Eine Reise in die Gegenwart: Wie ich das Glück gefunden habe ohne danach zu suchen

Der folgende Artikel ist eine Gebrauchsanleitung. Er ist nutzlos, wenn du die Erfahrungen nicht selbst machst. Es werden ausschließlich Buchstaben und Wörter sein, wenn du dich nicht dazu entschließt, selbst zu handeln.

Wenn du am Ende des Textes keine Veränderung anstrebst, dann ist das auch in Ordnung, schließlich hast du eine Entscheidung getroffen.

Wenn du allerdings eine Veränderung anstrebst, dann erwarte nicht, dass diese eintritt, indem du ein paar Minuten meditierst oder mit einem Mönch redest.

Egal, ob du das folgende “Erleuchtung”, “Diamantweg” oder sonst wie nennst: Du musst handeln, um es zu erfahren, oder wie Eckhart Tolle sagt:

“Ich kann dich keine spirituelle Wahrheit lehren, die du nicht tief innen bereits erkennst. Ich kann dich nur an das erinnern, was du vergessen hast.”

Das Leiden des menschlichen Gehirns

Neurobiologisch betrachtet schwingen wir Menschen wie ein Pendel immer zwischen zwei Zuständen hin und her:

  1. Schmerzvermeidung (körperlich und psychisch)
  2. Effekthascherei (in Form von Hormonen)

Wenn wir Schmerzen haben, dann wollen wir, dass diese Schmerzen vorbeigehen. Diese Taktik erweißt sich in etwa so effektiv, wie wenn wir versuchen, gegen einen reißenden Fluss zu schwimmen. Wir müssen uns treiben lassen und langsam in Richtung Ufer kommen.

Schmerzen zu akzeptieren, war der erste Schritt, der mich von den Schmerzen erlöste.

Ich habe immer gegen die Schmerzen angekämpft, was neurologisch betrachtet ja auch Sinn ergibt. Und gleichzeitig ist es doch sinnlos.

Unser Gehirn ist nicht in der Lage, den Schmerz zu akzeptieren, denn seine ständige Aufgabe ist es, denn Schmerz zu vermeiden bzw. ihn so schnell wie möglich wieder loszuwerden.

Dieser Kampf gegen den Schmerz erhält den Schmerz paradoxerweise. Eine Panikattacke z.B. wird für immer bestehen bleiben, wenn man gegen sie ankämpft. Man muss sich ihr vollkommen hingeben. Man muss sich dem psychischen Schmerz, der sich in dieser Form einfach unerträglich anfühlt, hingeben und sozusagen “aufgeben”, den Schmerz also gewinnen lassen.

Doch man verliert nicht. Man gewinnt. Man spielt dem Gehirn einen Streich. Seine schmerzvermeidende Taktik geht nicht mehr auf. Der Schmerz löst sich auf, da wir nicht mehr gegen ihn ankämpfen.

Bei körperlichen Schmerzen ist es ähnlich. Wir können körperliche Schmerzen gedanklich verstärken, indem wir sie so schnell wie möglich loswerden wollen. Wir gehen den Weg, den unser Gehirn für uns gebaut hat, doch der ist nicht weise.

“Hallo Schmerz. Schön, dass du da bist.”

Bei der Schmerzvermeidung wollen wir den ursprünglichen Zustand wiederherstellen, also die ehemalige “Freude”.

Diesen Zustand wollen wir in glücklichen Momenten erhalten bzw. uns noch mehr dieser Momente schaffen.

“Ich wäre so gerne glücklicher.”

Wenn wir die Momente erhalten wollen, dann sind wir unglücklich, sobald sie wieder vorbei sind.

Wir denken dann an die Vergangenheit, wie schön dieser Moment doch war, als wir noch glücklich waren und werden dadurch unglücklich.

“Ich wäre gerne wieder glücklich.”

Wenn wir die glücklichen Momente schaffen wollen, dann leiden wir, weil wir jetzt im Moment unglücklicher sind, als in dem Moment, den wir uns in der Zukunft vorstellen.

“Ich möchte irgendwann glücklich werden.”

Alan Watts beschreibt dies in “Weisheit des ungesicherten Lebens” so:

“Ich verfalle sofort in einen Widerspruch, wenn ich meine Handlungen und Entscheidungen danach ausrichte, glücklich zu sein, wenn ich mir “Freude haben” als zukünftiges Ziel setze. Denn je mehr meine Handlungen auf zukünftige Freuden gerichtet sind, um so weniger bin ich fähig, überhaupt irgendwelche Freuden zu genießen. Denn alle Freuden sind gegenwärtig und nichts außer dem völligen Wahrnehmen der Gegenwart, kann zukünftiges Glück auch nur zu gewährleisten beginnen.”

Oder wie Buddha in drei Worten sagte:

“Begierde ist Leid.”

Klar wird also, dass wir im Endeffekt niemals wirklich Freude haben (glücklich sein) werden, da wir entweder

  • die Freude erhoffen (um den Schmerz loszuwerden),
  • die Freude erhalten wollen (um keinen Schmerz spüren zu müssen),
  • mehr Freude erwarten (um keinen Schmerz spüren zu müssen).
“Wenn du nicht bekommst, was du willst, dann leidest du. Wenn du bekommst, was du nicht haben willst, dann leidest du. Du leidest sogar, wenn du genau das bekommst, was du haben wolltest nur, weil du es nicht ewig behalten kannst. Das Problem ist dein Denken. Es scheut Veränderungen, es scheut Schmerzen, es scheut die Anforderungen des Lebens und Sterbens.”
Dan Millman

Die Illusion

Nachdem ich meine psychischen Krankheiten losgeworden war, war mir klar, dass ich Schmerzen nicht besiegen kann, indem ich gegen sie ankämpfe.

Obwohl mein Körper sich wie ein Bodyguard zwischen mich und die Schmerzen stellte, musste ich mich diesen einfach hingeben.

Zu diesem Zeitpunkt war das eine enorme Erleichterung für mich, da ich weniger leiden musste.

Beim Zahnarzt (Wurzelbehandlung), nahm ich die Schmerzen einfach an. Es fühlte sich falsch an, doch das war nur der normale Prozess in meinem Gehirn.

Ich wusste es nun besser. Ich wusste, dass ich Schmerz und Leid nicht durch Ablehnung und Kampf schwächen würde. Ich wusste es oder wie Buddha sagte:

Glücklicherweise hatte ich, nachdem ich diese Erkenntnis gemacht hatte, keine Möglichkeiten, Freude durch äußere Dinge zu schaffen.

Ich hatte 10.000€ Schulden und meine Eltern schuldeten mir weitere 50.000€. Ich hätte genügend Anlass dazu gehabt, mich in meinem Schmerz zu baden und daraus ein rießiges Problem zu machen.

Ich sage nicht, dass ich nicht gelitten habe. Es war ein schrecklicher Schmerz, nicht zu wissen, ob ich mir am nächsten Tag noch etwas zu essen kaufen konnte, doch ich akzeptierte den Schmerz, denn nur so konnte ich ihn schließlich loswerden.

“Ja ich habe Angst davor, aber das ist in Ordnung. Ich konzentriere mich darauf, was ich jetzt tun kann. Entweder ich ändere die Situation oder ich akzeptiere sie.”

Gleichzeitig wurde auch das Verlangen nach Freude immer weniger und somit auch der Schmerz. Ich konnte mir nichts kaufen oder mir meine Glückshormone sonst irgendwie durch Urlaub, Aktivitäten oder andere Dinge schaffen.

Ein Dilemma? Theoretisch müsste mein “schmerzvermeidendes” und “effekthaschendes” Gehirn doch implodieren vor lauter Leid?

Das Gegenteil war der Fall. Es gab kein hin und her mehr. Das, wovor ich mein lebenlang Angst gehabt hatte, nämlich zu leiden, war eingetreten und das Leid löste sich auf, da es nicht so schlimm war, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Das ständige Verlangen nach Freude und Erfüllung in der Zukunft hatte sich aufgelöst.

Ich konnte meine Schmerzen, mein Leid, nur jetzt, in der Gegenwart, akzeptieren und dadurch auflösen.

Ich konnte meine Freude, meine Momente des Glücks, dadurch schaffen, dass ich den Augenblick, in dem ich mich jetzt gerade befand, genoß, da ich nicht auf eine Besserung oder Befriedigung in der Zukunft wartete.

Zu hoffen, in der Zukunft glücklicher zu werden, schafft Unzufriedenheit und Leid in der Gegenwart.

Angst davor zu haben, in der Zukunft nicht glücklich zu werden, z.B. durch einen tollen Job, eine große Familie, viel Geld usw. schafft Unzufriedenheit und Leid in der Gegenwart.

Sich darauf zu freuen, dass man in einem Jahr endlich das Leben führen kann, das man sich gewünscht hat, schafft Unzufriedenheit und Leid in der Gegenwart.

Ich erwartete keine Freude mehr in der Zukunft, denn dadurch wurde ich nur unglücklich.

Ich holte die Freude jetzt und hier in diesen Moment, in dem ich mich gerade befand, denn nur so konnte ich meine Zukunft beeinflussen, nämlich durch Konzentration auf das, was ich gerade tat und dies mit Begeisterung und Spaß zutun.

Was ist jetzt gerade mein Problem? Jetzt in diesem Moment? Es gibt keins. Alle Probleme befinden sich entweder in der Vergangenheit oder der Zukunft, aber nie jetzt. Das ist die Illusion.

Hier ein paar Beispiele, wie Milliarden von Menschen täglich leiden:

  • sie haben Krankheiten und wollen diese loswerden, um wieder gesund/glücklich zu sein
  • sie liegen im Sterben und können das Leben nicht loslassen, da sie glücklich sein und leben wollen
  • sie sind reich und brauchen mehr, um noch glücklicher zu werden und haben Angst den Reichtum zu verlieren
  • sie sind arm und wollen Geld und Vermögen haben, um endlich glücklich zu werden
  • sie sind unzufrieden in ihrem Job und warten darauf, dass sie plötzlich einen neuen finden oder kümmern sich nicht darum und leiden stattdessen
  • sie wollen an einem anderen Ort leben, da sie glauben, dass ihre Unzufriedenheit davon abhängig ist, wo sie sich befinden
  • sie lügen andere Menschen an, um gemocht (Freude) und nicht abgelehnt (Schmerz) zu werden
  • sie töten oder verletzen andere Menschen, um ihr eigenes Leid nicht spüren zu müssen
  • sie sind traurig und wollen, dass dieses Leid vergeht, damit sie wieder glücklich sein können
  • sie wollen, dass andere leiden, damit sie selbst glücklich werden, indem sie sich wertvoller fühlen
  • sie sind unglücklich, da andere etwas haben, was sie nicht haben (Eifersucht) und sie wollen, dass diese Menschen genauso leiden, wie sie es gerade tun, um dadurch wieder glücklicher zu werden
  • sie hassen andere Menschen oder sind wütend auf sie, weil sie glauben, dass diese für ihr Leid verantwortlich sind, weshalb sie ihnen mindestens das gleiche Leid wünschen, um dadurch glücklicher zu werden

Immer enger wurde also der Kreis, der mich einengte und somit immer weniger das Verlangen, Schmerz loszuwerden und Effekte in der Zukunft zu bekommen. Denn ich hatte jetzt bereits alles, was ich brauchte und wusste, dass alles andere nur eine Illusion war.

Und gleichzeitig wurde ich immer glücklicher, da ich nichts Äußeres, was mich in der Zukunft vielleicht erwarten könnte, brauchte, was mich vielleicht glücklich machen könnte.

Wir müssen das Glück in uns suchen und nicht außerhalb.

“Das Glück außerhalb von uns zu suchen gleicht dem Warten auf Sonnenschein in einer nach Norden gelegenen Höhle.”
Matthieu Ricard

“Wie kann ich das auch schaffen?”

Vielleicht wirst du dir jetzt sagen “Ja klar, dass du das geschafft hast. Du hast ja auch schlimme Probleme gehabt”.

Da ist etwas dran, aber du kannst selbst durch das Leid gehen und es dadurch auflösen, indem du hindurchgehst.

Lerne die Grundlagen der Achtsamkeit, um die Schmerzen akzeptieren zu lernen.

Befreie dich von allem Materiellen, um die Illusion von Freude in Formen aufzulösen.

Und akzeptiere, dass es nicht einfach ist, etwas so Wundervolles wie das Glück zu finden, das du nie wieder verliereren wirst. Du musst zuerst leiden, doch dann wird sich dieses Leiden auflösen. Der Weg zum Glück ist also das Glück selbst. Du erreichst das Glück nicht irgendwann in der Zukunft, sondern jetzt in diesem Moment.

“Die Paradoxie gehört sonderbarerweise zum höchsten geistigen Gut; die Eindeutigkeit aber ist ein Zeichen der Schwäche.”
Carl Gustav Jung

Du möchtest gerne mehr zu diesen Themen erfahren? Kein Problem.

Hier gelangst du zu meinem beliebtesten Artikel “Wie du in 8 Schritten alle Ängste auflöst”

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