Mediale Selbstbestimmung ist schon lange Normalität! Wann zieht die Werbung nach?

Mediale Selbstbestimmung macht Spaß: Auf Nachfrage spielt Alexa die letzte Zusammenfassung der Nachrichten ab. Interessante Online-Artikel aus den diversen Webseiten oder Feeds werden mit einem Click bei Pocket zu meinem individuellen Magazin zusammengestellt — wann, wo und auf welchem Gerät gelesen wird, bleibt mir überlassen (auch offline). Unterwegs höre ich meine individuelle Podcast Playlist oder ein Hörbuch. Und was Unterhaltung angeht — seien es Filme, Bücher, Serien oder Musik — bestimme ich längst selbst, wo und wann ich welche Inhalte konsumiere.

Die Möglichkeiten der medialen Selbstbestimmung haben sich in den letzten Jahren deutlich verbessert.

Media-Inhalte aller Art - was ich wann und wo konsumiere, entscheide ich

Wie sieht die Selbstbestimmung in der Werbung aus?

Immer schon konnte ich Werbeanzeigen überblättern oder sobald ein Werbeblock begann die Medienkanäle um- oder ausschalten.

Mit der Hilfe von AdBlockern, kann ich Banner und andere Werbeformate auf Webseiten unterbinden.

Gegen eine Gebühr an die Streaming-Dienste (Netflix, Spotify, AmazonPrime und auch AppleTV) gehe ich der Werbung gleich vollkommen aus dem Weg.

YouTube erlaubt es mir (oft), die Werbung nach 5 Sekunden zu überspringen. Facebook, Instagram und Twitter erlauben das Überspringen noch sehr viel schneller– nämlich genau in der Zeit, die es dauert, die Werbung in meinem Feed weg zu scrollen.

Mit Hilfe von Technologie und Daten arbeiten viele Unternehmen daran, die Werbung gezielt auf Basis meiner Interessen und meines Verhalten auszuspielen und damit die Relevanz der Werbebotschaften für mich persönlich zu erhöhen (Stichworte Targeting und Retargeting). Doch die Praxis zeigt, dass die Algorithmen nie so gut wie ich selbst wissen, ob in dem Moment der Inhalt der Werbung zu mir passt. Denn ob und welche Werbung mir gezeigt wird, kann ich weiterhin nicht eigenständig beeinflussen.

Geht es auch anders?

Möchte ich werbliche Selbstbestimmung über das Blockieren und Verweigern von Werbung hinaus ausüben, dann finde ich wenige Alternativen, die mir erlauben zu entscheiden welche Werbung ich anschauen möchte.

Gibt es werbetreibende Unternehmen, die auf mich, mit meinem Mangel an Zeit und Aufmerksamkeit, Rücksicht nehmen wollen und die eine andere werbliche Ansprache als den werblichen intrusiven Dauerbeschuss suchen? (Mehr dazu hier zu lesen “Ein Werbemittel-Kontakt ist noch keine Kommunikation”)

Gute Inhalte und Dienste sind mir wertvoll. Für viele der oben erwähnten Dienste zahle ich gerne Beiträge bzw. mir ist bewusst, dass diese nicht kostenlos zu entwickeln, erstellen und vertreiben sind. Die Zahl der Menschen, die ähnlich denken ist in den letzten Jahren gestiegen aber immer noch springen zu viele Menschen an den digitalen Bezahlschranken/Paywalls ab und somit bleibt für viele Anbieter von Inhalten und Diensten die Werbung eine relevante Einnahmequelle.

Ich habe mein Leben lang dem System bestehend aus Verlagen/Medienhäusern, werbetreibenden Unternehmen und mir zugestimmt und daran teilgenommen. Solange die Zeitung dank der Anzeigen für mich erschwinglich war, nahm ich diese gerne in Kauf. So auch die Werbeblocks im TV und Hörfunk. Ich nahm die Werbung allerdings auch nur „in Kauf“.

Und es ist zu viel Werbung geworden. Viel zu oft an zu vielen Stellen. Deshalb setze ich meine eingeschränkten Möglichkeiten der werblichen Selbstbestimmung oft ein.

Bei Welect, das ich gemeinsam mit meinem Partner Philipp Dommers betreibe, schaffen wir neue Selbstbestimmung in der Werbung:

Photography by Ryan McGuire @BellsDesign https://gratisography.com/

Ich als Nutzer werde gefragt, ob ich bereit bin, Werbung zu konsumieren. Und wenn ja entscheide ich, welche Werbung mich in diesem Moment interessiert.

Außerdem kann ich jederzeit die Werbung beenden. Dem Werbetreibenden entstehen dann keine Kosten.

Mir als Nutzer eröffnen sich neue Alternativen der werblichen Selbstbestimmung, welche ich aus meinem medialen Nutzerverhalten längst kenne und zu schätzen gelernt habe.

Fazit

Meine Zeit und Aufmerksamkeit ist ein knappes Gut und es ist seitens der Werbeindustrie ein Zeichen von Respekt, rücksichtsvoll mit diesem knappen Gut umzugehen.

Das weiß ich als Nutzer zu schätzen und belohne diesen Respekt mit meiner Aufmerksamkeit. Und meine Aufmerksamkeit zu wecken ist der fundamentale erste Schritt damit die Werbung bei mir eine Wirkung erzeugt.

Hoffentlich bewegt das viele Verantwortliche, mir die neuen Möglichkeiten der werblichen Selbstbestimmung zu ermöglichen.