Finanzierung von Familienunternehmen. Warum Digitalisierung nur eine von vielen Hürden ist.

Laut einer Studie des Stuttgarter Instituts für Familienunternehmen erzielten die 1.000 größten familiengeführten Unternehmen in Deutschland einen Umsatz von 1.200 Milliarden Euro in 2017 (+5,6% zu 2016). Das sind 3,4% mehr als das preisbereinigte Wachstum des deutschen Bruttoinlandprodukts (+2,2% in 2017). Diesen Zahlen zufolge könnte man meinen, den deutschen Familienunternehmen ginge es sehr gut. Das stimmt — zumindest aktuell noch. Lesen Sie weiter und erfahren Sie warum.

Das Rückgrat der deutschen Volkswirtschaft. Warum ist einfach erklärt.

Die Bedeutung von Familienunternehmen wird am besten anhand konkreter Zahlen dargestellt. Aus der nachfolgenden Grafik lässt sich ganz leicht ableiten, dass große Familienunternehmen (>50 Mio. EUR Umsatz) lediglich 0,1% aller Unternehmen in Deutschland ausmachen. Jetzt wird es richtig spannend: Diese 0,1% machen dafür 23% des Gesamtumsatzes aller Unternehmen aus und beschäftigen darüber hinaus 21% aller Beschäftigten.

Um als “groß” zu gelten, muss ein Familienunternehmen in mindestens einem der Jahre 2011 bis 2014 einen Jahresumsatz von 50 Mio. EUR und mehr erwirtschaftet haben.

Darüber hinaus konnten diese Unternehmen in den vergangenen Jahren ihr Wachstum stetig steigern, sogar stärker als das BIP-Wachstum in Deutschland. Während dieses zwischen 2013 und 2017 bei durchschnittlich 3,6% lag, konnten große Familienunternehmen ihre Umsätze mit einer durchschnittlichen Wachstumsrate von 4,1% anziehen.

Betrachtet man ohne Einschränkung nach Größenordnung familienkontrollierte Unternehmen in Deutschland, so wird man feststellen, dass ungefähr jeder zweite Beschäftigte in einer solchen Gesellschaft arbeitet.

Deren Bedeutung für die Volkswirtschaft ist enorm. Auch die Abhängigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung vom Fortbestehen dieser Unternehmen ist signifikant. Angesichts unterschiedlicher Herausforderungen, die sich aus steigendem Wettbewerb, Digitalisierung oder Nachfolgeproblematiken ergeben, müssen bereits heute Grundlagen für die Sicherung dieser Lebenswerke geschaffen werden.

Steigende Eigenkapitalbasis und weniger Schulden.

In einer Studie aus 2018 von Euler Hermes und Roland Berger wurden über 700 deutsche Familienunternehmen untersucht. Dabei lieferte die Analyse der Finanzierungsstruktur interessante Resultate:

Die durchschnittliche Eigenkapitalquote familiengeführter Unternehmen ist um 7,0% höher als die von Nicht-Familienunternehmen. Die Bevorzugung von Eigen- gegenüber Fremdkapital unterstreicht die höhere Risikoaversion bei der Steuerung der Kapitalstruktur.

23% aller in der Studie erfassten großen Familienunternehmen haben keine Verbindlichkeiten bei Banken. Dies kann als ein Zeichen für einen aktuellen Investitionsstau bei wesentlichen langfristigen Investitionen gedeutet werden und nachhaltig die Wachstumsdynamik bremsen.

Dabei ist die Eigenkapitalausstattung von Familienunternehmen in den vergangenen Jahren sogar noch angestiegen.

Wesentlicher Treiber für diese Entwicklung ist die nachlassende Bedeutung der traditionellen Finanzierung über Banken, die zunehmend strengeren Regulierungsvorschriften unterliegen. Dadurch dass Familienunternehmen Banken selten detaillierte Einblicke in ihre Geschäftsbücher gewähren, sind deren Fremdkapitalkosten überdurchschnittlich hoch. Seitens der Gläubiger steigt nämlich das wahrgenommene Risiko. Und Unsicherheit will belohnt werden.

„Die meisten Familienunternehmen benötigen in den kommenden Jahren hohe Investitionen in Innovationen und Digitalisierung. Sie haben zwar eine solide Kapitalstruktur und aktuell großen finanziellen Spielraum. Doch mit den jetzt geplanten Investitionen stoßen auch sie an ihre Grenzen. Dadurch steigt ihr Interesse an einer Zusammenarbeit mit Kapitalgebern. Banken und Investoren mit maßgeschneiderten und wachstumsorientierten Finanzierungslösungen bieten jetzt gute Einstiegschancen in einem attraktiven Markt“ (Matthias Holzamer, Partner von Roland Berger.)

Neben der traditionellen Finanzierung über die Hausbank bieten Private Equity Investoren für bestimmte Finanzierungen eine sinnvolle Alternative um den erhöhten Finanzierungsbedarf zu decken. Vielen Familien ist der Gang zur Hausbank aktuell noch lieber, denn dadurch vermeiden sie die Abgabe umfangreicher Kontroll- und Steuerungsrechte, die von Finanzinvestoren ausgeübt werden können.

Andererseits verbessert die Beteiligung externer Investoren üblicherweise aber auch die Fähigkeiten des leitenden Managements und den Professionalisierungsgrad in der Unternehmensführung. Dies hat angesichts der in den kommenden Jahren anstehenden großen Herausforderungen eine hohe Relevanz.

Digitalisierung

Eine in 2016 von der KfW durchgeführte Studie hat festgestellt, dass der Mittelstand im Bereich Digitalisierung großen Nachholbedarf hat. Fast ein Drittel aller KMU befinden sich heute noch im Anfangsstadium. Eine digitale Strategie haben lediglich 22% aller Unternehmen. Die KfW gelangt zum Schluss, dass während ein Drittel aller Unternehmen zu Mitläufern der Digitalisierung gehören, nur jedes fünfte mittelständische Unternehmen Vorreiter ist.

Viele Investitionen in dem Bereich bewegen sich auf einem bescheidenen Niveau. 17% der Unternehmen haben im Untersuchungszeitraum der Studie überhaupt keine Investitionen in digitale Strategien getätigt. Bei etwa 46% lag das Investitionsvolumen unter 10.000 Euro. Nur fünf Prozent führten Projekte mit über 100.000 Euro Volumen durch. Es verwundert demnach kaum, dass viele Projekte aus laufenden Umsätzen finanziert werden. Bankkredite, privates Risikokapital oder Private Equity sind bislang eher die Ausnahme als die Regel. Das könnte sich jedoch schnell ändern.

Eine Symbiose zwischen Finanzierungs- und Digitalisierungsstrategie muss her. Ohne abgestimmtes Zusammenspiel ist im Zeitalter der digitalen Transformation nachhaltiger Erfolg nicht möglich.

Nachfolge gesucht.

Der FC Bayern sucht einen Nachfolger für Herrn Rummenigge, Deutschland sucht einen Nachfolger für Frau Merkel und auch für James Bond ist noch keine geeignete Lösung gefunden worden. Die Nachfolgeproblematik betrifft aktuell auch ganz stark Familienunternehmen.

Der demographische Wandel zieht nicht an ihnen vorbei. Über 20.000 Unternehmen werden pro Jahr in Deutschland an einen Nachfolger übergeben — die Mehrheit davon aus Altersgründen. Dabei ist der Fortbestand im Wesentlichen an den Erfolg der Übergabe geknüpft.

Bis zum Jahr 2022 stehen etwa 150.000 Übertragungen von deutschen Firmen an. Diese haben häufig eine Veränderung der Kapitalstruktur zur Folge. Externe Investoren tendieren zu weniger konservativen Führungsmethoden und sind geneigter schuldenfinanzierte Investitionen vorzunehmen.

An die Nachfolgefrage ist eine interessante Besonderheit geknüpft. Je näher der Zeitpunkt der geplanten Übergabe bzw. des Verkaufs rückt, desto seltener werden Investitionsprojekte ausgeführt. Steht die Nachfolge innerhalb der nächsten fünf Jahren an, so liegt die Bereitschaft für neue Investitionen bei durchschnittlich 41%. Soll die geplante Nachfolge mehr als fünf Jahre in der Zukunft stattfinden, so erhöht sich diese Bereitschaft um durchschnittlich 15% auf 56 % . Das ist ein deutliches Plus. Soll der Betrieb komplett stillgelegt werden so sinkt die Investitionsbereitschaft besonders stark (auf etwa 30 %).

Herausforderungen bleiben. Lösungen gesucht.

Die Herausforderungen, mit welchen sich familiengeführte Unternehmen aktuell konfrontiert sehen, verlangen zeitnahe Lösungen. Eine davon kann der Umstieg auf digitale Lösungen sein. Crowdfinancing-Plattformen wie kapilendo bieten beispielsweise bereits heute bewährte Lösungen um zeit- und kosteneffizient an Wachstums- oder Betriebsmittelfinanzierungen zu kommen — alles ohne den unbequemen Weg zur Bank.

Bei der Suche nach Nachfolgelösungen können digitale Plattformen, die darauf ausgerichtet sind, Unternehmer und Investoren zu verknüpfen relevante und bequeme Alternativen zu traditionellen Hausbank-Lösungen bieten. Die regionale Verflochtenheit vieler Unternehmen überträgt sich meistens auch auf das angesprochene Suchnetzwerk. Das schränkt Potentiale ein und kann im Zweifel zu ineffizienten Entscheidungen führen.

Auch die Unternehmerplattform der wevest Digital AG dient genau diesem Zweck: Die regionale Beschränktheit vieler Unternehmen aufzulösen, Suchkosten zu senken und bestehende Informationsasymmetrien abzubauen.

Im Mittelpunkt des Leistungsangebots steht die Vermittlung von Unternehmenstransaktionen, Kapitalerhöhungen und Finanzierungen zwischen flexiblen, kapitalstarken Investoren und mittelständischen Unternehmen. Auf der Basis unseres innovativen, digitalen Matchmaking-Ansatz treffen kapitalstarke, flexible Investoren bei wevest auf Top-Unternehmen außerhalb ihres heute existierenden Radars und umgekehrt.

Dadurch sollen unternehmerische Erfolge wieder möglich gemacht und Lebenswerke gesichert werden.


Jens Siebert, CEO der wevest Digital AG

Jens Siebert ist CEO der wevest Digital AG und verantwortet in dieser Position die strategische Weiterentwicklung des Unternehmens. Vom Berater bei KPMG in Berlin über den Bundesverband der Deutschen Volks- und Raiffeisenbanken kam er zu wevest.


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