Shared Leadership — Ideen für erfolgreiche gemeinsame Führungsarbeit

Erkenntnisse aus unserem Workshop bei der XING New Work Session im November 2017. Von Julia Straub und Sören Krüger.

Foto: Teamwork and friendship / @rawpixel, unsplash.com

Am 15. November 2017 fand in den Design Offices in Berlin eine XING New Work Session zum Thema „Transparenz in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft“ statt. Wir waren auch mit dabei und haben einen Workshop zu Shared Leadership angeboten. Gemeinsam mit den Teilnehmer*innen haben wir die Herausforderungen von mehr Transparenz für Führungskräfte und Teams diskutiert und Ideen entwickelt, wie Teams an diesen Herausforderungen gemeinsam wachsen können. Die wichtigsten Erkenntnisse des Workshops haben wir hier dokumentiert.

Shared Leadership bedeutet für uns: gemeinsame Führungsarbeit

In unserer Session-Einführung haben wir Shared Leadership als gemeinsame Führungsarbeit in Teams vorgestellt. Dabei kann Shared Leadership verschiedene Ausprägungen haben — grob differenziert:

  • „Reinform“: Die Teammitglieder sind selbstverantwortlich und treffen ihre Entscheidungen selbstständig. Das Team agiert entlang gemeinsam definierter Rollen autark und ohne klassische Führungsspitze.
  • „Annäherung“: Die Teammitglieder werden von der Führungskraft umfänglich informiert, um selbstständig agieren zu können. Die Führungskraft selbst handelt als „primus inter pares“ und übernimmt bestimmte Aufgaben für das Team, z.B. Reporting, Entscheidung bei Parität, Austausch mit dem Management, etc.

Ob Reinform oder Annäherung: Bei Shared Leadership geht es in unserem Verständnis um die Zusammenarbeit und gemeinsame Führungsarbeit eines Teams — und nicht um das Ausüben einer Führungsfunktion durch mehrere Personen (Job-Sharing).

Chancen und Herausforderungen von Shared Leadership

Im ersten Teil des Workshops haben wir über Chancen und Herausforderungen von Shared Leadership gesprochen — und zwar aus Mitarbeiter*innen-Perspektive und aus Führungskräfte-Perspektive.

Mitarbeiter*innen-Perspektive

Shared Leadership ermöglicht es Mitarbeiter*innen, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen und so bessere Ergebnisse zu erzielen.

Chancen von Shared Leadership aus Mitarbeiter*innen-Perspektive

Voraussetzung für die gemeinsame Führungsarbeit im Team ist ein gemeinsam entwickeltes Selbstverständnis, das allen im Team Orientierung bietet (Team Purpose). Ist dieses vorhanden, bietet Shared Leadership das Potenzial, im Team schneller zu besseren Ergebnissen zu kommen und nachvollziehbare Entscheidungen zu treffen. Dadurch steigert die Verbindlichkeit der gemeinsamen Arbeitsergebnisse und führt im besten Falle zu mehr Motivation im Team. Darüber hinaus bietet gemeinsame Führungsarbeit die Chance zur persönlichen und fachlichen Weiterentwicklung, da sie bewusst auf flexible Rollenverständnisse setzt und den Teammitgliedern so ermöglicht, wechselnde Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu übernehmen.

Shared Leadership bedeutet für Mitarbeiter*innen auch, Unsicherheit auszuhalten und Neues zu lernen.

Herausforderungen von Shared Leadership aus Mitarbeiter*innen-Perspektive

Gemeinsame Verantwortungsübernahme ist keine Selbstverständlichkeit, sie muss gelernt und geübt werden. Shared Leadership erfordert ein hohes Maß an Veränderungsbereitschaft auf Teamebene, weil einige Fragen zu klären sind:

  • Sind alle bereit, bisherige Routinen zu hinterfragen und Neues auszuprobieren?
  • Reichen unsere Fähigkeiten aus, um gemeinsame Führungsarbeit zu leisten — oder brauchen wir Unterstützung?
  • Wie identifizieren wir die Stärken der einzelnen Teammitglieder und setzen sie bestmöglich ein?
  • Vertrauen wir uns gegenseitig, um Verantwortung abzugeben und loszulassen?
  • Wie gelingt es uns, dass jede/r Verantwortung für das Team übernimmt, ohne sich dabei zu verausgaben? (Verantwortung für sich selbst wahrnehmen)

Um diese Fragen zu klären, braucht es Mut und Offenheit im Team und die Bereitschaft, im Laufe der Zeit immer wieder in die gemeinsame Reflexion der Zusammenarbeit zu gehen.

Führungskräfte-Perspektive

Führungskräfte können sich und ihre Teams durch Shared Leadership weiterentwickeln.

Chancen von Shared Leadership aus Führungskräfte-Perspektive

Für Führungskräfte bietet Shared Leadership vor allem die Möglichkeit, sich selbst und das Team weiterzuentwickeln. Gemeinsame Verantwortungsübernahme kann zu mehr Spaß an der Zusammenarbeit und damit zu mehr Motivation im Team führen. Zudem kann sie effizientere und bessere Ergebnisse mit sich bringen. Für die Führungskraft bedeutet das: mehr Zeit für wertschöpfende Tätigkeiten, weil viele klassische „Management-Aufgaben“ wegfallen. Zudem bringt gemeinsame Führungsarbeit Entlastung für die Führungskraft, da das Team bei der Lösung von komplexen Problemen auf die „kollektive Intelligenz“ aller Beteiligten zurückgreift und nicht die Führungskraft alleine gefordert ist.

Führungskräfte stehen vor der Herausforderung, nicht nur das Team sondern auch sich selbst für die Weiterentwicklung zu begeistern.

Herausforderungen von Shared Leadership aus Führungskräfte-Perspektive

Auch für Führungskräfte ist gemeinsame Führungsarbeit mit einem hohen Maß an Unsicherheit verbunden. Dabei stellen sich zum Beispiel folgende Fragen:

  • Welche Rolle werde ich künftig haben?
  • Bin ich noch wichtig für das Team?
  • Wie motiviere ich meine Mitarbeiter für die Veränderung?
  • Was mache ich, wenn meine Mitarbeiter den Weg nicht mitgehen wollen?
  • Wie schaffe ich es, meine eignen Muster zu hinterfragen?

Hinzu kommt oft, dass klassische Führungs-Skills an Stellenwert verlieren und neue Kompetenzen und Fähigkeiten gefragt sind. Führungskräfte müssen somit selbst viel Unsicherheit aushalten, um den Mehrwert von Shared Leadership erleben zu können.

Ideen, um den Herausforderungen von Shared Leadership zu begegnen

Im Workshop haben wir im Anschluss an die Diskussion der Chancen und Herausforderungen in einer kurzen Sprint-Session erste Ideen gesammelt, wie der Weg zu mehr Shared Leadership in Teams gelingen kann. Die Teilnehmer*innen haben ihre Ideen in Form von Prototypen dargestellt (siehe Fotos). Ziel war, die Grundidee darzustellen. Sie hatten dafür knapp zehn Minuten Zeit.

Idee 1: The Power of Connection

Ein Team beschäftigte sich mit der Frage „Wie erkläre ich als Führungskraft meinem Team, was ich mit Shared Leadership vorhabe?“ Der Prototyp “The Power of Connection” unterstützt Führungskräfte dabei, die Beziehungen innerhalb von Teams nachhaltig zu stärken. Die Idee: Umso intensiver die Beziehungen in Gruppen sind, desto eher werden Unsicherheiten artikuliert und Missverständnisse ausgeräumt — und desto leichter fällt das Ausprobieren neuer Ansätze wie Shared Leadership. Dabei setzt die Idee auf dem Enabling-Gedanken auf und schafft durch unterschiedliche Angebote Anreize für mehr wertstiftende Kommunikation. Dazu gehören zum Beispiel Weiterbildungen für das Team, Online-Angebote wie eLearning, aber auch Team-Coachings und Mentoring-Ansätze. Ein digitaler Kummerkasten greift Sorgen und Ängste auf, die in face-to-face-Meetings anschließend besprochen werden können.

Idee 2: Stärken gemeinsam weiterentwickeln

Das zweite Team beschäftigte sich mit der Frage „Wie identifizieren wir die Stärken der/des Einzelnen, um mit Shared Leadership unsere Potenziale entfalten können?“ Als erste Lösungsidee entwickelte die Gruppe einen Ansatz, der Fremd- und Selbsteinschätzung durch unterschiedliche Interventionen miteinander verbindet. So werden unter anderem Interviews mit den Mitarbeiter*innen, aber auch Gespräche mit den Kolleg*innen geführt. Ergänzt werden diese Ansätze um Rollenspiele und interaktive Elemente, in denen neue Stärken und Skills entdeckt werden können. Wichtig ist im Prozess, dass Erfahrungen, Erfolge und Skills regelmäßig reflektiert werden. So wird die Weiterentwicklung des Einzelnen für alle greifbar und in der Rollen-Aufteilung berücksichtigt.

Idee 3: Teams zum Fliegen bringen

Team 3 beschäftigte sich mit der Frage, wie es Teams gelingen kann, dass jede/r Verantwortung übernimmt. Herausgekommen ist ein Werkzeugkasten, der auf unterschiedlichen Ebenen darauf hinwirkt, dass Teams gemeinsam und verantwortlich agieren. So sollten beispielsweise Entscheidungen im Team transparent gemacht werden, um so zusammen für deren Umsetzung einzutreten. Ein weiterer Anknüpfungspunkt ist das Fördern einer Lernkultur, in der Fehler konstruktiv analysiert werden, um gemeinsam aus ihnen zu lernen. Erste Maßnahmen zur Umsetzung könnten zum Beispiel Trainings oder Team-Workshops sein, in denen sich das Team besser kennenlernt und so Vertrauen aufbaut.

Wir danken allen Teilnehmer*innen unserer Session für die engagierte Mitarbeit und freuen uns auf den weiteren Austausch zu Shared Leadership!

Julia hat den Ansatz von Shared Leadership direkt nach unserem Workshop noch einmal vor der XING-Kamera erklärt — zum Video.