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Im Interview: Katja Hildebrand — Logistics Cluster Coordinator in Nigeria

Seit zwei Jahren arbeitet Katja Hildebrand in Maiduguri, einer Stadt im Nordosten Nigerias. In der Region sind rund 4,7 Millionen Menschen dringend auf Ernährungshilfe angewiesen, weitere 1,6 Millionen sind vor der Terrororganisation Boko Haram auf der Flucht. Im Interview erzählt Katja Hildebrand wie sie die Logistik vor Ort koordiniert, warum der Atlas ihr Lieblingsbuch ist und wie sie zu WFP kam.

1. Was sind Ihre Aufgaben als Logistics Cluster Coordinator in Nigeria?

Der Logistics Cluster ist eine Abteilung, die in Konflikt- und Katastrophengebieten die allgemeine humanitäre Logistik koordiniert. Dabei arbeiten wir mit Logistikern von anderen Hilfsorganisationen zusammen, damit die humanitäre Gemeinschaft besser auf die Bedürfnisse der Menschen reagieren kann. Aufgrund bestehender Expertise in der Logistik übernimmt WFP dabei die Leitung des Clusters. Diese Verantwortung habe ich vor zwei Jahren im nigerianischen Maiduguri angenommen. Das heißt konkret: Ich koordiniere sämtliche Logistik vor Ort. Zu dieser Aufgabe zählt, dass wir Lagerhäuser errichten, die dann für all die Hilfsorganisationen zugänglich sind, die selbst diese Kapazität nicht haben. Wir kümmern uns auch um den Transport von Hilfsgütern anderer Organisationen und organisieren Hilfskonvois.

2. Warum haben Sie sich entschieden, für die Vereinten Nationen (UN) zu arbeiten?

Das kam früh. Bereits in der Schule war mein Lieblingsfach Erdkunde. Andere Länder haben mich einfach fasziniert. Der Atlas war mein Lieblingsbuch und an meiner Wand hing eine große Weltkarte. Studiert habe ich dann Geowissenschaften. Da ich neben dem Studium immer gearbeitet habe, konnte ich es mir leisten, in den Semesterferien längere Urlaube zu machen. Da bin ich meist in Asien oder Afrika gelandet. Für meine Doktorarbeit hat mich dann der Zufall nach Nigeria gebracht. Und spätestens dann war klar, dass ich eine akademische Karriere nicht weiterverfolgen würde. Meine Promotion habe ich zwar noch beendet, aber in meinen letzten Zügen an der Uni habe ich ganz gezielt nach Jobangeboten in der Entwicklungszusammenarbeit gesucht.

3. Wie kamen Sie zu WFP?

Durch ein Praktikum. Ich war mit 29 Jahren damals wohl der älteste Praktikantin der Organisation, aber das war mir egal. Sechs Monate habe ich in Rom in der WFP-Zentrale gearbeitet und anschließend bekam ich einen Vertrag in Jordanien. Es hatte sich also gelohnt. Seitdem durfte ich viel erleben. Ich hatte Kurzeinsätze von drei bis sechs Monaten in Pakistan, Djibouti und im Südsudan und war mehrere Jahre in Haiti, Sudan und Nigeria. Ich kann mir heute keinen anderen Beruf mehr vorstellen. WFP mag in Deutschland vielleicht nicht ganz so bekannt sein wie andere Hilfsorganisationen, aber wenn man sich einmal genauer mit der Branche beschäftigt, merkt man schnell, dass WFP nicht nur im Bereich Logistik äußerst interessant ist.

4. Was war bisher Ihre größte Herausforderung?

Geduld. Ich mag das Motto: ‚Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen.‘ Doch in Entwicklungsländern wird oft ein langsameres Tempo an den Tag gelegt. Da hört man dann eher mal: ‚Muss das heute noch sein, oder geht das auch noch morgen?‘

5. Welchen Rat haben Sie für andere, die in einer internationalen Organisation arbeiten wollen?

Ein Praktikum. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie wertvoll das ist. Es ist eine gute Möglichkeit herauszufinden, ob diese Arbeit wirklich zu einem passt. Die harten Bedingungen, unter denen wir in Krisengebieten arbeiten, sind nicht zu unterschätzen. Man muss flexibel und anpassungsfähig sein, darf nicht anfällig für Krankheiten sein und muss eine gute Ausdauer haben. Am Ende des Tages wird man aber belohnt, denn die kleinsten Erfolge können große Auswirkungen haben. Ich kann mir nicht viele Berufe vorstellen, die einem dasselbe geben können.

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Der Blog des UN World Food Programme (WFP)

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Katharina Dirr

Katharina Dirr

Communications Officer at the UN World Food Programme (WFP) in Berlin.

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