Konflikt und Dürre in Mali: Wie WFP im Sahel hilft

WFP Deutsch
Jun 12, 2018 · 4 min read

Dürre und Unsicherheit haben den Hunger im Sahel verschlimmert. Das UN World Food Programme (WFP) kämpft zusammen mit lokalen Gemeinden gegen den Hunger.

Konflikt und die Ausbeutung natürlicher Ressourcen haben Mopti zu einem Epizentrum der Unsicherheit gemacht. WFP versucht alles, um die Lebensgrundlagen der Menschen zu stärken. Foto: WFP/Cecilia Aspe

Mit seinen Klippen und kleinen Dörfern mit Häusern aus geschliffenen Steinen ist Bandiagara in der Mopti-Region ein Juwel des Dogon-Gebiets. Das UNESCO-Welterbe war früher eine der wichtigsten Touristendestinationen in Mali.

Heute macht Mopti andere Schlagzeilen. Konflikte zwischen Gemeinden und die Ausbeutung natürlicher Rohstoffe haben Mopti zum neuen Epizentrum der Gewalt und Unsicherheit im Land gemacht. Daneben sind auch die Gebiete Douentza, Koro und Bankass schwer getroffen.

“Fehlende Arbeitsplätze zwingen junge Männer zur Migration“

Die Krise lähmt Mali seit 2012. Der Tourismus ist fast vollständig kollabiert. Im Jahr 2011 besuchten 160.000 europäische Touristen das Land, 2015 waren es nur noch 35.7000. Das trifft die lokale Wirtschaft, die zum größten Teil aus Hotels, Restaurants, Touristenführern und Kunsthandwerk besteht.

“Fehlende Arbeitsplätze zwingen junge Männer zur Migration, vor allem in die Städte Ségou und Bamako und die Elfenbeinküste. Das kostet die Region die besten Arbeitskräfte“, erklärt Frau Fifi, die Gründerin der lokalen Frauen-Organisation Yam Giribolo Tumo (YAGTU).

Frau Fifi (rechts) gründete die Frauenrechtsgruppe YAGTU und hat ein offenes Ohr für ihre Gemeinde. Auf deren Wunsch half WFP dabei, ein Lagerhaus für die Ernte zu bauen. Foto: WPF/Cecilia Aspe

WFP arbeitet eng mit YAGTU und den Gemeinden zusammen, um deren Lebensgrundlagen zu stärken: Land wird wieder nutzbar gemacht, Gewässerschutz und Wasserversorgung verbessert, effiziente und nachhaltige Methoden für die Landwirtschaft verbreitet.

Weil in Bandiagara das Terrain sehr steinig ist und sich die Bodenqualität konstant verschlechtert, können nur 10 Prozent des Landes bewirtschaftet werden.

Umso wichtiger ist es, Flächen wieder anbaufähig zu machen. Im Dorf Koundougou stellte die Gemeinde bereits mehr als 20 Hektar Land wieder her und baut dort jetzt Schalotten und Sorghum an.

Das Dogon-Plateau ist das zweitgrößte Anbaugebiet für Schalotten in Mali, gleich nach der Segou-Region. Schalotten werden in ganz Mali und den Nachbarländern verkauft. Gerade für arme Familien am Land sind sie die größte Einkommensquelle.

“Die jungen Leute haben Beschäftigung und bleiben im Dorf”

WFP finanzierte ein Lagerhaus und den Ausbau einer Straße, damit die Dorfbewohner besseren Zugang zu den Märkten der Gegend haben, sowie eine Schneidemaschine und eine motorisiertes Mahlwerk für die Weiterverarbeitung der Schalotten.

Frau Tapili (rechts) vor dem Lagerhaus, das mit WFP-Unterstützung gebaut wurde. Foto: WFP/Cecilia Aspe

“Unter anderem wegen dem Damm, den wir mit WFP-Hilfe anlegen konnten, ernten wir statt einmal pro Jahr sogar zwei- bis dreimal, wenn der Regen gut ist. Die jungen Leute haben etwas zu tun und bleiben im Dorf“, sagt Frau Tapili, eine der ältesten Frauen im Dorf.

Leider stehen Bewohner der Sahelzone vor großen Herausforderungen dieses Jahr. Schlechte Regenfälle während der Saatzeit letztes Jahr haben sich auf die diesjährige Ernte ausgeschlagen. Dazu kommen anhaltende Konflikte zwischen den Gemeinden. Das hat zu einem starken Anstieg des Hungers in Mali geführt.

Während der Zeit vor der nächsten Ernte (Juni bis September) wird mehr als jeder vierte im Land nicht genügend zu essen haben. In der Mopti-Region ist die Zahl der Hungernden bereits jetzt 62 Prozent höher als im Jahr davor. WFP und seine Partner arbeiten zusammen, um lebenswichtige Ernährungshilfe zu leisten und setzten sich gleichzeitig für stärkere Widerstandfähigkeit der Gemeinden ein, um bereits erzielte Erfolge nicht zu verlieren.

WFP wird gerade in der Zeit bis zur nächsten Ernte die bedürftigsten Familien mit Nahrungsmitteln unterstützen.

Mehr als jeder vierte Malier wird sich der Zeit vor der nächsten Ernte (Juni bis September) nicht ausreichend ernähren können. Foto: WFP/Cecilia Aspe

Die bewaffneten Gruppen gefährden auch die Bildung der Kinder. Momentan sind 474 Schulen in Mopti geschlossen — mehr als 60 Prozent der Schulen im ganzen Land.

“Wir hätten keine Kinder in der Schule, wenn es keine Schulmahlzeiten gäbe“

WFP unterstützt Schulkinder mit warmen Mahlzeiten, die nicht nur den Hunger stillen, sondern die Kinder auch in der Schule halten.

„Wir hätten keine Kinder in der Schule, wenn es keine Schulmahlzeiten gäbe“, sagt die Lehrerin Ambo Djiguiba. „Es kämen auch keine Mädchen aber heute habe ich genauso viele Mädchen wie Jungen in meiner Klasse“.

Die Bildung, Lebensgrundlagen und Zukunft der Kinder und Familien zu stärken, ist nur mit starken Partnern möglich. WFP ist weltweit die größte humanitäre Organisation im Kampf gegen Hunger und Deutschland einer der drei wichtigsten Geber. Das kommt auch in der Sahelzone Malis an:

Mit großzügiger Unterstützung des Auswärtigen Amts leistete WFP letztes Jahr unmittelbare Ernährungshilfe in der Region, nachdem tausende Familien Hunger litten. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) und Entwicklung finanziert Programme, die langfristig die Widerstandsfähigkeit der Menschen stärken. Dank Schulmahlzeiten füllen sich Klassen — wie jene von Frau Djiguiba — wieder.

Außerdem ermöglichen die Zuwendungen des BMZ Projekte, in denen Kleinbauern wie Frau Tapili landwirtschaftliche Infrastruktur aufbauen und im Gegenzug Nahrungsmittel oder Bargeld erhalten. So entstehen beispielsweise die Bewässerungssysteme in Mopti mit Ergebnissen, die für sich sprechen: Zwei bis drei Erntezyklen statt nur einem pro Jahr.

Dank Schulmahlzeiten gehen die Kinder trotz der Unsicherheit in die Schule. Auf dem Foto: Die Schülerinnen von Frau Ambo Djiguiba. Foto: WFP/Cecilia Aspe

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Offizieller Kanal des UN World Food Programme (WFP). WFP ist die größte humanitäre Organisation der Welt und bekämpft Hunger weltweit. Mehr unter: de.wfp.org

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