Die mittelalterlichen Dörfer Rio und Grassera

Graphische Rekonstruktion eines Stücks von Grassera mit dem Monte Giove im Hintergrund

Die mittelalterlichen Dörfer Rio und Grassera lagen an den Südhängen des Monte Strega und des Monte Serra. Von ihrer erhöhten Position aus überblickten ihre Bewohner die reichen Erzvorkommen, die sich der Ostküste der Insel entlang ziehen. Beide Dörfer blühten dank des Abbaus der Eisenader und in ihrer Geschichte waren die Geschehnisse im Zusammenhang mit den Bergwerken und der Kontrolle der Fördertätigkeiten sowohl durch die Stadt Pisa als auch durch andere konkurrierende Mächte entscheidend.

Monte Giove, Rio Marina (Photo Credits: Valentina Caffieri)

Während des Mittelalters dehnte sich die Gemeinde von Rio Richtung Küste aus und gliederte das Territorium der in neuerer Zeit entstandenen Gemeinschaft von Rio Marina ein. Das Dorf kontrollierte nun sowohl das Bergwerkgebiet als auch die dahinter liegenden Hügel, die damals dicht mit Wald bedeckt waren. Weitere natürliche Ressourcen bildeten die Wasserläufe und die Serpentinfelsen, die als „Schmelzmittel“ verwendet werden konnten, d.h., um die für die Erzreduktion nötige Temperatur zu senken. Solche Ressourcen waren für die Beherrscher dieses Gebiets sehr wichtig und wurden streng überwacht, wie es zum Beispiel aus den Statuten von Rio (Statuta Rivi) ersichtlich ist, die das Holzfällen und das Ableiten von Wasserläufen verboten.

In den Bergwerken arbeitete man ursprünglich saisonal: Die Bergarbeiter konnten so abwechselnd im Bergwerk arbeiten und sich um die Versorgung der Familien mit Nahrung kümmern. Als aber die Pisaner auf eine größere Eisenproduktion drängten, blieben die Bergwerke das ganze Jahr über in Betrieb und immer mehr Weizen wurde vom Festland importiert, um die Bevölkerung mit ihrem Hauptnahrungsmittel zu versorgen.

Das Dorf Rio besteht aus einem kompakten, gut befestigten Kern mit einem Mauersystem, einem Tor und einer Kirchenburg. Hinter dem Dorf, gegen Nordwesten, befindet sich die Festung Volterraio, in der die Bevölkerung von Rio während der Piratenüberfälle Schutz gesucht haben soll. Gleichermaßen benutzten die Bewohner von Grassera die Burg von Torre del Giove als Fluchtort, wenn die Insel geplündert wurde. Beide Festungen enthalten heute Gebäude aus späterer Zeit, doch wahrscheinlich gehörten sie ursprünglich zum pisanischen Küsten-Verteidigungssystem.