Fünf Fakten über die Deutschen und ihr Vermögen.

Ab welchem Vermögen gehört man in Deutschland eigentlich zu den Reichen? Wie ungleich ist das Vermögen verteilt? Und wo liegt das Geld der reichsten Bundesbürger? Antworten gibt es jetzt im folgenden Artikel.

wevest AG
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May 23 · 7 min read
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Das mittlere Vermögen deutscher Haushalte ist zwischen 2014–2017 um 17 Prozent gewachsen

Würden wir vom ärmsten bis zum reichsten Deutschen laufen und in der Mitte stehen bleiben, so würde diese Person (Median) etwa 70.800 Euro an Nettovermögen (also abzgl. Schulden wie zum Beispiel Immobilienkredite) besitzen. Zu den Vermögenswerten gehören neben Immobilien, Fahrzeugen und eigenen Unternehmen auch Finanzvermögen (Guthaben auf Giro-, Tagesgeld -und Sparkonten), Aktien und Fondsanteile.

Warum schauen wir uns aber die mittlere Person, also den Median an? Ganz einfach. Dieser teilt Deutschland in eine ärmere und reichere Hälfte und ist weniger anfällig für Ausreißer als es ein einfacher Durchschnittswert wäre. Das durchschnittliche Netto-Vermögen der Deutschen liegt im Vergleich nämlich bei 232.800 Euro. Dieser Wert wird stark von den “sehr” Reichen beeinflusst und liefert somit bei der Einschätzung der Vermögensverteilung ein verzerrtes Ergebnis.

Positiv festzuhalten ist, dass sich das Vermögen des Medians zwischen 2014 und 2017 um +17 Prozent erhöht hat. Diese Entwicklung beruht zum Teil auf dem gestiegenen Einkommensniveau in der Bundesrepublik. Haushalte können folglich mehr sparen und müssen weniger fremdfinanzieren. Im selben Zeitraum ist das durchschnittliche Vermögen um 9 Prozent gestiegen, jedoch von einer höheren Basis ausgehend. Der Abstand zwischen Median und Durchschnitt hat sich so über die Jahre weiter vergrößert. Anders gesagt bedeutet es, dass die Kluft zwischen Arm und Reich größer geworden ist. Das beruht im Wesentlichen auf Wertzuwächsen im Immobilien- sowie auch im Aktienmarkt.

Diese Vermögenswerte finden sich interessanterweise eher bei reicheren Bürgern, sodass deren Wertanstieg der letzten Jahre bei diesem Teil der Bevölkerung einen höheren Einfluss auf das Vermögen hatte.

Ab 55–64 Jahren sinkt das Medianvermögen

Spannend ist zudem die Entwicklung nach Altersgruppen. Bis zum Alter von 55 bis 64 Jahren wächst das Medianvermögen an und nimmt danach ab. Das Einkommen nimmt jedoch bereits vorher ab.

Dass das Einkommen schon vorher sinkt, liegt laut Angaben der Deutschen Bundesbank an der Tatsache, dass viele Menschen bereits vor 65 in den Ruhestand gehen. Leider ist in der Untersuchung nicht näher aufgeführt, wie sich das Medianvermögen in der Altersgruppe ab 75 Jahren entwickelt. Haben die 65–74-jährigen noch ein Vermögen von rund 180.000 EUR, so besitzen die über 75-jährigen im Median nur noch die Hälfte. Das Thema Altersarmut dürfte hier eine große Rolle spielen. Dass die Ersparnisse oft schneller abschmelzen als vermutet, liegt vor allem daran, dass sowohl die Kosten für Pflege und Betreuung im Alter stetig steigen, als auch die Lebenserwartung immer länger wird. Für viele bedeutet dies eine böse Überraschung, wenn trotz eines langen Arbeitslebens die Ersparnisse für den Lebensabend nicht mehr ausreichen.

Weltweit ist Ungleichheit leicht gesunken, aber noch auf hohem Niveau

Die Welt ist so reich wie nie. Doch der Reichtum verschiebt sich, vor allem nach Asien. Gleichzeitig findet eine Umverteilung innerhalb der Länder statt. Deutschland schneidet dabei sehr schlecht ab.

Doch noch bedenklicher ist, dass parallel dazu die Vermögensverteilung innerhalb Deutschlands seit dem Jahr 2000 deutlich ungleicher geworden ist. Dies lässt sich an der Differenz des Durchschnitts- mit dem Median-Vermögen ablesen. Ist der Median wesentlich niedriger als der Durchschnittswert, dann bedeutet das, dass hohe Vermögen einiger weniger Menschen den geringen Vermögen Vieler gegenüberstehen.

Und genau dies ist in Deutschland der Fall. Das durchschnittliche Netto-Geldvermögen beträgt hierzulande 232.800 Euro, das Median-Netto-Geldvermögen dagegen gerade mal 70.800 Euro. Die Hälfte der Bevölkerung besitzt weniger als 70.800 Euro. Das entspricht einer Differenz von 162.000 Euro. Im Jahr 2010 betrug dieser Abstand nur 143.800 Euro.

Reiche investieren in Häuser, Aktien und Anteile an der eigenen Firma

Wer reich ist, besitzt im Normalfall Sachwerte — insbesondere Häuser oder Wohnungen. Von den reichsten 40 Prozent der Deutschen leben mehr als 80 Prozent in einer eigenen Immobilie. Betrachtet man die Gesamtverhältnisse so ergibt sich hier eine Besonderheit: Hierzulande wohnt nämlich nicht mal jeder Zweite in einer Immobilie, die ihm gehört.

Ein weiterer, signifikanter Teil großer Vermögen sind Anteile am eigenen Unternehmen. Von den reichsten zehn Prozent hält etwa jeder Dritte solche Anteile, während nur jeder 50ste von dem Fünftel mit dem niedrigsten Vermögen direkt an einer Firma beteiligt ist.

Auch Aktien sind bei den Reicheren deutlich mehr verbreitet. Von den oberen zehn Prozent hat mehr als jeder Dritte Aktien oder Fondsanteile. Das untere Vermögensfünftel besitzt weder das eine noch das andere.

Tagesgeld und Sparbuch mit Abstand beliebter als Aktien

Dass die Deutschen ein Volk von Aktienmuffeln sind, ist inzwischen bekannt. Das Deutsche Aktieninstitut veröffentlicht jedes Jahr Daten, die das belegen. So gab es 2017 zehn Millionen Bundesbürger, die Aktien direkt oder über Fonds besaßen. Zuletzt stiegen die Zahlen zwar, aber im internationalen Vergleich hinken die Deutschen weit hinterher. Nur jeder Sechste besitzt hierzulande Aktien. In der Schweiz, England, den USA oder Skandinavien ist es oft jeder Zweite.

Die folgende Infografik verdeutlicht die Auswirkung des Anlageverhaltens der Deutschen im internationalen Vergleich.

Ein aktueller Bundesbank-Bericht zeigt, wie sehr die Deutschen nach wie vor auf vermeintlich sichere Anlageprodukte vertrauen und Rendite-Möglichkeiten am Kapitalmarkt ungenutzt lassen. Auf dem Girokonto eines durchschnittlichen privaten Haushalts lagen zum Zeitpunkt der Studie zwischen März und Oktober 2017 rund 7.100 Euro (65 Prozent mehr als in 2014). Für diese Guthaben zahlen Banken in der Regel keine Zinsen. Das Geld verliert also durch die Inflation real an Wert. Die einzige Sicherheit, die Anleger demnach erhalten ist die eines Verlustes. Immerhin sanken die Einlagen auf Sparkonten, die zum Großteil auch negative Renditen abwerfen, leicht auf durchschnittlich 29.440 Euro pro privaten Haushalt.

Das durchschnittliche Aktienvermögen ist in der selben Periode um 13 Prozent auf 43.700 Euro gewachsen, also deutlich weniger als die Ersparnisse auf Girokonten. Das Wachstum bei den Aktien erscheint erst recht gering, wenn man sich vor Augen führt, dass er zu einem großen Teil von der positiven Entwicklung der Märkte getragen sein könnte.

Kurz zur Info: Der deutsche Leitindex DAX ist zwischen Ende Juni 2014 und Ende Juni 2017 um ca. 25 Prozent gestiegen.

Deutsche gehören zu den “armen Würstchen”

In Sachen Gesamt-Vermögen liegen die Deutschen im internationalen Vergleich keineswegs auf den ersten Plätzen, besonders im Vergleich mit anderen Industrieländern. Selbst unsere Nachbarn aus Österreich liegen mit einem durchschnittlichen Vermögen von 250.000 EUR vor uns. Von den US-Amerikanern, die umgerechnet durchschnittlich 625.000 Euro besitzen, ganz zu schweigen.

Dass die Deutschen hinterherhinken, hat viel mit Unterschieden in Vermögensanlage und in der Altersvorsorge zu tun. Beispiel Immobilienbesitz: Der Anteil derer, die in einer eigenen Immobilie wohnen, ist in Deutschland mit 44 Prozent relativ niedrig. In Österreich wohnen über 56 Prozent in einer eigenen Wohnung oder Haus, in Italien sogar 75 Prozent aller Haushalte.

Auch was die Rente angeht, gibt es enorme Unterschiede. In den USA etwa ist das Bewusstsein für private Vorsorge zusätzlich zur staatlichen Alterssicherung stärker ausgeprägt als hierzulande. Ein wesentliches Element sind Sparpläne, in die der Arbeitgeber einen Teil des monatlichen Bruttolohns einzahlt. Das Geld wird in der Regel über Fonds in Aktien angelegt.

Fazit

Das Nettovermögen der privaten Haushalte in Deutschland ist ungleich verteilt, der Median im internationalen Vergleich niedrig und das Anlageverhalten eher konservativ. Anlegergruppen, die stärker auf Sachwerte wie Immobilien und Unternehmensbeteiligungen setzen, profitieren von regelmäßigen Zusatzerträgen und Wertsteigerungen. So entkommen sie der „kalten Enteignung“ durch die Inflation. Die Studien der Deutschen Bundesbank belegen, dass breite Bevölkerungsschichten diese Chancen nicht nutzen. Dabei ist heutzutage mit einem ETF Portfolio wie dem wevest Allwetter-ETF-Portfolio ein solider Vermögensaufbau sehr kostengünstig und komfortabel umzusetzen.


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Über den Autor

Björn Siegismund, CIO

Björn Siegismund ist unser Chief Investment Officer und federführend an der Weiterentwicklung der Investment-Strategie unserer digitalen Vermögensverwaltung

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