Nicht nur im Glauben ganz nah
Unser Bischof Friedhelm ist endlich in Krakau! Gemeinsam mit unserer Pilgergruppe machte er sich am Mittwoch auf den deutschen Pilgerweg, um im Sanktuarium der Göttlichen Barmherzigkeit eine Vesper zu feiern. Auch tausende Pilger aus den anderen deutschen Bistümern waren mit dabei. Doch schon auf dem Weg zur ersten Station des Pilgerweges, dem Sanktuarium des heiligen Papst Johannes Paul II., fiel uns auf: Allein unter Deutschen ist man hier auf dem WELTjugendtag in Krakau Gott sei Dank nie!

Von überall drangen Fangesänge, Lieder und Jubelrufe anderer Pilgergruppen an unsere Ohren. So sind zum Beispiel allein aus Italien knapp 80.000 Jugendliche und junge Erwachsene angereist. Sie haben vor Beginn des deutschen Pilgerwegs auf dem Hügel etwas außerhalb von Krakau gemeinsam gefeiert und gebetet. Und schon die Vortage lehrten uns: Wenn diese fröhliche Nation einmal dabei ist, will sie auch nicht mehr aufhören. Also ließen wir uns von der guten Stimmung der Italiener mitreißen, schwammen durch die tanzende Masse der Brasilianer und klatschten den ein oder anderen Jubelruf der Franzosen einfach mit.
Voll Euphorie erreichten wir die Endstation des Pilgerwegs: Schnell, schnell rein in die heilige Gedenkstätte, die an Schwester Faustyna und ihre Vision der Barmherzigkeit Jesu erinnert. Obwohl die Feier aufgrund des italienischen Ansturms bereits um eine Dreiviertelstunde verschoben wurde, wurden wir unserer deutschen Pünktlichkeit nur in letzter Sekunde gerecht. Wir stürmten in die Basilika und liefen erstmal gegen eine Wand. Nein, keine Wand aus Mauerwerk und Stein — viel mehr eine Wand aus Kohlenstoffdioxid. Denn auch ein so großes Sanktuarium hat für die tausenden jungen Gläubigen einfach nicht genug Plätze.

Doch was soll’s: Wir wollten ja nicht diesen vielversprechenden Abend verpassen. Irgendwo auf dem Boden im Mittelgang fanden die knapp 70 Unterfranken noch Platz. Gemeinsam mit den anderen deutschen Bistümern feierten wir eine bewegende Vesper — und waren den anderen Pilgern dabei ganz wörtlich nicht nur im Glauben sehr nah. Trotz des fehlenden Sauerstoffs hatten aber alle noch genug Luft, am Ende die Weltjugendtagshymne und gleichzeitig allgegenwärtigen Ohrwurm “Selig die Barmherzigen” mit zitternden Stimmbändern mitzusingen. Danach galt es, möglichst zügig einen Platz in den überfüllten Straßenbahnen und Zügen zu ergattern. Wobei “zügig” in Krakau relativ ist. Aber das ist vielleicht gut für unseren deutschen Drang, immer pünktlich zu sein. Krakau schult die Gelassenheit!

