Du musst den Boden nicht öffnen, um darin zu versinken

5 effektive Methoden mit denen du peinliche Situationen meisterst

Gestern war ich wieder kurz vor Ladenschluss um 21:50 bei (meinem) Rewe. Ich gehe immer so spät einkaufen, denn da sind die Regale wieder aufgefüllt und die Filiale meistens leer.

Da hatten die 6 Jahre als Angestellter also doch etwas Gutes ;-)

Ich sammelte meine Einkäufe zusammen und ging zur Kasse, an der etwa 20 Kunden standen.

Ich war bereit, meine Bewusstheit wahrzunehmen und die genervten und mich von den gestressten und wütenden Menschen nicht in eine Unbewusstheit ziehen zu lassen.

Die Menschenschlange hinter mir wurde größer, während es vor mir nicht wirklich voranging.

Ich war zwar nicht gestresst oder genervt, aber ich nutzte die Situation trotzdem für eine kleine Atemmeditation, also:

Handy anschalten.
Piano Musik an.
Atem beobachten.

Nach etwa 20 Minuten, die Filiale hatte bereits seit 10 Minuten geschlossen, war ich an der Reihe und dank meiner Entspannungsübung fühlte ich mich so frisch wie eine leckere Wassermelone.

“Hallo,” sagte ich freundlich zu der Kassiererin, die kurz vor einem Nervenzusammenbruch stand. “Lassen Sie sich Zeit, stört mich nicht”.

Sie setzte einen Gesichtsausdruck auf, der etwas zwischen Angst und Lachen war.

Ähnliches konnte man von den 20 Kunden behaupten, die sich gerade offensichtlich besseres vorstellen konnten, als hier zu sein.

Sie riefen der Kassiererin zu, stritten sich um die Warentrenner, ließen ihre Einkäufe einfach stehen und verließen den Laden und sahen mich mit ihren fordernen Blicken an.

Ich spürte ihre Blicke und kannte ihre Gedanken.

“Beeil dich jetzt! Na los mach schon!”

Ich ließ mich davon nicht beeindrucken, aber wollte auch nicht provozieren.

Einkauf in die Tasche.
Karte in den Automaten.
Karte ungültig ….

Na gut. Andere Karte.

Auch ungültig.

Die Kassiererin verlangte meinen Personalausweis, um ihn mit der Karte abzugleichen.

“Das ist nicht ihre Karte!”, sagte sie wütend.

“Das ist meine Karte”, erwiederte ich freundlich.

“Oh tut mir Leid, stimmt”.

Sie war deutlich angespannt. Das tippen auf ihren Bildschirm sah aus, als ob sie versuchte eine Flieger mit ihrem Zeigefinger zu zerdrücken.

“Mist…ähm,” machte sie. Irgendetwas funktionierte nicht.

“GEHT DAS MAL VORAN!”, rief ein Kunde, der nur etwa zwei Meter von mir entfernt war.

Dann spürte ich es:

Scham.

Angst.

Wut.

Ich nahm die Gefühle wahr.

Da alle Kunden in einer solchen Reaktion gleich reagieren und ich in der Vergangenheit auch immer wieder gleich reagiert hatte, drohte der Automatismus meine bisher gesammelten Entspannungspunkte wieder zu zerstören.

Mir wurde warm, was entweder an der Hitze lag oder an dem Umstand, dass ich gerade wie ein kleines Reh von fresswütigen Wölfen beobachtet wurde.

Folgendes ist in einer peinlichen Situation wichtig:

1. “Es wird vorbei gehen”

Mache dir klar, dass die Situation gleich wieder vorbei ist. Die unangenehmen Gefühle, die du jetzt gerade spürst, werden nicht für immer anhalten. Wenn die Zeit gekommen ist, dann ist sie vorbei und normalerweise hält das nicht lange an.

Mache dir bewusst, dass du schon in anderen peinlichen Situationen warst, die ebenfalls vorbeigegangen sind. Erinnere dich an diese Situationen und sage dir ganz bewusst, in Übertragung auf die aktuelle Situation, dass auch diese vorbei gehen wird.

2. “Ich kann es nicht ändern”

Auf der einen Seite unseres Lebens stehen die Dinge, auf die wir einen Einfluss haben. Im Gegensatz zu den Dingen, auf die wir keinen Einfluss haben, ist dieser Bereich unglaublich gering.

Mache dir bewusst, dass die Mehrheit der Dinge, die in deinem Leben passieren, einfach passieren. Wenn du dich dagegen sträubst, dann werden sie trotzdem geschehen. Den Umständen ist es allerdings egal, wie du dich dabei fühlst bzw. wie du damit umgehst. Sie passen sich nicht deinem Unbehagen an und dein Unbehagen kann die Umstände ebenfalls nicht ändern.

3. “Wir kennen das”

Warum ist uns etwas eigentlich peinlich? Weil wir gerade etwas tun, was andere für verwerflich bzw. nicht angemessen halten. Was uns in diesen Situationen nur selten klar wird, da wir viel zu sehr mit den unangenehmen Gefühlen beschäftigt sind, ist: Wir waren alle schon in dieser oder einen ähnlichen Situation.

Mache dir bewusst, dass die Menschen, die gerade ebenfalls an der Situation beteiligt sind, auch schon in der gleichen oder einer ähnlichen Situation wie du waren. Ihnen könnte im nächsten Moment das Gleiche geschehen wie dir auch und das Blatt würde sich schlagartig ändern.

4. “Ich atme einfach”

Konzentriere dich auf deinen Atem, denn deine Gefühle wollen dir jetzt einen Streich spielen, um dich vor der Peinlichkeit zu bewahren. Das ist allerdings nicht möglich, denn du kannst nicht weglaufen, sondern musst es aushalten. Deine Gefühle wollen dich zum wegrennen bewegen, deshalb beachte sie nicht, sondern beachte stattdessen deinen Atem.

Mache dir bewusst, dass dein Atem das Beständige ist, dass dich nicht von aus der Situation befreien möchte. Er geschieht einfach, ohne, dass er etwas bezwingen möchte. Er machte dir keine unangenehmen Gefühle und wird dich in dieser Situation dem Moment näherbringen, anstatt so schnell wie möglich nach dem nächsten Moment, dem Ende der peinlichen Situation, zu sehnen.

5. “Nicht mein Problem”

Weißt du noch, worum es im “Punkt 2” ging. Manche Dinge entziehen sich unserer Kontrolle. Das müssen wir uns bewusst machen, ansonsten versuchen wir sie vergeblich zu verändern. Du bist gerade das, was dich in den Mittelpunkt der Situation fixiert. Wenn andere über dich lachen, dann nur, weil sie glauben, sie könnten deine Gefühle kontrollieren. Wenn sie wütend auf dich sind, dann nur, weil sie glauben, sie könnten dich reagieren.

Mache dir bewusst, dass die Aufregung und Aufmerksamkeit der anderen nicht deine Sache ist. Sie könnten anders reagieren, doch das liegt nicht in deinem Einflussbereich. Du bist zwar der Auslöser, also das, was die anderen nicht ändern können, doch sie reagieren lediglich so, da sie selbst glauben, dass sie die Situation ändern könnten.

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