Vernetzung ist keine Frage des Werkzeugs

Ein Nachklapp zum IOM-Summit 2017 und dem laaangen Weg zum digitalen Arbeiten, der auch analog beschritten werden muss

Imagecredit Pixabay, CCO

Es ändert sich was im Organisationsdenken. Der digitale Wandel kommt bei immer mehr Managern auch im Kopf an. Und wir reden viel mehr über Kultur und Führung als über Technik und Tools.

Filter-Blasen-Optimismus? Nein. Der IOM-Summit 2017 ist nur ein Grund, warum ich so vermessen optimistisch bin. Aber ein wichtiger. Noch bis vor zwei Jahren fand ich mich auf Veranstaltungen zum Thema Enterprise 2.0/Social Intranet/Digital Workplace immer wieder unter den selben IT- und Digital-Nerds wieder und obwohl es jeder selbsternannte Experte besser wusste, war das betrübliche Fazit: “Kein Management-Thema”.

Im Herbst 2017 existiert zwar immer noch eine Gruppe von Evangelisten und Propheten, die sich auf vielen Veranstaltungen immer wieder sehen und gegenseitig in ihren Meinungen bestärken — aber die Filterblase ist geplatzt. Führungskräfte, Vorstände und sogar Personalverantwortliche haben das Thema für sich entdeckt, die Diskussionen und Ideen haben eine neue Qualität bekommen. Beispielhaft zu beobachten auch bei der parallel stattfindenden Messe “Zukunft Personal”, von der es nie zuvor so viele interessante tweets über Führungsveränderung und Unternehmenskultur zu lesen gab, wie dieses Jahr. Es wird spannend sein zu beoachten, ob die ZP als Ausrichter mit dem neuen Format “Digital Mind Change” Erfolg hat. Auch wenn viele Organisationen sich immer noch in den Stadien des Verpuppen, Verkappen und Verirren befinden, wie Sebastian Thielke treffend analysiert hat.

Bewegungen im System

Ich will hier jetzt auch keine Zusammenfassung zum #ioms17 schreiben, das hat die Ellen Trude schon perfekt gemacht. Aber die Bewegungen, die gerade in diesem Kontext Aufwind haben, sind es meiner Meinung nach wert, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. So beispielsweise das Corporate Learning Camp, in dem Unternehmensvertreter sich tatsächlich ganz offen über ihre Lernerfolge austauschen. Oder die Working-out-loud-Gemeinschaft, deren deutsche Ableger gerade bei den ersten DAX-Konzernen Erfolge feiern. Hierzu gab es einen ganz großartigen Impuls mit anschließendem Workshop von Katharina Krentz und Sabine Kluge, wie #WOL bei Bosch eingesetzt wird (hier als Storify). Und natürlich die technologische Entwicklung, die von Chatbots über Cloud-Working bis eben zu bereits vorhandenen Kollaborations-Tools den Druck erhöht. Wo ein Social Intranet oder Enterprise Social Network schon existiert, sind doch manchmal auch wider Erwarten positive Nebeneffekte aufgetreten. Dort, wo dem nicht so ist, hat die Schatten-IT fröhliche Urwüchse gefeiert. Die Mitarbeiter vernetzen sich so oder so von alleine, zuletzt exzellent beschrieben vom Marcus Raitner.

Was Organisationen jetzt aber mindestes tun müssen, ist ihre Mitarbeiter dabei unterstützen und Führungsmodelle auf den damit verbundenen Change anpassen. Am Besten gemeinsam mit ihren Mitarbeitern! Das geht auch analog und ist für manch einen Lerntyp auch notwendig. Menschen, die nicht digital kommunizieren, die ihr E-Mail-Postfach und physische Meetings als einziges Ordnungssystem im Berufsalltag kennen und die die Umstellung vom physischen Posteingang auf elektronische Post noch mitgemacht haben (vor zirka 20 Jahren erst), gibt es in jeder Organisation. Diese Menschen erleben den digitalen Wandel häufig als Belastung oder sogar Überforderung. Das vergessen wir selbsternannten Vorreiter in unseren Filterblasen gern und darum geht beim Change Management auch so viel schief. Der Weg ist noch lang, aber — wie Jonathan Phillips beim IOM-Summit so schön sagte: “I was a little boy, when we started discussing the Digital Workplace.”

Wer sich nun dafür interessiert, wie wir in unserem ThinkTank die Herausforderung Digital Workplace angehen, kann sich hier entweder das Storify von Alexander Kluge durchlesen oder sich den kompletten Vortrag von Matthias Huntemann und mir als Videoaufzeichnung ansehen.