über Galbraiths Denken und die Bereitschaft seines Mentors Keynes, von einem System zu profitieren, das, wie dieser selbst einräumte, unmoralisch war. Als die Welt 1930 unter der Großen Depression wankte, hatte Keynes spekuliert, dass eines Tages weltweiter Wohlstand herrschen werde. Schumacher zitierte ihn mit den Worten: „Noch mindestens hundert Jahre müssen wir uns und allen anderen vormachen, dass das Anständige falsch und das Unredliche richtig ist. Denn das Unredliche ist nützlich, das Anständige nicht. Habgier, Wucher und Absicherung müssen noch für eine Weile unsere Götter bleiben. Nur sie können uns aus dem Tunnel wirtschaftlicher Notwendigkeiten in das Tageslicht hinausführen.“ Über diese Denkweise fällte Schumacher in Small Is Beautiful ein vernichtendes Urteil: „Wenn menschliche Laster wie Habgier und Neid systematisch kultiviert werden, ist das unvermeidliche Ergebnis nichts Geringeres als der Zusammenbruch der Intelligenz.“ Er wusste, dass das unablässige Streben nach materiellen Dingen sowohl die Menschen als auch ihre Umwelt zerstört. Die Kapazität der Erde, Wachstum zu tragen, ist nicht grenzenlos, und die moralische Entwicklung der Menschheit darf nicht ignoriert werden. Schumacher fuhr fort: „Es gibt einen revolutionären Ausspruch, der lautet: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, sondern von jedem Wort, das aus dem Munde Gottes geht.“

1973 war Schumacher auf seiner spirituellen Reise über den Buddhismus zum Katholizismus gekommen. Es überrascht nicht, dass er auf diesem Weg die berühmte Schrift Buddhist Economics verfasste („Produktion aus lokalen Ressourcen für den lokalen Bedarf ist die rationalste Weise des Wirtschaftens“) und sich offen zu seinem Glauben an biblische Wahrheiten bekannte. Er schrieb: „Wir müssen noch immer lernen, in Frieden zu leben — nicht nur mit unseren Mitmenschen, sondern auch mit der Natur und vor allem mit jenen höheren Mächten, die die Natur geschaffen haben und uns geschaffen haben; denn mit Sicherheit sind wir nicht durch Zufall entstanden, und sicher haben wir uns nicht selbst geschaffen.“

Schumacher starb plötzlich im Jahr 1977, und seine Tochter Barbara Wood-Schumacher führte die Lebensaufgabe nach seinem Tod weiter. 2001 erschien ihre Fortsetzung zum Werk des Vaters mit dem Titel Small Is Still Beautiful.

BAUER UND PROPHETISCHE STIMME

Viele Sorgen der bisher genannten alternativen Denker kommen auch in den Werken des zeitgenössischen US-amerikanischen Schriftstellers Wendell Berry zur Sprache. Er bezeichnet sich als Farmer aus Kentucky, obgleich er darüber hinaus ein renommierter Autor von Essays, Gedichten und Romanen ist. Eines seiner Hauptthemen ist der globale Kult der Größe und das Unbehagen, das er verursacht. Er steht natürlich in Zusammenhang mit dem Wachstum industrialisierter Lösungen und der Entwicklung von Technologien, die diesem Wachstum dienen. Zwar geht es in vielen Werken Berrys um ökologische Anliegen, doch umfassen seine Analysen das Menschsein in einem weiteren Sinn und wie die Menschen Gesundheit und Frieden wiedererlangen können.

„Wenn unsere persönliche Verbindung zu dem, was falsch ist, klar wird, dann müssen wir uns entscheiden: Wir können weitermachen wie bisher, unsere Unehrlichkeit erkennen und mit ihr leben, so gut es geht, oder wir können beginnen, uns zu bemühen, unser Denken und unser Leben zu ändern.“— WENDELL BERRY, THE UNSETTLING OF AMERICA (1977)

In einem Buch, das ich Anfang der 1980er-Jahre entdeckte, fordert Berry seine Leser auf, darüber nachzudenken, dass das Verschwinden der bäuerlichen Agrikultur einfach eine Parallele zum Schwund der Kultur selbst sei. Er nimmt damit unsere Faszination für die Zukunft als erreichbarem Paradies aufs Korn:

„Alle unsere Gerätschaften — Autos, Traktoren, Küchengeräte und so weiter — wurden vom modernen Denken stets als etwas wahrgenommen, das in einer Art Fortschritt oder auf einer Pilgerreise zu seiner künftigen Form ist. Das Auto-der-Zukunft, die Küche-der-Zukunft, das Klassenzimmer-der-Zukunft sind seit langem präsenter in unseren Vorstellungen, Plänen und Wünschen als die Versionen, die wir jetzt haben können. Wir haben vor langer Zeit den Wunsch aufgegeben, Dinge zu besitzen, die angemessen oder sogar hervorragend sind; stattdessen wollen wir Dinge haben, die auf dem neuesten Stand sind. Auf dem neuesten Stand zu sein ist allerdings eine Ambition mit eingebauter Panik: Unsere Besitztümer können nur für einen Augenblick auf dem neuesten Stand sein — es sei denn, wir könnten die Zeit anhalten oder sie irgendwie überholen. Die einzige Möglichkeit, zufrieden zu sein, ist jetzt in seinem zukünftigen Auto zu fahren“ (The Unsettling of America: Culture & Agriculture).

Als ich Ende der 1980er-Jahre an Berry schrieb und ihn um ein Interview bat, antwortete er höflich — in Form einer mit Bleistift geschriebenen Notiz auf Papier ohne Briefkopf — , er glaube nicht, dass Fernsehen sein Medium sei. Damals hatte ich gerade einen seiner Essays gelesen, in dem er sich fragte, ob sein Einsatz einer Motorsäge gerechtfertigt sei (er pflügte damals gerade ein Stück Land, auf dem zuvor Tagebau betrieben worden war, mit einem Pferdegespann statt einem Traktor).

Dreißig Jahre nach seinem Buch über Kultur und Agrikultur plagen Berry noch immer viele der damaligen Sorgen und die Probleme, die durch die globale „Ordnung“ entstehen. Anders ist nur, dass es um die Natur jetzt noch schlechter bestellt ist. Was sich nicht verändert hat, sind die spirituellen Grundsätze und die biblischen Aussagen, die seinem Rezept für Heilung zugrunde liegen. Er schreibt: „Die meisten wichtigen Gesetze für die menschliche Lebensführung sind wahrscheinlich religiösen Ursprungs — Gesetze wie diese: Sei barmherzig, sei versöhnlich, liebe deinen Nächsten, sei gastfreundlich zu Fremden, sei gut zu anderen Geschöpfen, kümmere dich um die Hilflosen, liebe deine Feinde. Kurz, wir müssen andere Menschen und andere Geschöpfe lieben und uns um sie kümmern. Ausnahmen dürfen wir nicht machen. Die Pflicht jedes Menschen gegenüber der Schöpfung ist in zwei Worten von Genesis 2, 15 zusammengefasst: bebauen und bewahren.“ Es fasziniert mich, dass er das geistliche Gesetz als Basis des rechten Gebrauchs versteht.

BIBLISCHE BASIS

Vor vierzig Jahren, ehe ich auch nur eines der hier genannten Werke gelesen oder ein Fernsehinterview über Umweltthemen durchgeführt hatte, wurde ich als Student mit biologischem Garten- und Ackerbau bekannt gemacht. In Großbritannien hatte ich das Privileg, Agronomie zu studieren und als Gärtner und Komposter mit Menschen zusammenzuarbeiten, die der biologischen Tradition verbunden waren. Daher meine Affinität zu den bisher zitierten Autoren.

Doch das war nicht alles: Die Menschen, von denen ich lernte, taten, was sie taten, weil ihr Wirken eine biblische Basis hatte. Das Ackerbauprogramm sah zum Beispiel ein Sabbatjahr vor — ein Jahr Ruhe für das Land, jedes siebte Jahr. Dies ist ein ökologisches Gesetz, das vor langer Zeit eingeführt wurde. Außerdem erfordert es Glauben, bewusst weder zu pflanzen noch zu ernten, mit nichts als der Verheißung, dass es im sechsten Jahr genug Nahrung für das siebte und achte Jahr geben wird. In 3. Mose (Levitikus), Kapitel 25 sind das Gesetz und die verheißenen Vorteile klar dargelegt.

Wie Berry erwähnte, gibt es biblische Gebote, die uns Schonung und Pflege der Umwelt, Liebe zum Land, Ausgewogenheit, Harmonie und persönliches Wachstum abverlangen. Mit dem Befehl an Adam, den Garten, in den Gott ihn gesetzt hatte, zu bebauen und zu bewahren, zitiert Berry eines der ersten ökologischen Prinzipien in der Bibel. Es ist bedeutsam, dass dieses Buch von den Ursprüngen des Menschen etwas über unsere Beziehung zu unserer natürlichen Umwelt aussagt. Die hebräischen Wörter für bebauen (abad) und bewahren (schamar) bedeuten auch bearbeiten und hüten, kultivieren und beschützen. Etwas wie ausbeuten und ruinieren klingt darin absolut nicht an. Der häufig zitierte Vers 1. Mose 1, 26, der besagt, dass dem Menschen die Herrschaft über die ganze Schöpfung in die Hand gegeben wurde, meint eine wohltätige Führung, nicht eine herrische oder tyrannische. Sie soll mit Fürsorge und Liebe und Weisheit ausgeübt werden.

Am Ende des sechstägigen Schöpfungswerkes heißt es: „Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut“ (1. Mose 1, 31; Schriftstellenzitate aus der Lutherbibel 1984, falls nicht anders angegeben). Es ist nicht nur gut, wie an anderen Schöpfungstagen, sondern sehr gut. Menschen meinen allzu oft, die Natur habe es nötig, durch menschliches Eingreifen verbessert zu werden, doch Gott sagte, dass seine Schöpfung bereits sehr gut sei.

Der Apostel Paulus erklärt: „Denn Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird seit der Schöpfung der Welt ersehen aus seinen Werken“ (Römer 1, 20). Mit anderen Worten: Denen, die es sehen wollen, bezeugt die Natur um uns die Existenz und das Schöpfungswerk Gottes. Doch nicht alle wollen es sehen, und so fügt Paulus hinzu, dass es Menschen gibt, „die Gottes Wahrheit in Lüge verkehrt und das Geschöpf verehrt und ihm gedient haben statt dem Schöpfer, der gelobt ist in Ewigkeit“ (Römer 1, 25). Sie sehen die Natur, aber sie machen sie zum Idol und ignorieren ihren Schöpfer.

Doch als Gott die ersten Menschen in einen Garten setzte, wusste er, dass in der Gemeinschaft mit der Natur etwas ist, das uns guttut. Wir gehören zu einer geschaffenen Biosphäre mit wechselseitigen Abhängigkeiten und wechselseitigem Nutzen. Viele Menschen erkennen das. Die junge Jüdin Anne Frank schrieb in dem geheimen Zimmer in Holland, wo sie sich vor den Nazis versteckte: „Für jeden, der Angst hat, einsam oder unglücklich ist, ist es bestimmt das beste Mittel, hinauszugehen, irgendwohin, wo er ganz allein ist, allein mit dem Himmel, der Natur und Gott. Dann erst, nur dann, fühlt man, dass alles so ist, wie es sein soll, und dass Gott die Menschen in der einfachen und schönen Natur glücklich sehen will. […] Ich glaube bestimmt, dass die Natur so vieles Leid erleichtert.“

Im Bericht der Genesis (1. Mose) ist auch die Zeit von großer Bedeutung. Gott begründete den Sabbat für die Menschen, indem er am siebten Tage ruht. Dies signalisiert, dass ein wöchentlicher Ruhetag für das menschliche Wohlbefinden notwendig ist. Wie die Natur um uns funktionieren wir innerhalb von Grenzen — nach Tages-, Wochen-, Monats- und Jahreszyklen oder -zeiten. Ein Mensch braucht neun Monate, bis er reif ist, geboren zu werden. Eine Zeder braucht 80 Jahre, bis sie reif ist; erst dann nimmt sie ihre typische Form an. Land, auf dem Nahrungsmittel angebaut werden, alle sieben Jahre ruhen zu lassen, entspricht dem, was das Land braucht, um sich wieder zu verjüngen. Schonung und Nachhaltigkeit sind unverzichtbare Elemente einer verantwortungsvollen Beziehung zur Schöpfung, die vom Gesetz der Liebe geleitet wird.

Die vor Kurzem erschienene Green Bible (HarperCollins) ist ein willkommener Neuzugang neben all den anderen erhältlichen Versionen. Sie enthält sieben einführende Artikel und auch eines von Wendell Berrys Sabbath Poems. Jeder Vers mit ökologischem Bezug ist in dieser Bibel grün gedruckt; es ist überraschend, wie viele grüne Verse es sind.

In den prophetischen Teilen der Bibel gibt es einige verblüffende Passagen, die zeigen, dass Gott sich nicht von seiner Fürsorge für die Umwelt zurückgezogen hat, trotz allem, was Menschen ihr seit dem ersten Mann und der ersten Frau angetan haben, und dass er uns das noch zeigen wird. Ein Beispiel ist das Urteil über die, die der Erde Schaden zugefügt haben: Im Buch Offenbarung kommt die Zeit, „zu vernichten, die die Erde vernichten“ (11, 18). Paulus schreibt, dass die Schöpfung mit Seufzen auf die Befreiung wartet, die mit der Wiederkunft Christi kommen wird (Römer 8, 19–22). Und der Apostel Petrus schreibt von jenem Tag als „der Zeit, in der alles wiedergebracht wird, wovon Gott geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten von Anbeginn“ (Apostelgeschichte 3, 21) — und das heißt auch all das, was der Mensch heruntergewirtschaftet hat.

Ist Gott ein Grüner? Nicht in einem menschlich-politischen oder materiellen Sinn. Doch wenn wir von der richtigen Weise sprechen, zu leben und die Natur zu behandeln, dann hat er einen Weg gezeigt, der auf Liebe und Fürsorge, Achtung und Pflege, Nähren und Pflegen beruht — jetzt, als Vorbereitung auf eine volle Wiederherstellung, die noch kommen wird.

DAVID HULME


AUSGEWÄHLTE QUELLEN

1 Wendell Berry, The Unsettling of America: Culture & Agriculture (1977). 2 Wendell Berry, „Two Minds“ in Citizenship Papers (2003). 3 J. Matthew Bonzo und Michael R. Stevens, Wendell Berry and the Cultivation of Life: A Reader’s Guide (2008). 4 Aldo Leopold, A Sand County Almanac (1949).
5 Joseph Pearce, Small Is Still Beautiful (2001). 6 Anthony Rodale, „Robert Rodale: A Retrospective, 1930–1990“ unter www.seedsofchange.com (2009). 7 E. F. Schumacher, Small Is Beautiful: Economics as if People Mattered (1973).

Dieser Artikel erschien im Original in der englischsprachigen Printausgabe von Vision vom Herbst 2009 (Jahrgang 11, No. 4) und findet sich auch auf der deutschsprachigen Webseite des Magazins.

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