Randnotiz: Der “No true Scotsman”

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Das Manöver des “No true Scotsman” ist nur zufällig und nicht eben aussagekräftig nach Schotten benannt. Üblicherweise wird es durch die folgende argumentative Konstellation charakterisiert: Jemand trifft eine Allaussage über eine bestimmte Menge von Dingen. Diese Allaussage wird dann durch Gegenbeispiele widerlegt. Anstatt aber die Allaussage daraufhin aufzugeben, versucht ihr Urheber sie zu retten, indem er bestreitet, dass die Gegenbeispiele überhaupt echte Elemente der fraglichen Menge seien.

Es ergibt aber wenig Sinn, den “No true Scotsman” auf so eine spezielle Dialogsituation einzuengen. Im übrigen geht es typischerweise nicht um irgendwelche Mengen mit irgendwelchen Elementen, sondern genauer um Gruppen von Personen, die jemand in Schutz nehmen möchte.

Aus diesen Gründen scheint es für praktische Zwecke sinnvoll, den “No true Scotsman” so zu charakterisieren: Es ist ein Manöver, bei dem man eine Personengruppe durch eine willkürliche definitorische Einschränkung aus der Schusslinie zu nehmen versucht. Willkürlich ist die definitorische Einschränkung insofern, als sie der Definition der fraglichen Personengruppe widerspricht, die außerhalb der speziellen Debatte vorausgesetzt wird.

Im Artikel über linke Reaktionen auf die Hamburger Krawalle geht es mir nicht um irgendwelche überpolitischen logisch-rhetorischen Entlarvungen (offenbar eine neuerdings entdeckte Marktnische). Es bedarf auch keiner Entlarvungen — das Unglaubwürdige liegt schon offen zutage.

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