WLAN für Flüchtlinge im Irak — Eine Verbindung in die Welt

Englisch lernen mit Youtube-Videos, Mails an die Familie schreiben und sich über soziale Medien vernetzen — all das ist jetzt für syrische Flüchtlinge im Irak möglich. Mit Unterstützung des UN World Food Programme (WFP) nutzen die Bewohner eines Flüchtlingscamps erstmals einen freien Internetzugang.

Weltweit einmalig: freies WLAN in einem Flüchtlingscamp Foto: WFP/ETC

31.000 syrische Männer, Frauen und Kinder leben in Domiz, einem Flüchtlingscamp im Norden Iraks. Sie sind vor Krieg und Gewalt in ihrer Heimat geflohen und teils schon seit Jahren von ihren Angehörigen oder Freunden getrennt. WFP unterstützt syrische Familien im Irak mit monatlichen Nahrungsmittelgutscheinen, womit sie in kleinen Geschäften im Camp einkaufen und sich eigenständig ernähren können.

Seit Juli gibt es nun auch erstmals eine WLAN-Verbindung im Jugendzentrum des Camps — ein Pilotprojekt, das von WFP und Partnerorganisationen ins Leben gerufen wurde. Zur offiziellen Einweihung kamen die Bewohner zusammen und eine Band spielte kurdische Musik.

Für Sally Haydock, WFP-Landesdirektorin im Irak, war die Feier ein einmaliger Moment — denn Domiz ist weltweit das erste Flüchtlingscamp, in dem es überhaupt Internetzugang gibt. „Viele Flüchtlinge hier haben Freunde und Familienangehörige, die noch immer in Syrien sind und oftmals unter schwierigen Bedingungen leben“, sagt Sally Haydock. „Dass sie mit ihnen jetzt Kontakt aufnehmen und in Verbindung bleiben können, gibt ihnen ein Stück weit ihr altes Leben zurück.“

Youssef ist erst vor wenigen Wochen aus Syrien nach Domiz geflohen. Der 14-Jährige ist Rapper in einer Band, die sich im Flüchtlingscamp gegründet hat. Er und seine Freunde können jetzt im Jugenzentrum online Musik hören und auch ihre eigene Musik hochladen.

Doch nicht nur der Kontakt zu den Verwandten und Freunden, die der Krieg getrennt hat, bedeutet den Bewohnern viel. „Jedes Mal wenn wir ins Camp kommen, sagen uns die Kinder ,Wir wollen eine Zukunft, wir wollen lernen‘ und dank der neuen Internetverbindung können wir dazu beitragen, ihnen diesen Wunsch zu erfüllen“, so Sally Haydock.

Mit dem Zugang in die digitale Welt können die Flüchtlinge in Online-Kursen oder mit Youtube-Videos Englisch lernen, nach Arbeitsmöglichkeiten suchen, die sozialen Medien nutzen oder auch mit anderen Campbewohnern Informationen zu Hilfslieferungen teilen. Das stärkt das Gemeinschaftsgefühl untereinander und gibt den Flüchtlingen gleichzeitig die Chance, sich zu informieren, zu lernen oder sich mit der Außenwelt zu verbinden und damit schließlich die Isolation im Camp zu überwinden.

Und das neue Internetangebot stößt auf ein reges Interesse, vor allem unter den jüngeren Bewohnern: Von anfangs 24 Nutzern waren es Ende Oktober schon 115 — die Hälfte unter 18 Jahre alt. 300 Gutscheine wurden seit Beginn des Projekts an die Campbewohner verteilt, womit sie bis zu 5 Stunden am Tag surfen können. Die 23-jährige Ronaz nutzt das Angebot täglich: „Das Internet ist meine einzige Chance, mich selbst zur Musikerin auszubilden. Mit meiner Musik kann ich online andere Flüchtlinge auf der Welt über Rassismus, Gewalt und Sucht aufklären.“

Mohammed stammt aus Quamischli im Norden Syriens und lebt seit über einem Jahr in Domiz. Mit dem WLAN hat er eine eigene Facebookseite für das Camp eingerichtet, die schon 21.000 Likes hat und den Bewohnern erlaubt, Informationen auszutauschen und sich zu vernetzen.

Nach dem erfolgreichen Projektstart im Jugendzentrum wurde im Oktober ein zweites Internetcafé in Domiz eröffnet und die Zukunftspläne der Helfer sind ambitioniert: Langfristig sollen nicht nur alle Flüchtlinge in Domiz und ganz Irak von WLAN profitieren, sondern auch andere Camps weltweit mit Internetzugängen ausgestattet werden.
In Domiz bleibt derweil das Ziel, dass die Flüchtlinge gar kein Internet mehr benötigen, sondern vielmehr in Ihre Heimat zurückkehren können. Doch bis dahin ermöglicht es ihnen eine Verbindung in die Welt nach draußen.

Geleitet wird das Pilotprojekt vom Nothilfe-Telekommunikationscluster (ETC) des UN World Food Programme (WFP) mit Unterstützung durch das UN-Flüchtlingswerk UNHCR, dem UN-Bevölkerungsfond UNFPA und dem WFP-Telekommunikationsteam FITTEST.

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Erfahren Sie hier noch mehr über die WFP-Nothilfe für syrische Flüchtlinge.