Regen? Was ist das?

Blau, gelb, rot: Krakau kennt an diesem Nachmittag nur noch drei Farben. Foto: Antonia Schlosser

Um 15.30 Uhr verwandelt sich Krakau in ein Meer aus blauen, roten und gelben Punkten. Überall stecken die Pilger in ihren Regenponchos, die sie zusammen mit ihrem Pilgerrucksack erhalten haben. Kurz bevor alle zur Blonia-Wiese im Zentrum Krakaus pilgern wollen, hat es kräftig zu regnen begonnen. Zudem nähert sich ein Gewitter. Die Pilger nehmen es gelassen: Singen kann man ja trotzdem. Und wer sein Cape vergessen hat, improvisiert eben einfach mit gelben Säcken.

Das Ziel der vielen jungen Christen an diesem Nachmittag ist die Blonia-Wiese im Zentrum Krakaus. Dort wird Kardinal Stanislaw Dziwisz, Erzbischof von Krakau, mit ihnen den großen Eröffnungsgottesdienst zum diesjährigen Weltjugendtag feiern. Der Ort ist übrigens nicht zufällig gewählt: Papst Johannes Paul II., der berühmte Sohn der Stadt, wurde allein acht Mal auf eben jener Wiese begrüßt.

Absolutes Ohrwurmpotential hat die diesjährige WJT-Hymne “Selig die Barmherzigen”. Wer abends im Bett liegt und die Melodie nicht summt, kann eigentlich nicht in Krakau sein. Es gibt kaum eine Ecke, an der das Lied nicht gesungen wird. Gänsehaut kommt zusätzlich auf, wenn es Tausende singen — oder 200.000 wie beim Eröffnungsgottesdienst. Da kann es regnen und gewittern, das juckt dann wirklich niemanden mehr. Zumal der Gesang ungeahnte Kraft hatte: Pünktlich zum Gottesdienst hörte es auf zu regnen.

Regen? Uns doch egal! Foto: Antonia Schlosser

Die Teilnehmer aus Unterfranken haben wie viele andere nun auch den ersten Tag in Krakau hinter sich. Die Nacht im Zelt war erholsam, manch einer meint sogar, das Feldbett sei bequemer als das Bett zuhause. ;-) Die Wege in die Stadt sind zwar nicht unbedingt immer einfach — Züge und Busse platzen oft aus allen Nähten — aber die Laune lässt sich davon niemand verderben. Jedes Großevent erfordert nun mal ein Mindestmaß an Improvisation, das gilt auch für den Weltjugendtag. Lustig ist es trotzdem, sind sich die meisten einig. Und vor allem schön: Tausende Jugendliche sind nach Krakau gekommen, um gemeinsam ihren Glauben zu feiern.

One clap, two clap, three clap, forty?

By clapping more or less, you can signal to us which stories really stand out.