Die Evolution des Double Diamonds

Design Thinking Methoden dürfen, nein, müssen sich entwickeln.

Franziska Luh
Dec 28, 2018 · 4 min read

Der Double Diamond ist eines der zwei populärsten Prozessmodelle aus dem Innovationsansatz Design Thinking. Dabei handelt es sich um eine Vorgehensweise in fünf Schritten. Ursprünglich handelt es bei Design Thinking ja “nur” um einen Denk- und Arbeitsansatz mit einem Set an Methoden aus dem “Designer Toolkit”. Das ist mir wichtig zu betonen, denn ganz häufig wird Design Thinking mit dem Design Sprint verwechselt. Dazu habe ich schon einen Beitrag zur Abgrenzung geschrieben, der hiermit empfohlen sei.

Aber zurück zum Double Diamond. Man unterscheidet in diesem Prozess zwei Phasen — die Problemphase (1. Diamant) und die Lösungsphase (2. Diamant) bei der Entwicklung von neuen Produkten und Services.

Das Ganze beginnt mit dem Einfühlen in den zukünftigen Nutzer. Das ist entscheidend. Eine der wichtigsten Veränderungen in der Denkweise der letzten 12 Jahre — seitdem Design Thinking in Deutschland ernst genommen wird — ist der Start eines jeden Innovationsprozesses aus der Nutzerperspektive. Aus dieser ersten Forschung werden Erkenntnisse (Insights) gesammelt, mit denen man in die Ideengenerierung (Ideation) gehen kann.

Wiederholen, wiederholen, wiederholen …

Der original Double Diamond schlägt nun vor, die Problemphase in sich zu wiederholen, bis man zu wirklich einzigartigen Insights kommt. Hierbei würden in der “Reinform” von Design Thinking immer wieder echte Nutzer ins Spiel kommen, die befragt oder beobachtet werden.

Der zweite Abschnitt ist dann die Lösungsphase, in der aus einem aus den Insights definierten Problem viele unterschiedliche Ideen abgeleitet werden, aus denen dann wiederum eine Shortlist an Prototypen entwickelt wird. Auch die zweite Phase soll in sich wiederholt werden, bis man zu einem zufriedenstellenden Ergebnis kommt.

An dieser Stelle setzte ich mit meinem Vorschlag zur Evolution des Double Diamonds an. Deutschland ist ein Land der Ingenieure und Experten. Ihrer Meinung wird ein sehr hoher Stellenwert beigemessen. Das macht es nicht leicht ihnen zu erklären, warum es einen Sinn hat “Nicht-Experten” — also die Nutzer — in einen Entwicklungsprozess einzuschliessen. Und dann auch noch immer wieder. Gleichzeitig haben wir bei unserer Arbeit mit Kunden gelernt: Zu viele Iterationen töten das Ergebnis. Vor allem, wenn die Schleifen zu lang dauern. Denn was der Double Diamond nicht einschliesst, ist die politische Ebene in der Entwicklung von Innovationen, wo Gelder nur fliessen und Freigaben nur erteilt werden, wenn regelmäßig Ergebnisse geliefert werden.

Meine Empfehlung zur Verkürzung des Double Diamonds

Wir starten mit einer intensiven Nutzerforschung (qualitativ und quantiativ sekundär), aus der wir erste Insights generieren und die wir dann gemeinsam mit unserem Kunden interpretieren und weiterführen. Ab hier übernehmen die Experten und wir gehen direkt zur Lösungsphase über — in der bewährten Reihenfolge 1. Ideation (hier kombinieren wir Experten, Querdenker und geschulte Zielgruppenvertreter) und 2. dem Bau einfacher Prototypen, die dann qualitativ getestet werden. Mit den geprüften Ergebnissen können wir in die erste Bewertung und ggfs. Managementpräsentation gehen, ohne zu viel Zeit zu verschwenden.

Das bedeutet einfach gesagt, der Double Diamond wird bei uns über beide Phasen hinweg nach Bedarf wiederholt und nicht innerhalb der einzelnen “Diamanten”. Das schafft ein deutlich besseres Commitment im Team und Management der großen deutschen Industrieriesen. Wenn wir dieses Commitment haben, haben wir auch die Zeit die Idee in der Lösungsphase über mehrere Schleifen zu optimieren. Denn eines muss uns klar sein, eine gute Idee ist noch keine Innovation solange sie nicht in Form eines Produktes oder Services das Licht der Welt erblickt und einen Mehrwert für die Menschen darstellt. Dafür brauchen wir alle an Bord und keine Iterationen nach Lehrbuch.

Wir nennen diesen optimierten Prozess Ideas Sprint — weil er schnell ist und eine Vielzahl validierter Innovationskonzepte hervorbringt. Auch wenn wir oft nicht über unsere Projekte schreiben dürfen: Wenn alles gut geht, zeigen wir im ersten Halbjahr 2019 im Regal, wie so ein Ergebnis aussieht, das in schneller Design-Thinking-basierter Kollaboration entstanden ist. Das ist für uns das größte Lob!

Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, dann spende Applaus (👏🏼-Icon, gern auch mehrfach klicken) oder leite ihn weiter.

Bei X-O Stories gibt es regelmäßig Beiträge zu innovativen Technologien, Unternehmen und Methoden. Außerdem Einblicke und Erkenntnisse aus unserer eigenen Arbeit. Du kannst uns hier bei Medium folgen oder unseren neuen, wunderbaren Newsletter abonnieren, der zusätzlich zu verweisen auf X-O Stories auch Tipps und Links zu spannenden Innovationsimpulsen von anderen liefert.

Du möchtest dich mit uns verbinden? Kontaktiere uns gerne auf unserer Webseite unter xo-projects.de, oder schaue dich einfach mal bei uns um. Wir freuen uns auf dich!

XO-Stories

XO Projects ist ein Innovationslabor für Macher, nicht für…

Medium is an open platform where 170 million readers come to find insightful and dynamic thinking. Here, expert and undiscovered voices alike dive into the heart of any topic and bring new ideas to the surface. Learn more

Follow the writers, publications, and topics that matter to you, and you’ll see them on your homepage and in your inbox. Explore

If you have a story to tell, knowledge to share, or a perspective to offer — welcome home. It’s easy and free to post your thinking on any topic. Write on Medium

Get the Medium app

A button that says 'Download on the App Store', and if clicked it will lead you to the iOS App store
A button that says 'Get it on, Google Play', and if clicked it will lead you to the Google Play store