Taoismus feat. Buddhismus: Eine friedvolle Rebellion?

Dieser Blog handelt in seinen grundlegenden Ansichten dem Buddhismus und trotzdem möchte ich andere Lehren und Religionen einfließen lassen, da es ansonsten schlichtweg eine Identifikation wäre, die ich aus unterschiedlichen Gründen weder für dich, noch für mich, aufbauen und in Stein meißeln möchte.

In einigen Bereichen ähneln sich Buddhismus und Taoismus stark, vorallem in Bezug auf die Gegenwartsperspektive, da andere zeitliche Betrachtungen schlichtweg keine Rolle spielen, da sie, wenn wir sie näher betrachten, eine Illusion sind.

Ich habe die Antwort noch nicht gefunden, die ich suche, aber irgendwo wird sie wohl sein. Ich hoffe, dass ich mit diesem Artikel etwas Licht in das Dunkel bringen kann, das in uns herrscht, wenn wir diese beiden Lehren hinterfragen.

Die Gemeinsamkeiten

Im Taoismus handeln wir aus Intuition, voller Lebensfreude und mit dem Gewicht der Verantwortung, die wir uns selbst gegenüber haben, in der Hand. Allein die Selbstverantwortung darf nicht unterschätzt werden. Eine Vielzahl der Menschen ist und wird es rein aus der Unmöglichkeit von der Reflexion, die dafür notwendig ist, niemals in dem Maße schaffen, eine solch starke Selbstverantwortung zu erleben, dass sie sich damit vollkommen wohlfühlen.

Selbstverantwortung meint letztendlich nicht nur die Aufgabe der Illusion, dass es für uns eine Erleichterung wäre, wenn wir für andere die Verantwortung übernehmen, sondern auch, dass wir es klar definieren, dass für uns niemand die Verantwortung übernehmen darf.

Und dann steht man plötzlich da.

Alleine.

Vor dem Abgrund, den wir Leben nennen.

Die Illusion verbirgt Folgendes:

Wir standen da schon immer alleine.

Wir haben uns lediglich ein Gedankenkonstrukt aufgebaut, das uns vorgegaukelt hat, dass wir nicht alleine seien. Wir haben uns in Gedanken Menschen um uns gescharrt, auf die wir, im “Fall des Falles”, zurückgreifen und ihre Hilfe fordern könnten. Mit der kurzfristigen Hilfe gaben wir Autonomität auf. Wir haben einen Preis dafür gezahlt, der so hart war, dass wir völlig vergessen haben, dass wir Flügel haben, die uns beim Sturz tragen würden.

Diese Flügel beinhalten die Grundlagen der Angstbewältigung. Sie machen uns deutlich, dass wir nicht alleine sind, sondern immer etwas in uns tragen, dass uns auffängt.

Jeder kann das nennen, wie er möchte, egal ob Bewusstsein, Inneres Kind, Gott, Schicksal usw.

Die Relevanz, von außen Menschen um sich zu stellen, ist also per se nichtig.

Wir erkennen es nur nicht.

Nun nehmen wir einmal das Bild von dem Abgrund an dem wir stehen und von dem wir plötzlich herunterfallen. Dieser Fall mag uns lebensbedrohlich erscheinen und das tut er auch, aber das liegt einfach am Aufbau unserer Gehirnstrukturen, die potenziell gefährliche Veränderungen eher ablehnen, wodurch unser Angstzentrum mit Angst reagiert.

Jetzt gehen wir aber auch davon aus, dass diese Flügel sich schlagartig aus unserem oberen Rücken einen Weg bahnen und uns durch die Luft tragen werden, was wir durch Erleichterung und, wie könnte es anders sein, ein Gefühl wie bei einem “Höhenflug” spüren.

Wir sind, entweder beabsichtigt oder unbeabsichtigt, was in der Form der Angst erst einmal keine Rolle spielt, den Schritt gegangen, der notwendig war, um in die Richtung zu fliegen, die wir in diesem Moment für richtig halten.

Wie gesagt:

Rein intuitiv und mit der Verantwortung, die wir in diesem Fall übernehmen.

Somit gibt es auch kein “richtig oder falsch”, denn wir haben die Entscheidung, den Weg, den wir einschlagen, mit unserem Bauchgefühl getroffen.

Reue oder Schuldgefühle existieren hier nicht.

Hier erkennen wir, kurz bevor nun ein “Vogel” unseren Weg kreuzt, die letzten Gemeinsamkeiten des Taoismus und des Buddhismus:

Wir handeln aus freien Stücken, nicht frei von Angst, aber mit der Angst und nicht ohne Rücksicht auf Verluste, sondern lediglich unserem inneren Trieb der Freiheit entsprechend. Wir haben die Verantwortung ausschließlich auf uns übertragen, was keineswegs egoistisch, also fremdgefährend oder wahnsinnig, also selbstgefährend, ist. Es ist schlichtweg eigensinnig und auch ein wenig rebellisch. Das entspricht vollkommen den Lehren des Buddhismus.
“Der Taoismus ist eine Rebellion. Die größte Rebellion der Welt.”
Osho

Ich mag das Wort Rebellion zwar nicht, da es negativ besetzt ist, aber es trifft den Kern des Taoismus einfach auf den Punkt.

Natürlich können wir eine Rebellion sowohl negativ ausüben, womit ich meine, dass wir anderen damit schaden und keine Gemeinsamkeit mehr mit dem Buddhismus haben, aber eben auch positiv, wodurch wir die Gemeinsamkeit haben.

Die Mischung zwischen Taoismus und Buddhismus ist also eine friedvolle Rebellion.

Bis zu einem Punkt …

Die Rebellion

Kommen wir an einen Punkt, an dem wir uns entscheiden müssen, welche Lehre wir zurückstellen.

Nehmen wir einmal an, dass du dich z.B. dazu entschieden hast, deine Beziehung zu beenden. Du grübelst schon seit Monaten und hast auch oft durch Gespräche versucht zu retten, was eigentlich nicht mehr zu retten war.

Du hast deinem Partner (Genderisierung nervt beim Lesenfluss) zugehört und bist auf seine Worte eingegangen, aber du hast deine Worte auch so mitgeteilt, dass du der Meinung warst, dass sie Gehör finden werden.

Du bist nun an der Stelle angelangt, an dem du die Beziehung sofort beenden möchtest.

Deine Intuition sagt dir, dass es die richtige Entscheidung ist und du bist bereit, diese Verantwortung zu übernehmen. Ihr lebt zusammen in einem Haus und habt ein Kind, weshalb es nicht einfach werden wird, aber das ist dir bewusst.

Du hast bereits einige notwendige Schritte in Angriff genommen und bist nun bereit, deinem Partner mitzuteilen, dass du morgen ausziehen wirst. Die Erklärungen dafür legst du dir nicht parat, da du nicht über etwas nachdenken wirst, was noch nicht geschehen ist.

Du bist dir aber sicher, dass du deinem Partner in Ruhe und ohne Wutausbrüche die Worte vermitteln möchtest, die in dir darauf warten, gesagt zu werden. Du sagst:

“Es tut mir Leid, ich denke schon seit Monaten darüber nach und wir haben so viel schon versucht. Ich weiß, dass du dir die größte Mühe gegeben hast und ich will und kann dir auch keine Schuld geben, aber es ist für uns beide wohl besser, wenn wir die Beziehung beenden.”

Puh. Geschafft.

Dachtest du.

Das, was in dir schon Wochen oder vielleicht Monate gefruchtet hat, das, was du dir sorgfältig in jeder kleinsten Art und Weise durchdacht hast, das trifft deinen Partner mitten ins Herz.

“Nein…ich….was? Wie kannst du mir das antun?! Weißt du eigentlich, wie sehr du mir damit schadest? Weißt du eigentlich, wie viel ich für unsere Beziehung getan habe? Wir haben ein Kind, wir haben ein Haus, wir haben gemeinsame Konten, Freunde und Familien. Darüber reden wir noch einmal in Ruhe.”

Deine Entscheidung ist getroffen und du bist bereit, diese Entscheidung durchzusetzen, doch, wie meine Psychologin einmal sagte:

“Um jeden Preis?”

Ich möchte dir nicht vorschreiben, was in dieser oder einer ähnlichen Situation richtig oder falsch ist, denn das Leben ist nicht “schwarz oder weiß”.

Wichtig ist, dass du weißt, dass es auf deine innere Haltung ankommt. Wenn du in einem Moment wie diesem Hass und Wut verspürst, da du eine andere Reaktion erwartet hast oder du enttäuscht bist, da du in deiner Entscheidung nicht bestätigt wirst, dann halte inne und spüre nach, woher diese Reaktion kommt.

Projeziere sie nicht auf deinen Partner, sondern versuche herauszufinden, warum du nun so reagierst.

Du weißt, dass Reaktion eines der 84.000 Störgefühle enthält, die du erkennen und akzeptieren kannst.

Das ist Bewusstheit.

Das ist Wissen.

Dadurch bist du Buddha, Bewusstsein, Gott oder an was auch immer du glaubst.

Wenn diese Gefühle sich in dir aufgelöst haben, dann höre noch einmal in dich:

Ist es die Entscheidung, die du treffen möchtest?

Das ist keine Frage, die du dir in Gedanken einfach stellst und danach auf eine Antwort wartest.

Das ist eine Gefühlsfrage.

Du wirst darauf keine Antwort bekommen, sondern sie in deinem tiefsten Inneren spüren. Wenn du dann eine Entscheidung treffen kannst, mit voller Verantwortung, mit Mitgefühl und Demut dem Anderen gegenüber, dann hast du zwei Lehren miteinander verbunden, die, in ihrer Kombination, nichts als die Absicht haben, dein Leben zu erfüllen, ohne andere auf diesem Weg zu verletzen …


Du würdest gerne mehr über dieses und weitere Themen erfahren?

Hier gelangst du zu meinem umfangreichsten Artikel “WIE DU IN 8 SCHRITTEN ALLE DEINE ÄNGSTE AUFLÖST”

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