11 Mythen über Mangelernährung in Lateinamerika

Es gibt häufig das Missverständnis, dass Hunger und Mangelernährung dasselbe bedeuten. Beides geht oft Hand in Hand einher, ist aber dennoch sehr unterschiedlich. Mit der Unterstützung der UN-Initiative Globale Allianz für verbesserte Ernährung hofft WFP, weit verbreitete Missverständnisse aufzudecken. Lesen Sie hier 11 widerlegte Mythen über Mangelernährung und Beispiele, wie WFP den versteckten Hunger in Lateinamerika bekämpft.

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Dec 7, 2017 · 5 min read

1. MYTHOS: Unterernährung und Mangelernährung ist das Gleiche.

Fakt ist: Es ist nicht das Gleiche! Auch wenn weltweit viele Menschen ausreichend essen und sich satt fühlen, können sie dennoch an Mangelernährung leiden, da ihre Ernährung zu wenige Nährstoffe enthält. WFP bekämpft Mangelernährung unter anderem durch die Anreicherung von Nahrungsmitteln — etwa in Panama, wo das Hauptnahrungsmittel Reis ist. Dort unterstützt WFP die Regierung bei der technischen Anreicherung von Reis.

2. MYTHOS: Mangelernährung bedeutet vor allem, zu dünn zu sein.

Fakt ist: Das ist nicht das Problem bei Mangelernährung! Obwohl es stimmt, dass mangelernährte Babys und Kinder oft auch stark untergewichtig sind, ist es ein verbreiteter Irrtum, dass sich Mangelernährung ausschließlich auf ein zu geringes Körpergewicht bezieht. Kinder brauchen nahrhaftes Essen, um gesund aufzuwachsen, aber ausgewogene Ernährung mit Vitaminen und Mineralstoffen ist oft teurer als nährstoffärmere Nahrungsmittel wie Weizen oder Reis. WFP bekämpft Mangelernährung von Kindern unter anderem mit Schulspeisungen. Eine tägliche Mahlzeit in der Schule bietet einen starken Anreiz, die Kinder zur Schule zu schicken und hilft ihnen, sich auf den Unterricht zu konzentrieren. In Honduras zum Beispiel bestehen Schulmahlzeiten aus Bohnen, Gemüse und Reis.

3. MYTHOS: Ernährung beginnt, wenn ein Kind geboren wird.

Fakt ist: Eine gute Ernährung sollte beginnen, bevor ein Kind geboren wird! Die verheerendste Auswirkung der Mangelernährung ist diejenige auf das Kind im Mutterleib, welches sich körperlich und geistig nicht richtig entwickeln kann. Die beste Zeit, um Mangelernährung zu bekämpfen, ist in den ersten 1000 Tagen eines Kindes ab Beginn der Schwangerschaft bis zum Alter von 2 Jahren. WFP bietet schwangeren Frauen und stillenden Müttern in Nicaragua deshalb angereicherte Nahrungsmittel, Bildung und Gemeindeinitiativen. Dieses Programm erhöht die Teilnahme an präventiven Gesundheitsprogrammen und verbessert das Verständnis von einer gesunden Ernährung.

4. MYTHOS: Mangelernährung hat nur Auswirkungen auf die Gesundheit.

Fakt ist: Mangelernährung hat nicht nur gravierende Auswirkungen auf die Gesundheit, sondern auch auf die Lebensqualität eines Menschen. Können Sie glauben, dass Erwachsene, die als Kinder mangelernährt waren, im Durchschnitt mindestens 20 Prozent weniger verdienen als diejenigen, die es nicht waren? Darüber hinaus ist es wahrscheinlich, dass mangelernährte Kinder schlechter in der Schule abschneiden und einen niedrigeren wirtschaftlichen Status im Erwachsenenalter haben. WFP stellt in vielen lateinamerikanischen Ländern angemessene Nahrungsmittel bereit und stärkt so die Kapazitäten der nationalen Regierungen im Kampf gegen Wachstumsstörungen.

5. MYTHOS: Mangelernährung wirkt sich nur auf Individuen aus.

Fakt ist: Die weit reichenden Auswirkungen von Mangelernährung werden oft unterschätzt. Es kann direkte Auswirkungen auf die Sterblichkeit, die Produktivität und das Wirtschaftswachstum eines ganzen Landes haben und einen Teufelskreis der Armut verursachen. Um eine höhere Rate der Mangelernährung in Ländern nach einer Katastrophe zu vermeiden, unterstützt WFP die Menschen mit Nothilfe. Während der Flut in Bolivien lieferte WFP in diesem Jahr mit Nährstoffen angereicherte Energiekekse, die sofort verzehrt werden können.

6. MYTHOS: Mangelernährung betrifft nur hungernde Kinder in Afrika.

Fakt ist: Es ist zwar wahr, dass viele Länder in Afrika unter den Folgen der Mangelernährung leiden, doch wir dürfen die Kinder in anderen Teilen der Welt nicht vergessen. Laut der WFP Welthungerkarte, sind etwa in Haiti 44,5 Prozent der Bevölkerung mangelernährt.

7. MYTHOS: Mangelernährung ist nicht so ernst wie andere Krankheiten in der Welt.

Fakt ist: Mangelernährung ist das weltweit größte Risiko für die Gesundheit! Elf Prozent der Krankheiten in der Welt sind eine Folge von Mangelernährung. Darüber hinaus sind 50 Prozent aller Todesfälle bei Kindern auf Mangelernährung zurückzuführen. Jedes Jahr sterben 3,5 Millionen Kinder unter fünf Jahren. In Ecuador durchbricht WFP diesen Kreislauf unter anderem mit Schulspeisungen, Food&Cash for Work-Programmen, Purchase for Progress (P4P) und Frauenförderung.

8. MYTHOS: Zwischen Ernährung und HIV gibt es keine Verbindung.

Fakt ist: In der Tat gibt es eine Verbindung! Gute Ernährung hilft, das Leben der Menschen die mit HIV infiziert sind, zu verlängern. Bei ihnen kann Appetitlosigkeit auftreten, oftmals haben sie auch Schwierigkeiten Nahrung aufzunehmen. Diese möglichen Symptome machen es umso schwieriger für den menschlichen Körper, gegen das Virus anzukämpfen.

9. MYTHOS: Es ist einfach, alle nötigen Nährstoffe aus der Nahrung zu bekommen.

Fakt ist: Ja, es ist möglich, aber in der Realität leider nicht immer der Fall. Lebenswichtige Vitamine und Mineralstoffe sind wichtig, um Immunität und gesunde Entwicklung zu fördern. WFP bekämpft in Peru Anämie: Mütter in der teilnehmenden Gemeinden erhalten ein Ernährungstraining und ein Kochbuch mit einfachen und günstigen Rezepten, die viel Eisen enthalten.

10. MYTHOS: Anämie kann nicht rückgängig gemacht werden.

Fakt ist: Die meisten Arten von Anämie können rückgängig gemacht werden! Anämie ist ein globales Gesundheitsproblem und meist mit Eisenmangel verbunden. Als Reaktion darauf rief die Regierung von Kuba eine Mikronährstoff-Initiative ins Leben, die von WFP unterstützt wird.

11. MYTHOS: Angereicherte Nahrungsmittel sind genmodifiziert.

Fakt ist: In der Realität haben sie nichts mit Genmodifikation zu tun. Angereicherte Nahrungsmittel liefern Energie, Mikro- und Makronährstoffe für Wachstum und Gesundheit, um Mangelernährung zu verhindern oder zu behandeln. Nahrungsmittel müssen nicht zwingend über Genmodifizierung angereichert werden, sondern können auch auf konventionelle Weise mit Nährstoffen versehen werden.

Originally published at de.wfp.org.

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Offizieller Kanal des UN World Food Programme (WFP). WFP ist die größte humanitäre Organisation der Welt und bekämpft Hunger weltweit. Mehr unter: de.wfp.org

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