Warum in Kryptowerte investieren?

Seit Anfang 2019 zieht der Bitcoin Preis wieder an. Über 120% Rendite konnten glückliche Anleger bislang erzielen. Das vergangenen Jahr 2018 war jedoch ein absolutes Debakel für private Anleger. Warum generell Kryptowerte als Anlageklasse insbesondere für HNWIs und Family Offices spannend bleiben, erfahren Sie im folgenden Artikel.

wevest AG
wevest AG
May 29 · 7 min read

Warum Hochvermögende digital anlegen

Das weltweite Vermögen von HNWIs (High-Net-Worth-Individual, bezeichnet eine Person mit einem investierbaren Vermögen von mindestens 1 Million US-Dollar) wird in den kommenden Jahren auf 83 Billionen US-Dollar anwachsen. Zum Vergleich: 2016 lag es noch bei 65 Billionen US-Dollar.

Der Markt befindet sich im Wandel. Da aktuell etwa 32 Prozent der Kunden nicht mehr in das traditionelle Angebotsraster im Wealth Management passen, sind viele Anbieter auf der Suche nach alternativen Anlagen. Insgesamt fordern ihre Kunden verstärkt digitale Lösungen mit einer persönlichen Komponente (sog. Hybride Wealth Management Lösungen) und eine stärkere Orientierung an persönlichen Bedürfnissen.

Aus Produktsicht interessieren sich gemäß einer Studie der Unternehmensberatung Capgemini 29% aller HNWIs für Kryptowährungen. Der Markt sei insbesondere für die jüngere und technik-affine Generation spannend und wird globale Anlagestrategien nachhaltig beeinflussen.

Auch andere alternative Anlagen wie Crowdfinancing, Crowdinvesting oder Security Token gewinnen immer mehr an Attraktivität für private und auch institutionelle Investoren, die Ihre Portfolien ausbauen möchten, um neue Ertragsquellen zu erschließen und Risiken noch stärker zu verteilen.

In den folgenden Abschnitten werden wir einmal näher untersuchen, was genau den Reiz an der Anlageklasse Kryptowerte für HNWIs und Family Offices ausmacht.

Konservative Anleger treffen auf Kryptowerte

Obwohl Family Offices und traditionelle Vermögensverwalter als relativ konservative Anleger gelten, können auch sie die Vorzüge von Kryptowerten als Finanzprodukte nicht ignorieren.

Das wachsende Angebot an Investment-Vehikeln in der Krypto Szene versucht gerade dieser Nachfrage nachzukommen. In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Krypto Zertifikate und Fonds aufgesetzt und emittiert, die gezielt institutionellen Anlegern den Markt schmackhaft machen wollen. Der Trend, kleine Bestandteile an Kryptowährungen in die Portfolien wohlhabender Investoren zu integrieren, läuft weiterhin an. Ob sich Fonds-Lösungen durchsetzen werden, ist jedoch auch aufgrund der hohen Gebühren ungewiss.

Anfang 2019 haben wir in einer Umfrage mit Kunden und privaten Investoren (79 Befragte) eine positive Einstellung gegenüber Krypto-Investments identifizieren können. 90% der Teilenehmer würden Kryptowerte in ihr Portfolio aufnehmen. Etwa jeder Dritte würde sogar über 10% seines Gesamtportfolios auf diese Asset Klasse umschichten.

n=79; private Investoren und interessierte Anleger; Umfrage zum Thema Blockchain und Token Economy im Februar 2019 von der wevest Digital AG durchgeführt

Exkurs: Kryptowerte sind mehr als Bitcoin

Bevor wir uns mit Investments in Kryptowerten beschäftigen ist eine Einordnung im Ökosystem sinnvoll. Die Bundesanstalt für
Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat dazu eine hervorragende Vorlage zur Klassifizierung von Kryptowerten bzw. Kryptotoken geliefert. In der folgenden Grafik lässt sich leicht feststellen, dass Kryptowährungen nur eine Teilmenge von Kryptowerten sind. Eine große Teilmenge natürlich, wenn man berücksichtigt, dass Bitcoin etwa 56% Anteil des gesamten Marktvolumens ausmacht (Stand: 29.05.2019; coinmarketcap.com).

Die unterschiedlichen Klassen unterscheiden sich fundamental voneinander und müssen bei einer Bewertung strikt voneinander getrennt werden. Im Folgenden wagen wir dennoch den Spagat, die neuen Kryptowerte zusammen zu betrachten und die besondere Beliebtheit bei HNWIs und Family Offices zu beleuchten.

3 Gründe für Investments in Kryptowerte

Es gibt viele Gründe, die für ein Investment in Kryptowerten sprechen. Hier haben wir die 3 wichtigsten für Sie zusammengefasst.

Geringe Korrelation mit Aktienmärkten und anderen Anlageklassen

Aus einer finanzwissenschaftlichen Perspektive ist die niedrige oder sogar negative Korrelation zwischen traditionellen Anlageklassen wie Aktien, Anleihen oder Rohstoffen mit Kryptowerten sehr spannend. Es existiert derzeit kaum eine Anlageklasse, die ähnlichen Charakteristika wie z.B. Kryptowährungen als Teilkategorie von Kryptowerten aufweist. Ein geringerer Korrelationskoeffizient erlaubt es Anlegern effizientere Portfolios hinsichtlich des Risiko-Rendite Profils zu konstruieren.

Je näher der Korrelationskoefizient an der 0 oder sogar negativ ist, desto interessanter wird es zur Bildung eines effizienten Portfolios. Alle Kryptowährungen haben einen Korrelationskoeffizient mit etablierten Asset Klassen, der sich aktuell um den Nullpunkt (+-0,2) bewegt.

In einer Studie aus 2017 wurde die Korrelation zwischen Kryptowährungen (Bitcoin) und anderen Asset Klassen untersucht. Die Ergebnisse zeigen, dass alle traditionellen Asset Klassen wenig mit Bitcoin korreliert sind. Zur Diversifikation sind die vielversprechenden Ergebnisse ein Argument für die Aufnahme in ein breit gestreutes Portfolio. Allerdings ist auch zu berücksichtigen, dass der Markt für Kryptowährungen immer noch ein sehr junger ist. Es ist nicht auszuschließen, dass sich mit einem Reifeprozess auch die Korrelation ändern wird, insbesondere wenn zunehmend Anlegergelder in den Markt fließen.

Bitcoin as an investment class: Radboud Universiteit Nijmegen — Study

Diversifikation ist das einzige “free lunch” beim Investieren

Vielleicht haben Sie schon etwas von Markowitz’s Portfolio Theorie gehört. Als eine der einflussreichsten Theorien über Investments wird sie immer noch von professionellen Portfolio-Managern zur Minimierung von Investment-Risiken angewandt. Einfach gesagt:

“Lege nicht all deine Eier in einen Korb”

Im Optimal-Fall soll das Risiko eines Portfolios minimiert werden ohne Abschläge an der Rendite hinnehmen zu müssen.

Investoren können ihr Risiko/Rendite Profil verbessern, indem sie ihre Investments nicht auf wenige, einzelne Anlagen verteilen. Damit wird in der Fachsprache das unsystematische bzw. idiosynkratische Risiko (unternehmensspezifische) reduziert.

Ein Beispiel: Stellen Sie sich einmal vor, Sie investieren in ein Badehosen Unternehmen. Im Sommer steigt die Aktie des Unternehmens aufgrund der hohen Umsätze und gestiegenen Rentabilität an. Im Winter kehrt sich der Verlauf jedoch um. Sie sind nämlich dem unternehmensspezifischen Risiko der Saisonalität ausgesetzt. Angenommen Sie teilen Ihr Investment jedoch auf und investieren 50% Ihres Geldes in ein Wintersport Unternehmen. So kompensieren sich die Verluste des Badehosen Unternehmens im Winter mit den Anteilen am dann saisonal starken Wintersport Unternehmen. Dieses zugegebenermaßen einfache Beispiel soll Ihnen die Grundzüge von Diversifikation aufzeigen. Es bestehen natürlich weiterhin Risiken, die Sie auch mit einem breit diversifizierten Portfolio nicht beeinflussen können (z. B. Einbruch der Wirtschaft).

Family Offices und HNWIs verfügen meist über breiter gestreute Portfolien. Allerdings ist in den letzten Jahren ein zunehmender Gleichlauf von traditionellen Anlageklassen zu beobachten. Daher ist die Suche nach echten Alternativen groß. Die Allokation ist natürlich abhängig vom individuellen Risikoprofil und Anlagezielen der Anleger. Einige Family Offices fangen heute bereits an, Teile der Vermögen ihrer Kunden in Kryptowerten anzulegen, um Testergebnisse für längerfristige Strategien zu gewinnen.

Kryptowährungen in das Portfolio aufzunehmen ist für viele der erste Schritt. Im zweiten Schritt muss der Fokus auf eine Diversifikation innerhalb der Kryptowerte gelegt werden. Hier gehen wir davon aus, dass ein ausreichender Diversifikations-Effekt bei 10–15 Kryptowerten erreicht werden kann. Eine Auswahl kann z. B. nach Parametern wie Art der Kryptowerte (Währung, Utility, Zugangstoken etc.), Netzwerkssicherheit, Handelbarkeit und Liquidität erfolgen.

Eine Aufteilung des Investments in verschiedene Kryptowerte bringt mehrere Vorteile mit sich. Aufgrund des aktuell frühen Stadiums dieser Anlageklasse ist es derzeit unmöglich abzuschätzen, welche Technologien sich künftig durchsetzen werden und welche nicht. Damit man nicht auf das falsche Pferd setzt, ist es sinnvoll in mehrere, unterschiedliche Kryptowerte zu allokieren.

Alternativen gesucht

Gemäß dem Wealth Report von Capgemini konnten die Vermögensverwalter in 2018 das von ihnen gemanagte Vermögen um 27,4% steigern. Während Aktien weiterhin die attraktivste Anlageklasse bleibt, stellt sich vielen Verwaltern und Investoren die Frage nach weiteren spannenden Anlageklassen um weiterhin stabile Erträge für ihre Kunden erzielen zu können.

Die aktuelle Börsenstimmung wird von politischen Faktoren stark beeinflusst und wir bewegen uns seit einiger Zeit in einer Seitwärtsbewegung der Märkte, die jederzeit in eine Korrektur münden kann, wie es Anleger weltweit im Herbst 2018 miterleben mussten. In Zeiten niedriger Zinsen ist es zudem schwer ein wirklich ausgeglichenes Portfolio aufzubauen.

Obwohl Family Offices und HNWIs als konservative Anleger gelten, haben jedoch auch sie das Ziel den Wert ihrer Kundengelder zu erhalten und die Inflation zu schlagen. Aktuelle Studienergebnisse der Universität Stanford zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit die Inflation zu schlagen mit einer kleinen Portion an Kryptowerten signifikant ansteigt.

Aufgrund eines asymmetrischen Risikoprofils sind Ausreißer-Renditen zudem keine Seltenheit. Renditen über 100% waren in den vergangenen Jahren nicht unüblich — so unglaublich dies für Außenstehende klingen mag. Investments sind auf einen Totalverlust begrenzt. Sie gleichen im Prinzip Optionen, bei denen das Gewinnpotential unbegrenzt und die Verluste limitiert sind.

Security Token als nächste attraktive Anlageklasse für Family Offices und HNWIs

Security Token gelten bereits heute bei vielen Experten als die neue Zukunft der Unternehmensfinanzierung. Einfache und kostengünstige Prozesse, die auf der Blockchain Technologie basieren, ermöglichen bereits kleinen und mittelgroßen Unternehmen einen effizienten Zugang zu externen Finanzierungsquellen.

Aus Anlegersicht eine erfreuliche Nachricht, den analog werden auch mehr Möglichkeiten zur Kapitalallokation geschaffen. Wurde früher etwa nur über komplexe und teure Private Equity Fonds in deutsche Unternehmen investiert, so wird sich dieser Markt zukünftig weiter öffnen und eine neue Klasse an Investoren an Bord holen.

Auch physische Vermögenswerte wie Oldtimer, Kunst, Wein und sonstige Luxusgüter werden in naher Zukunft einen enormen Demokratisierungs-Effekt erleben. Eigentumsrechte an diesen Vermögenswerten können nämlich bereits heute ohne großen technischen Aufwand digital als Token auf einer Blockchain abgebildet werden.

Dadurch, dass diese Rechte beliebig teilbar sind, werden diese Anlageklassen einem breiterem Publikum an privaten Anlegern zugänglich gemacht, die bislang aufgrund der hohen Eintritts-Hürden vom Luxusgüter-Markt isoliert wurden. Anstatt eines einzigen Oldtimers können Sie zukünftig Ihr Vermögen auch in mehrere Oldtimer, Kunst und sonstige Luxusgüter investieren.

Fazit von wevest

Kryptowerte als alternative Anlageklassen werden in naher Zukunft eine größere Rolle bei der Kapitalallokation spielen. Die Vorteile liegen auf der Hand: Bessere Diversifikation, kostengünstiger Zugang und attraktives Renditepotential.

Auch wir beschäftigen uns im Rahmen unseres wevest Blockchain Hubs mit der Entwicklung alternativer Anlagemöglichkeiten für Kunden unserer digitalen Vermögensverwaltung, für die das Thema Kryptowerte als neue Anlageklasse hoch spannend ist.

Über den Autor

Didier Goepfert verantwortet als Head of Product die Blockchain-Aktivitäten der wevest Digital AG. Didier hält einen MBA der ESMT Berlin und ist Guest Lecturer für FinTechs an der TU Berlin.

Das wevest Journal — Mehr Wissen, bessere Entscheidungen.

Investmentbanking für den Mittelstand — endlich richtig gedacht. Folge uns, wenn du an Updates über Geldanlage, Unternehmensfinanzierung und Banking Technologie interessiert bist.

wevest AG

Written by

wevest AG

We design the future of SME Financing. Learn more at https://wevest.de/

Das wevest Journal — Mehr Wissen, bessere Entscheidungen.

Investmentbanking für den Mittelstand — endlich richtig gedacht. Folge uns, wenn du an Updates über Geldanlage, Unternehmensfinanzierung und Banking Technologie interessiert bist.