Ein paar Gedanken zum Hörspiel Esperanto”

[Al la artikolo en Esperanto]

Zunächst zur Handlung des Hörspiels „Esperanto“ von Lucas Derycke: Tatsächlich sind es zwei abwechselnd und parallel dargebotene Handlungen. Handlung A: In einem Flüchtlingslager in Griechenland kommen zwei neue zeitweilige Helferinnen an: Hanna aus Deutschland und Jasmin aus Belgien (sie studiert in Deutschland). Sie beginnen, Flüchtlingen, ausgehend von Englisch, Esperanto zu unterrichten, weil einige der Flüchtlinge um mehr Aktivitäten baten. Die Frauen versuchen, mit Flüchtlingen auch Arabisch zu sprechen, aber eine Autoritätsperson unter den Helfern besteht darauf, dass im Lager Englisch gesprochen wird, damit ein Abstand zu den Flüchtlingen bleibt und damit andere Helfer, die nicht Arabisch sprechen, sich nicht zweitrangig fühlen. Jasmin ist damit unzufrieden, beendet ihre Tätigkeit in dem Lager und reist zur Grenze nach Mazedonien und schließt sich Aktivisten an, die bei illegalen Grenzüberquerungen helfen. — Handlung B: Ein Erzähler skizziert die Geschichte des Esperanto und dessen Rolle in seinem Leben (unter anderem gastierten zwei junge Frauen bei ihm, als sie unterwegs nach Griechenland waren). Er erläutert auch Ido und den Raumismus, ohne Letzteren allerdings namentlich zu erwähnen.

Nach meiner Einschätzung wird dieses Hörspiel der Gemeinschaft der Esperanto-Sprecher kaum dahingehend nutzen, dass sie neue Anhänger gewinnt. Ich versuche, das unter 1. und 2. zu erläutern, und ich gehe unter 3. näher auf das „kaum” ein:

  1. Angenommen dass der Hörer bereits Esperanto nutzt oder zumindest von Vorteilen aus der Nutzung weiß. Dann bringt ihm das Hörspiel nichts Neues über die gegenwärtige tatsächliche Situation des Esperanto. Im besten Fall wird er in der besagten Gemeinschaft trotz des im Hörspiel durchklingenden Pessimismus bleiben; Beispiel: Flüchtlinge fragen die Lehrerin, ob in Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Schweden, Dänemark und Spanien Esperanto gesprochen wird. Zunächst gibt es keine Antwort; dann erklärt sie, dass es dort Leute gibt, die es sprechen, und dass es eine Extra-Sprache ist; und schließlich räumt sie ein, dass man in diesen Ländern nicht wirklich mit den Einheimischen in Esperanto sprechen kann.
  2. Angenommen dass ein Hörer Esperanto noch nicht kennt: Dann erfährt er zwar davon und vom potenziellen Nutzen, aber infolge des bereits erwähnten Pessimismus entsteht in dem Hörer wahrscheinlich der Eindruck, dass Esperanto eine unnütze Sache ist (außer zum Vermeiden von Langeweile). Daher wird sich der Hörer wahrscheinlich nicht mit Esperanto beschäftigen.
  3. Und jetzt zu dem „kaum“ (es spielt ja auf eine kleine Chance an): In der Handlung besteht eine Autoritätsperson auf das Englische als die im Lager zu verwendende Verkehrssprache. Das weckt bei manchen Hörern vielleicht ein Bewusstsein für die Ungerechtigkeit, die in Folgendem besteht: Die zu verwendende Verkehrssprache ist einigen Nationen zuordbar und daher nicht neutral. Und das könnte manche Hörer durchaus dazu veranlassen, sich mit Rechten bezüglich der Verwendung von Sprachen zu beschäftigen — und Esperanto zu unterstützen.

Hier Tweets von mir, automatisch aktualisiert mittels Integromat (aber nicht sehr oft):

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