Masken und Rollen: Wer bin ich und wer bin ich nicht?

Teil 3 der Artikelreihe “Die Illusion vom Ich”

“He” by Carol Merida

Nachdem wir uns im ersten Artikel angesehen haben, was Unbewusstheit eigentlich bedeutet und im zweiten Artikel, wie Dualismus zu Störgefühlen und somit zu Leid führt, werden wir in diesem Artikel etwas näher auf die Rollen eingehen, die wir alle spielen.

Rollen und Masken trainieren wir uns in unserer Kindheit schon aus unterschiedlichen Gründen an. In der Jugend spitzt sich das Verhalten dann zu, da unter dem sozialen Druck unser Bewusstsein, also das, was wir eigentlich sind, was also frei vom Ich ist, nicht mehr bestandhalten kann. Das Bewusstsein ist im körperlichen Sinne die Nacktheit unserer Psyche.

Natürlich ist dieses Verhalten auch unbewusst, denn ansonsten wäre es ein bewusstes und somit nicht schädliches Verhalten.

Es ist ein Teil des Egos.

Es kommt vom Ego.

Es ist das Ego.

Die Sache mit dem Schmerz

In meinem ersten Artikel der Reihe habe ich beschrieben, dass sich unser komplettes Leben um zwei Dinge dreht, für die unser Gehirn verantwortlich ist:

  1. Schmerzvermeidung (psychisch und physisch)
  2. Effekthascherei (Hormone)

Ich wiederhole das ausgerechnet jetzt noch einmal, da es bei dem Rollenverhalten wieder um die Schmerzvermeidung und Effekthascherei geht.

In dem Glauben, dass wir durch ein nicht angepasstes, in den Augen unseres Egos “falsches” Verhalten einen psychischen Schmerz erleiden könnten, spannt unser Ego immer dann, wenn wir unter Menschen sind, seine Antennen aus und versucht, diesen Schmerz zu vermeiden bzw. anderen zu gefallen und dadurch die Glückshormone zu erhalten.

Das Ego passt sich dem neurologischen Mechanismus unseres Gehirns an. Es vergleicht frühere Situationen mit der jetzigen Situation und schlussfolgert daraus, welche Rolle es jetzt spielen, welche Maske es jetzt tragen muss, um nicht abgelehnt zu werden. Dabei geht es dem Ego wieder nicht um den Moment, nicht um die Selbstbewahrung und nicht um die eigene Erfüllung, sondern ausschließlich um Schmerzvermeidung.

Das Ego möchte keine Probleme lösen.

Bereits in mehreren Studien wurde nachgewiesen, dass unser Gehirn psychischen Schmerz genauso verarbeitet, wie körperlichen Schmerz. Eine der bekanntesten und umfangreichsten Studien ist die der University of Michigan unter der Leitung des Sozialpsychologen Ethan Kross, die 2011 im “Proceedings of the National Academy of Sciences“ (PNAS) erschien.

Für die Studie wurden Versuchspersonen eingeladen, die innerhalb der letzten sechs Monate an der Trennung einer Beziehung litten. Die Versuchspersonen gaben alle an, sich verletzt und abgelehnt zu fühlen, sobald sie an die Trennung dachten. Die Personen führten zwei Versuchsteile aus, während ganz bestimmte Areale in ihrem Gehirn mittels eines funkitonalen Magnetresonanztomographen (fMRI) beobachtet wurden.

1. Teil des Versuches:
Die Probanden sahen sich sowohl ein Foto ihres Ex-Partners an und dachten dabei daran, wie sie sich dabei fühlten und das Bild eines guten Freundes, während sie an ein positives Erlebnis dachten, das sie mit diesem erlebten.
2. Teil des Versuches:
Am linken Unterarm der Probanden wurde eine Hitzesone befestigt, die körperlichen Schmerz auslösen sollte, der dem einer heißen Kaffeetasse in der Hand ähnelte.

Bei der Auswertung der fMRI-Aufnahmen fanden die Forscher heraus, dass sowohl beim Betrachten der Bilder der Ex-Freunde, als auch beim körperlichen Schmerz durch die Sonden, die gleichen Gehirnregionen aktiv wurden. Zum Einen der somatosensorische Kortex, der Sinnesreize verarbeitet und zum anderen der insuläre Kortex, der Schmerzreize in unterschiedliche Stärken einordnet.

In über 500 vorherigen fMRI-Studien, in denen es um körperliche Schmerzen ging, wurden diese Regionen ebenfalls aktiv.

„Wir stellten fest, dass das Auslösen von starken Gefühlen der sozialen Ablehnung Regionen im Gehirn aktiviert, die auch für das Gefühl des physischen Schmerzes zuständig sind und die nur sehr selten in Studien der Emotionen aktiviert werden“, erklärt Kross. „Diese Ergebnisse sind konsistent mit der Idee, dass soziale Ablehnung oder allgemein ein sozialer Verlust eine emotionale Erfahrung darstellt, die in einzigartiger Weise mit dem physischen Schmerz verknüpft ist.“

Besonders in unserer westlichen Welt werden wir extrem auf psychischen Schmerz konditioniert. Überall stecken Gefahren, überall herrscht die Möglichkeit, Gefangener unserer eigenen Schmerzvermeidungsmaschine zu werden:

  • wir werden in unserer Kindheit für das “falsche Verhalten”, also das Verhalten, das unsere Eltern und unser soziales Umfeld für falsch halten, körperlich oder seelisch bestraft,
  • wir lernen im frühen Kindesalter, dass andere Kinder uns dann mögen, wenn wir nett und freundlich zu ihnen sind,
  • wir werden für Fehler in der Schule, im Studium und in der Ausbildung bestraft, z.B. durch Noten, Ängste (psychischer Schmerz), Gewalt usw.,
  • wir werden in der Schule, im Studium und in der Ausbildung für unser Verhalten, unser Aussehen, unsere Meinung oder grundsätzlich für alles bestraft, was nicht dem entspricht, was die Anderen für richtig halten.

So lernen wir schon früh, dass es Verhalten, Worte und sogar Gedanken gibt, die “in Ordnung”, im Sinne von nicht schmerzauslösend und “nicht in Ordnung”, im Sinne von schmerzauslösend, sind. Da sich diese Schmerzen, wie du gesehen hast, wie körperliche Schmerzen anfühlen, bedrohen sie uns in unserer Existenz.

Wir glauben, oder wir glauben es eher nicht, sondern handeln einfach dementsprechend, als ob wir sterben würden, wenn wir uns nicht anpassen, nicht so sind, wie andere es für richtig halten.

Die Maskenschmiede

So basteln wir uns immer wieder neue Masken. Manche Masken kennen wir bereits, die sind dann schnell angezogen. Wir wissen z.B. aus der Vergangenheit, dass wir uns einem Vorgesetzten gegenüber unterwürfig und freundlich zu Verhalten haben, um angenommen, akzeptiert und gemocht zu werden.

Wir haben vielleicht auch gelernt, dass wir dieses Verhalten übertreiben können, indem wir unserem Vorgesetzten einfach die entsprechenden Effekte liefern, z.B. in Form von übertriebener Freundlichkeit, dem Abnehmen unangenehmer Arbeit oder sogar sexueller Interessenvertretung, bis zu dem Zeitpunkt, dass wir vielleicht sogar körperliche Schmerzen akzeptieren, um psychische Schmerzen zu vermeiden.

Sobald unser Vorgesetzter aus unserem Blickfeld, oder eher dem unseres Egos, ist, taucht z.B. ein Auszubildender, die Putzfrau oder ein Praktikant aus. Unser Ego bleibt aktiviert, doch jetzt spürt es hirarchische Überlegenheit. Den vorherigen Schmerz, den es beim Chef spüren musste, projeziert es jetzt gnadenlos auf den Untergebenen und zieht sich dadurch gleichzeitig die Glückshormone, die es dadurch gewinnt.

Plötzlich verhalten wir uns, natürlich ohne es zu bemerken, dem anderen gegenüber so, wie unser Chef sich gerade uns gegenüber verhalten hat. Wir merken es nicht, denn wir sind in einem unbewussten Zustand. Wir wissen nicht, dass wir unbewusst sind, genauso wie wir im Traum nicht wissen, dass wir träumen, ansonsten würde uns unsere Maske auffallen,

Nach Feierabend gehen wir nach Hause zu unserem Partner, allerdings etwas verspätet, da wir noch Überstunden gemacht haben, um dem Chef seine Arbeit abzunehmen und dadurch das Lob oder zumindest das Gefühl, ein Lob bekommen zu können, zu verspüren. Unserem Ego reicht schon der Gedanke daran, dass unser Chef jetzt denken könnte “Was hab ich nur für einen tollen Mitarbeiter”. Das ist schon Bestätigung genug. Wahnsinnig, oder?!

Wir wissen, dass unser Partner wütend sein wird und das wollen wir natürlich vermeiden, denn Streit fühlt sich unangenehm an und das wollen wir nicht. Das will unser Ego nicht. Es will keine Probleme lösen. Also fahren wir noch zur Tankstelle, kaufen ein paar Blumen, rasen wie ein Verrückter nach Hause, wobei wir noch fast einen Fußgänger überfahren, stolpern die Treppen hoch, als ob es um unser Leben gehen würde, was unser Ego ja glaubt, stürmen in unsere Wohnung, überfallen unseren Partner, drücken ihm die Blumen hin und vermeiden durch übertriebenes Verhalten, dass seine Wut ausbrechen könnte.

Wir schaffen es. Wir lügen ihn an und sagen, dass ganz plötzlich die Steuerprüfung aufgetaucht war und alle Akten durchsehen wollte. Damit, so glauben wir, sind wir zumindest in dieser Hinsicht aus der Verantwortung raus und die wollen wir nicht übernehmen. Verantwortung zu übernehmen bedeutet Schmerz und den wollen wir nicht.

Wir kochen unserem Partner ein tolles Essen, obwohl wir es eigentlich hassen zu kochen. Wir fragen ihn, wie sein Tag war, obwohl wir jetzt am liebsten über unseren Tag reden würden, doch das könnte seinen Blick wieder auf das eigentliche Problem richten und das wollen wir nicht. Das will unser Ego nicht. Es will keine Probleme lösen. Wir servieren ihm unser Essen, sind sogar noch stolz auf uns selbst, dass wir soetwas schönes gekocht haben, doch richten unseren Blick wieder auf unseren Partner.

Jetzt bloß nichts Falsches sagen. Jetzt bloß keine eigenen Probleme ansprechen. Jetzt bloß nicht sagen, dass wir gerade einen absoluten beschissenen Arbeitstag haben. Jetzt bloß nicht die Maske abziehen, die wir gerade tragen, denn was sich dahinter befindet, also unser wahres Gesicht, also das, was wir gerade fühlen, was wir denken, was wir gerne sagen würden, darf jetzt nicht gefühlt, gedacht und gesagt werden.

Wahre Worte sind nicht angenehm. Angenehme Worte sind nicht wahr.
Chuck Spezzano

So wird die eine Maske getragen und dann wieder abgezogen. Darunter verbirgt sich schon wieder eine andere Maske und darunter wieder eine Maske. Es ist eine Illusion, wenn wir glauben, dass sich durch chronisch unbewusstes Verhalten irgendetwas klären könnte. Dass sich dadurch ein Problem lösen könnte. Dass wir dadurch glücklich werden könnten.

Unser Ego will nicht, dass wir glücklich werden.

Es will keine Probleme lösen.

Rollenverteilungen

Wenn andere unbewusst sind, was wahrscheinlich ist, dann weisen sie uns unbewusst Masken zu. Sie drängen uns dadurch in eine Rolle, die wir vielleicht gar nicht spielen wollen, doch um ihnen damit einen Gefallen zutun und die Liebe (die falsche Liebe!) zu bekommen, die wir (die unser Ego!) haben möchte, spielen wir diese Rolle.

Die Chefs der Familie

Unser Ego liebt es, Rollen zugewiesen zu bekommen, denn dadurch kann es sich anderen unterordnen bzw. überordnen. Vorallem in Familien werden feste Rollen unbewusst vergeben und aufrechterhalten. So hat grundsätzlich der Älteste, also der Opa, immer Recht. Man darf ihm nicht widersprechen. Dieses Muster hält nicht nur der Älteste aufrecht, sondern auch alle, die sich an diese unausgesprochene Regeln halten.

Die Leiden der Jungen

Die Jüngsten dürfen keine eigene Meinung haben, werden für Fehler bestraft und müssen das tun, was die Eltern für richtig halten. Das ist eine Rolle. Die hinterfragen vorallem Kinder nicht, denn sie sind bis zu einem gewissen Alter auf ihre Eltern angewiesen. Sie sind nicht so angewiesen, wie der Auszubildende auf den Chef, wo das Ego nur vorgaukelt, dass bei einem “Rollenbruch” die Existenz auf dem Spiel stünde, sondern tatsächlich auf sie angewiesen.

Das Leben, sogar das Überleben, hängt von den Eltern ab. Diese Ängste, die in einem oder mehreren Momenten der Existenzbedrohung von Kindern gespürt werden, werden tief im Gehirn, vorallem im Ego, gespeichert.

Schon in relativ unbedrohlichen Momenten, in denen Eltern ihren Kindern nicht den Schutz boten, den sie benötigen, trennte sich das Bewusstsein der Kinder in so starker Form vom Unterbewusstsein, dass ein Trauma entsteht. Der Schmerz, der in diesem Moment der Bedrohung gespürt wurde, darf auf keinen Fall irgendwann wieder gespürt werden.

Da wir Menschen über ein Bewusstsein verfügen, sind wir in der Lage, ein Trauma zu entwickeln. Das hat den neurologischen Grund, dass wir unsere Instinkte nicht einfach über Board werfen, ansonsten könnte in den nächsten Jahren unser Leben wirklich auf dem Spiel stehen. Alle anderen Lebewesen können kein Trauma entwickeln, denn ansonsten würden sie sofort sterben. Wenn ein Zebra sich aus Durst an eine Löwenherde wenden würde, dann hätte es keine guten Karten.

Bei vielen Kindern ensteht in der Kindheit ein Trauma, da viele Eltern unbewusst sind. Dadurch sind diese Kinder auch als Erwachsene, zumindest mit hoher Wahrscheinlichkeit, stark unbewusst und geben die Schmerzen ebenfalls an ihre Kinder weiter, wodurch ein neues Trauma entsteht.

Ein Trauma zwängt uns in viele unterschiedliche Rollen, die alle schädlich sind. Aus einem früheren Verhalten schlussfolgern wir, dass wir, um unseren inneren Schutz zu erhalten, immer so handeln müssen, dass wir gemocht, akzeptiert und anerkannt werden.

Ich wiederhole:

Ein Trauma, nicht einmal ein starkes, verursacht, dass der frühere Schmerz nicht mehr ausgelöst werden darf.

Wer sagt, dass dieser Schmerz nicht mehr ausgelöst werden darf?

Natürlich unser Ego.

Ein Kind im Alter von fünf Jahren entwickelt ein Trauma, wenn es von seinen Eltern körperlich oder psychisch (wozu es nicht viel bedarf) misshandelt wird.

Ein 25jähriger Erwachsener ist allerdings in keinster Form davon abhängig, ob er von anderen gemocht, akzeptiert oder gewollt wird. Sein Ego vermittelt ihm das allerdings.

Es projeziert den früheren Schmerz auf das heutige Ich und verursacht so ein schmerzvermeidendes Verhalten, das in einer Rolle endet.

Der Erwachsene hält diesen Schutz aufrecht, um die Schmerzen zu vermeiden, die er früher schon einmal gespürt hat. So zwängt er sich in Rollen, um diese schmerzlichen Erfahrungen nicht mehr spüren zu müssen. In den Jahren von der früheren Erfahrung bis heute, hat er sich unterschiedliche Meinungen über sich selbst immer wieder bestätigt.

Wenn ihm früher vermittelt wurde, dass er nichts Wert sei, dann wird er sich dieses Verhalten selbst bestätigen, um die vom Ego geglaubte Wahrheit, die keine Wahrheit ist, sondern eine Illusion, zu erhalten. Er wird andere bestätigen, sobald sie ihm vermitteln, dass er nichts Wert sei. Er wird sich bestätigt fühlen und seine Problem erhalten, anstatt sie zu lösen.

So entwickelt der Erwachsene nach und nach

  • ein Minderwertigkeitsgefühl, dass das Ego bestärkt (“Ich bin weniger Wert, als andere”)
  • ein schwaches Selbstvertrauen, dass das Ego bestärkt (“Ich kann mir s
  • negative Glaubenssätze, die das Ego bestärken (z.B. “Ich bin wertlos”, “ich bin nicht genug”, “ich bin nicht gewollt”)
  • ein schwaches Selbstwertgefühl, dass das Ego besrärkt (“Ich kann mich selbst nicht ertragen”)

Alle diese Formen der Egostärkung beruhen ausschließlich auf der Illusion, die wir uns aufgebaut haben. Sie vermitteln uns alle ein Bild von uns selbst, dass wir durch einen verzerrten Bildschirm sehen.

Sie sind nicht das, was wir sind, sondern das, was wir glauben zu sein.

Ausstieg aus Rollen und Masken

Gerade der letzte Punkt, der falschen Ichvorstellungen, die wir entwickeln können, nämlich das schwache Selbstwertgefühl, ist interessant. Er war auch der Beginn der Arbeit von Eckhart Tolle, der im Bereich Ego einer der bekanntesten Lehrer ist.

Der Satz, also eher das unbewusste Gefühl, das wir haben, sagt:

“Ich kann mich selbst nicht ertragen.”

Sieh dir den Satz einmal genau an. Du kannst hier wieder einmal erkennen, dass das, was wir glauben zu sein, nicht das ist, was wir sind.

Wenn wir uns diesen Satz sagen, dann sind wir mit unserem Ego zwar stark identifiziert, aber gleichzeitig an einem Punkt, an dem wir kurz vor der Lösung stehen.

“Ich kann mich selbst nicht ertragen.”
Wer kann hier wen nicht ertragen?
Wer ist “Ich”?
Wer ist “Selbst”?

Wenn du dachtest, und das ist keine Schande, denn fast jeder tut es und ich habe es auch jahrelang getan, dass du nur aus einem Ich bestehst, dann steckst du in der Illusion.

Dein Ego will dich glauben lassen, dass du nur ein Ich hast, nämlich dein Ego.

Warum?

Es will nicht erkannt werden.

Und was wir sind, können wir schließlich nicht erkennen.

Sobald du dein Ego, also alles schädliche Verhalten, alle schädlichen Gefühle, alle schädlichen Gedanken, erkennst, sind sie dabei sich aufzulösen.

Und das will dein Ego nicht.

Es will keine Probleme lösen.

Und das Ego ist das Problem.

Es würde sich also selbst töten.

Darin besteht schon das eigentliche Problem der “kollektiven Selbstzerstörung”, wie Eckhart Tolle sie nennt.

Und gleichzeitig die Lösung.

Die wirklich großen Probleme unseres Lebens beinhalten meistens die eigentliche Lösung.

Sie zu erkennen ist die schwierige Aufgabe, denn wir suchen nicht in dem Problem, sondern an anderen Stellen, die weit davon entfernt sind.

Du weißt also nun, dass Rollen und Masken unbewusst verlaufen und dich von dem entfernen, der du eigentlich bist und von dem, was du eigentlich gerne tun, sagen und denken würdest. Sie haben nur die Aufgabe, deine Probleme zu erhalten, um Schmerz zu vermeiden.

Je länger und intensiver du in diesem unbewussten Rollenverhalten gesteckt hast, desto schwieriger wird es, daraus auszusteigen, aber es ist nicht unmöglich. Ich habe selbst vorallem mit diesem Verhalten lange gerungen, weshalb ich dir hiermit ein paar Hilfsmittel geben möchte.

Klar sollte nun sein, dass es wichtig ist, dass du deine Rollen und Masken erkennst. Sie waren bisher unbewusst, also musst du sie erkennen, sodass sie nicht mehr unbewusst sind. Sobald du sie erkennst, sobald du bemerkst, dass du z.B. gerade jemanden spielst, um gemocht zu werden, dann löst sich dieses Verhalten auf, da dein Ego sich ertappt fühlt. Es kann dann nicht mehr durch dich handeln, da du jetzt handelst.

Wer bist du?

Derjenige, der im Satz “Ich kann mich selbst nicht mehr ertragen” das selbst ist.

Das Ich ist dein Ego.

Das Selbst bist du.

Bisher warst du immer derjenige, der beobachtet wurde.

Du warst derjenige, der von deinem Ego wie eine Marionette durchs Leben geführt wurde.

Das kannst du deinem Ego nicht einmal für Übel nehmen, denn es wollte in deiner Kindheit nur dein Überleben sichern.

Das änderst du jetzt, indem du selbst die Steuerung übernimmst.

1. Erkenne die Rollen, die du spielst.

Um ein schädliches Verhalten zu erkennen, müssen wir es erst einmal erkennen. Erst dadurch findet überhaupt Reflexion und Verhaltensveränderung statt.

Niemand kann so gut, so ausführlich wie du selbst Verhalten erkennen. Kein Psychologe der Welt kann täglich bei dir sein und dich darauf aufmerksam machen, dass du gerade eine Rolle spielst.

Die Aufgabe ist also erst einmal “relativ” einfach. Ich sage dir allerdings jetzt schon, dass du vermutlich immer eine Rolle spielst, wenn du unter Menschen bist. Dein Ego möchte nicht, dass du diese Rollen erkennst, weshalb du manchmal vielleicht sagen wirst “das war keine Rolle. Das war Ich.”

Du kannst nicht wissen, ob du es warst oder nicht, da du nicht weißt, wer du eigentlich bist. Da du dein lebenlang mit Rollen verbunden warst, kannst du nicht wissen, wer hinter diesen Kostümen steckt. Du weißt erst, wer du eigentlich bist, wenn sich dein Ego nach und nach von dir löst.

Wenn du nicht mehr durch dein Ego handelst.

Diese Artikelreihe wird dir dabei helfen.

Konzentriere dich also nicht darauf herauszufinden, wer du selbst bist, sondern darauf, Rollenverhalten einfach nur zu erkennen. Du musst nichts weiter tun. Alles andere wird schon kommen, wenn der Zeitpunkt gekommen ist. Es gibt keinen Plan, keine Vorgabe, wie du dich zu verhalten hast. Dein Ego hätte gerne einen Plan, denn dadurch könnte es sich wieder in eine Rolle zwängen, doch die gibst du ihm nicht.

Trage vier wochenlang in einer Tabelle alle Rollen ein, die du spielst.
Notiere das Datum, die Person mit der du interagiert hast und deine Rolle, die du gespielt hast.

Rollen sind z.B. Sohn, Vater, Mutter, Tochter, Bediener, Bedienter, Helfer, Hilfenehmer, Verkäufer, Käufer, Angestellter, Chef, Auszubildender, Praktikant, Fremder usw.

Alles, was deinem Ego eine Vorstellung davon gibt, wer du sein könntest, ist eine Rolle.

2. Löse die Rollen, die du spielst.

Es ist unmöglich, alle Rollen auf einen Schlag aufzulösen. Es ist aber möglich, die Rollen nach und nach zu lösen, indem du erkennst, sobald du dich in ihnen befindest. Dadurch bekommst du immer mehr ein Gespür dafür und du selbst wirst immer besser dazu in der Lage sein, Rollen aufzulösen.

Deshalb gehst du folgendermaßen vor:

Gebe dir für jedes Mal, das du erkannst hast, dass du eine Rolle spielst (oder eine Maske trägst), eine Kreuz in die folgende Tabelle.

Mit “erkennen” meine ich übrigens das Bewusstwerden der Rolle. Das kannst du nur dann, wenn du die Rolle erkennst, also nur im Jetzt. Wenn du abends sagst, dass du morgens eine Rolle gespielt hast, dann ist das kein Erkennen, sondern ein Erinnern, dass die Rolle erhält. Du musst die Rolle in dem Moment, indem du sie spielst, erkennen.

Die meisten erkennen zu Beginn eher wenige Rollen, da sie mit der Masse überfordert sind. Mit der Zeit wirst du vermutlich manchmal erschrecken, dass du jetzt gerade eine Rolle spielst oder gerade gespielt hast.

Je öfter du dich der Falschheit deines Ichs bewusst wird, dass dich nur vor Ablehnungen beschützen möchte, desto echter wirst du, da dein Ego schwächer wird, das deine Echtheit verhindert.


Zur Zusammenfassung der Artikelreihe “Die Illusion vom Ich” gelangst du hier.


Du würdest gerne mehr über dieses und weitere Themen erfahren?

Hier gelangst du zu meinem umfangreichsten Artikel “WIE DU IN 8 SCHRITTEN ALLE DEINE ÄNGSTE AUFLÖST”

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