wevest arbeitet an eigenem Blockchain Service auf der Grundlage von Security Tokens

Blockchain Technologie wird den Finanzsektor revolutionieren. Dessen sind sich die meisten Experten bewusst. Dabei spielen Security Tokens als Finanzierungsmöglichkeit für Unternehmen eine entscheidende Rolle. Aber auch Anlegern eröffnen sich neue Möglichkeiten.

I n den vergangenen zwei Jahren haben wir eine unglaubliche Entwicklung im Markt für Unternehmensfinanzierungen erlebt. Sogenannte Initial Token Offerings (ICOs), kurz ICOs, haben einen heftigen, wenn auch nur kurzlebigen Hype hinter sich.

Für Start-ups aus dem Blockchain Kosmos waren sie ein Finanzierungsmotor. Verschiedenste Blockchain-Projekte generierten und verkauften digitale Token (“Gutscheine”) oder Coins an häufig leichtgläubige Investoren. So konnten sie ihre Projekte ohne den mühsamen und hoch bürokratischen Weg über den traditionellen Kapitalmarkt finanzieren. Auch der Gang zu traditionellen Venture Capital Gesellschaften blieb ihnen erspart.

Im ersten Halbjahr 2018 waren 13 von etwa 200 Start-up-Finanzierungen in Deutschland ICOs. Weltweit haben ICO Emittenten in 2018 über 12 Milliarden US-Dollar eingesammelt. Der starke Preisanstieg von Bitcoin, Ethereum und Co. hat den ICO-Markt weiter angeheizt. Viele Investoren versprachen sich von den unterschiedlichen Blockchain-Projekten hohe Renditen.

Die Finanzaufsicht mahnt. Der Hype geht zu Ende.

Ende vergangenen Jahres begann der Umschwung. Die US-amerikanische Börsenaufsicht Security and Exchange Commission (SEC) warnte erstmals scharf vor dem spekulativen Charakter von ICOs und der damit verbundenen Risiken für Anleger. Auch die deutsche Bankenaufsichtsbehörde BaFin machte auf die hohen Risiken aufmerksam. Der Mangel an gesetzlichen Vorgaben und Transparenzvorschriften öffnet Betrügern und Geldwäschern Tür und Tor.

Es wundert daher nicht, dass das ICO Finanzierungsvolumen von Januar bis Ende 2018 um etwa 90% geschrumpft ist.

Dies weist auf eine handfeste Krise im ICO-Sektor hin, daran bestehen keine Zweifel. Das Problem: Ein fehlender rechtlicher Rahmen und ein großer Vertrauensverlust.

Von ICO zum STO.

Der größte Kritikpunkt seitens Regulierungsbehörden in Bezug auf ICOs ist, dass die Token an keine Sicherheiten gebunden sind. Die meisten Token sind sogenannte Utility Token. Diese können unterschiedliche Funktionen annehmen, wie zum Beispiel die Möglichkeit einen Service auf der Plattform zu nutzen oder als Währung für Transaktionsgebühren. Sie sind vergleichbar mit Gutscheinen. Nachdem das Modell mehr und mehr in Kritik geraten ist, sollen Security Token Offerings (STOs) nun für Abhilfe sorgen.

Ein Security Token unterscheidet sich in einer Hinsicht klar von Utility Tokens. Wie der Name schon sagt, bietet er eine gewisse Sicherheit. Während der normale Utility Token lediglich ein Versprechen liefert, dass er möglicherweise in der Zukunft nützlich oder wertvoll sein wird, ist der Security Token von einem Vermögenswert gedeckt und verhält sich ähnlich wie ein Wertpapier. Er ist direkt an Gewinn- oder Umsatzversprechen gekoppelt und lässt sich in dieser Funktion mit einer Aktie vergleichen. Dadurch unterliegt er auch geltenden Wertpapiervorschriften. Die wesentlichen Eigenschaften von Wertpapieren — insbesondere die Verbriefung von Rechten (bspw. Mitbestimmung, Gewinnausschüttungen etc.) — werden in Security Tokens mithilfe von Smart Contracts abgebildet und damit programmierbar. Die Bezeichnung Smart Securities ist damit grundsätzlich zutreffender als Security Tokens.

Damit sind auch schon die wesentlichen Vorteile eines STO genannt. Im Vergleich zum ICO unterliegen diese geltenden Regulierungsanforderungen und bieten damit einen deutlich größere Rechtssicherheit und Anlegerschutz. Es werden im Vergleich zum ICO reale Vermögensgegenstände gehandelt, und keine Versprechen. Sichere Renditen sind damit zwar keineswegs garantiert — jedoch verringert sich die Wahrscheinlichkeit Opfer von Krypto-Scams zu werden deutlich.

Die wevest Digital AG möchte mit der Unternehmerplattform den Markt für Unternehmenstransaktionen neu definieren. Nicht über klassische Banken, sondern über eine moderne Plattform sollen Unternehmer und Investoren zueinander finden. Welche Rolle Security Tokens dabei spielen, erfahren Sie jetzt.

wevest und Blockchain. Einfach mehr Eigentum in einem rechtlich sicheren Rahmen.

Grundsätzlich beobachten wir von wevest alle relevanten technologischen Entwicklungen mit Schnittstellen zu unserem Kerngeschäft — Unternehmenstransaktionen — sehr genau.

Security Tokens besitzen nach unserer Einschätzung das Potential Unternehmenstransaktionen in der Zukunft deutlich schneller, effizienter und kostengünstiger abzubilden. Deshalb haben wir mit Didier Goepfert die Blockchain-Expertise in unserem Management-Team kürzlich deutlich ausgebaut und arbeiten an einem eigenen Security Token Service.

Wir wollen den Service innerhalb eines sicheren rechtlichen Rahmens bereitstellen, der den Anlegerschutz und die Vorteilhaftigkeit einer Transaktionsabwicklung auf der Blockchain gleichermaßen berücksichtigt. Mit einem ICO (Utility Tokens, siehe oben) hat das im Übrigen nichts zu tun. Hiervon distanzieren wir uns klar.

Security Tokens sind nach Auffassung der BaFin als Finanzinstrumente zu betrachten und unterliegen damit den Anforderungen des KWG, WpHG und zahlreichen verbundenen Verordnungen und Verfahren. Die BaFin folgt hier dem einfachen Ansatz „Same Business, same Risk, same Regulation“. Eine dezidierte Blockchain-Regulierung gibt es in Deutschland bisher nicht. Zugleich fehlt es heute noch an einer akzeptierten Nomenklatur und Klassifizierung. Unsere Produktentwicklung ist somit sehr eng geknüpft an den aktuellen Stand der Regulierung und die Notwendigkeit einer weiteren Konkretisierung des rechtlichen und regulatorischen Rahmens. Zusätzlich beobachten wir das schnell wachsende globale Security Token Ökosystem (bspw. Emittentenplattformen, Exchanges, Liquiditätsanbieter) sehr aufmerksam — insbesondere im Hinblick auf Make- or Buy-Entscheidungen bei der Entwicklung unseres eigenen Services.

Neben Unternehmenstransaktionen nähern wir uns auch gezielt der Anwendung der Technologie auf den Markt für Luxusgüter (bspw. Oldtimer, Kunst). Dieser Markt ist heute nur einer sehr vermögenden Zielgruppe im Family Office-Segment zugänglich. Aktuelle Beispiele aus Asien und den USA zeigen jedoch, dass diese Anlageklasse mittels Blockchain-Technologie einem deutlich breiterem Publikum geöffnet werden kann.

Blockchain-Technologie eingesetzt in dem richtigen regulatorischen Set-Up ermöglicht eine digitale und fälschungssichere Dokumentation von Vermögensgegenständen und -verhältnissen. Damit hat sie einen enormen Wert für die Finanzindustrie. Die Möglichkeit reale Güter auf einer Blockchain abzubilden, wird dazu führen, dass in der Vergangenheit illiquide Assets (Gemälde, Wein oder sonstige Luxusgüter) zukünftig beliebig aufteilbar und in liquiden Märkten handelbar werden. Zusätzlich können Transaktionen durch den Einsatz von Smart Contracts automatisiert werden.(Didier Goepfert, wevest Digital AG)

Entscheidend für uns ist, dass die enormen Vorteile der Abbildung einer Transaktion oder eines Vermögenswertes auf der Blockchain durch das regulatorische Set-Up nicht verloren gehen und zugleich die Rechte und Pflichten des Token-Inhabers eindeutig fixiert und rechtlich durchsetzbar sind.

Wir werden Sie in Bezug auf den aktuellen Stand unserer Entwicklung regelmäßig auf dem Laufenden halten. Bleiben Sie dabei und verpassen Sie nichts.


Über den Autor. Didier Goepfert.

Didier Goepfert verantwortet als Head of Product die Blockchain-Aktivitäten der wevest Digital AG. Didier verfügt über langjährige Erfahrungen im Finanzdienstleistungssektor. Zuletzt war er für das Blockchain Projekt Streamr als Partnerships Ambassador tätig. In vorherigen Stationen hat er als Country Manager für Raisin in Frankreich und bei der BNP Paribas in Luxemburg als Vermögensberater gewirkt. Didier hält einen MBA der ESMT Berlin und ist Guest Lecturer für FinTechs & Marketplaces an der TU Berlin.